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Was Corona-Antikörpertests wirklich bringen

Corona-Antikörpertests für Zuhause  

Hat meine Corona-Impfung gewirkt?

Von Christiane Braunsdorf

26.07.2021, 11:16 Uhr
Was Corona-Antikörpertests wirklich bringen. Blutabnahme: Lassen sich Corona-Antikörper finden? (Quelle: Getty Images/ bluecinema/ E+/)

Blutabnahme: Lassen sich Corona-Antikörper finden? (Quelle: bluecinema/ E+//Getty Images)

Nach einer Corona-Infektion bildet das Immunsystem Antikörper. Diese lassen sich im Blut aufspüren. Doch wie zuverlässig sind die Nachweise, die jetzt auch als Selbsttests angeboten werden?

Eine Corona-Infektion kann einen sehr milden oder sogar asymptomatischen Verlauf nehmen. Daher vermuten viele Menschen, dass sie sich bereits mit dem Coronavirus infiziert, jedoch davon nichts bemerkt haben oder nur sehr leichte Symptome zeigten. Damit hätten sie – zumindest vorübergehend – einen Immunschutz gegen das Virus.

Andere fragen sich: Hat meine Corona-Impfung auch gewirkt? Dies soll sich mithilfe von Antikörpertests ermitteln lassen. Sie können beim Hausarzt oder inzwischen auch als Selbsttest durchgeführt werden. Doch was taugen diese Tests und was wird da überhaupt geprüft?

Nachweis über Genesung

Seit Ende Juni gelten Antikörpernachweise als Beleg einer Genesung von einer Corona-Infektion. Bis dahin konnten Genesene ihre Infektion ausschließlich über einen zurückliegenden positiven PCR-Test nachweisen. Sie brauchen dann nur eine Impfung. Wenn der Zeitpunkt der Infektion nicht zu ermitteln ist, sollen sie jetzt zeitnah geimpft werden, um den Immunschutz möglichst rasch herzustellen.

Was genau weisen diese Antikörpertests nach? Es gilt zwei Varianten zu unterscheiden: Zum einen wird die Existenz von Antikörpern gegen das Coronavirus im Blut nachgewiesen. Das bloße Vorhandensein sagt jedoch kaum etwas über einen eventuell bestehenden Schutz vor einer Infektion aus.

Keine klaren Richtwerte

So erklärte der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI) Lothar Wieler Ende Juni in einer Bürgersprechstunde des Bundesgesundheitsministeriums: "Die Vorstellung ist: Man weist Antikörper im Blut nach und dann weiß man anhand der Menge der Antikörper, jemand ist besser oder weniger gut geschützt. Aber dieses Wissen ist einfach nicht da. Das heißt, es kann Menschen geben, die haben Antikörper im Blut, aber die schützen gar nicht und es gibt andere, da weist man gar keine Antikörper nach, aber sie sind trotzdem geschützt."

Was man sagen könne, sei, dass wenn Antikörper nachgewiesen werden können, hätten die Menschen schon mal was mit diesem Virus zu tun gehabt, sonst hätten sie keine Antikörper, so Wieler. 

Auch die Anzahl der Abwehrstoffe scheint kaum etwas über den Schutz auszusagen. "Es kann einem noch niemand sagen, ab welchem Wert man wirklich immun ist", erklärte der Immunologe Professor Carsten Watzl der dpa. "Das kann man bei anderen Viren, so weit sind wir beim Coronavirus aber noch nicht." Auch hohe Antikörperwerte bergen also eine Restunsicherheit.

Keine absolute Sicherheit

Aufschlussreicher scheint ein sogenannter Neutralisationstest zu sein. Dabei wird untersucht, wie gut die Antikörper gegen das Virus wirken. Uwe Gerd Liebert, langjähriger Leiter des Instituts für Virologie an der Uniklinik Leipzig, sagte im MDR: "Es gibt von diesem Virus natürlich eine ganze Reihe von Proteinen oder Eiweißkörpern, die Antikörper hervorrufen können. Aber nur ein kleiner Teil dieser Antikörper verhindert tatsächlich eine Neuinfektion – ist also neutralisierend. Das sind Antikörper, die vor allem gegen das Spike-Protein gerichtet sind."

Doch auch Neutralisationstests böten keine absolute Sicherheit, gibt Thomas Lorentz aus dem Vorstand des Berufsverbands Deutscher Laborärzte zu bedenken. Aber man könne schon sagen: "Ein positiver Neutralisationstest heißt fast immer, dass man geschützt ist."

Fünf Tests – dreimal negativ, zweimal positiv

Das sieht Dr. Roland Ballier kritisch. Er ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für nicht-aktive Medizinprodukte in Konstanz.

Ballier zweifelt die Verlässlichkeit der Antikörpertests generell an: "Selbst wer zu seinem Arzt geht, diesen Blut abnehmen und die Probe ins Labor schicken lässt, kann unzuverlässige Ergebnisse bekommen. Eine Patientin von mir hat fünf Labortests absolviert: Dreimal kam das Ergebnis, sie habe keine Antikörper gegen das Coronavirus. Zweimal wurden solche nachgewiesen. Damit ist sie jetzt so schlau wie vor den Tests. Und das obwohl die Tests bis zu 130 Euro kosten."

Noch kritischer beurteilt er die Selbsttests auf Antikörper, die zum Beispiel im Internet angeboten werden. "Von denen ist eigentlich abzuraten. Sie sind in ihrem technischen Design nicht zuverlässig genug."

Antikörper-Selbsttests: Im Internet können Sets für ca. 20 Euro bestellt werden. (Quelle: Imago/ MiS)Antikörper-Selbsttests: Im Internet können Sets für ca. 20 Euro bestellt werden. (Quelle: Imago/ MiS)

Selbsttests unzuverlässig und nutzlos

Die Schnelltests würden darüber hinaus nicht von unabhängigen Stellen überprüft. "Das CE-Zeichen, das sie tragen, zeigt lediglich, dass der Hersteller selbst erklärt hat, dass sein Produkt den geltenden Anforderungen genügt. Dies wurde aber nicht unabhängig überprüft", so Ballier.

Abgesehen von der Zuverlässigkeit sieht Ballier auch keinen wirklichen Nutzen für den Verbraucher. "Die Selbsttests werden nicht als Nachweis anerkannt, dass eine Impfung zum Beispiel nicht nötig ist, oder genauer: Dass nur eine Impfung nötig wäre, weil man als Genesener gelten kann."

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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