Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Betrunken im Mutterleib

dpa, t-online, Jenni Zwick; rev

Aktualisiert am 08.09.2015Lesedauer: 4 Min.
Schon ein GlĂ€schen Alkohol kann in der Schwangerschaft großen Schaden anrichten.
Schon ein GlĂ€schen Alkohol kann in der Schwangerschaft großen Schaden anrichten. (Quelle: DATA73/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo

Alkohol

Die AusprĂ€gungen von FAS können sehr unterschiedlich sein: Die Kinder können zum Beispiel körperliche Fehlbildungen, Wachstumsstörungen und SchĂ€digungen des zentralen Nervensystems aufweisen. Alle diese FĂ€lle wĂ€ren im Unterschied zu erblich bedingten Behinderungen vermeidbar. Aber ab und an mal ein SchlĂŒckchen - das kann doch nicht so schlimm sein, denken noch immer viele werdende MĂŒtter. An den Zahlen sieht man: Doch - auch ein kleines SchlĂŒckchen kann schlimme Folgen fĂŒr das Kind haben.

Schon ein GlÀschen kann zu viel sein - das sind die Folgen

Einen Schwellenwert fĂŒr Alkoholkonsum gibt es nicht. Schon kleinere Mengen können das Kind schĂ€digen, warnen KinderĂ€rzte und Hebammen. Allerdings gilt, je mehr eine Schwangere auf einmal trinkt, desto schwerwiegender sind die Folgen. Das Problem: Alkohol und seine Abbauprodukte hemmen die Zellteilung, so dass die natĂŒrliche Organentwicklung und vor allem die Entwicklung des Gehirns gestört werden kann.

Chronischer Alkoholmissbrauch der Mutter kann eine schon vorgeburtliche Wachstumsverzögerung, HirnschĂ€den und Fehlbildungen beim ungeborenen Kind verursachen. Die betroffenen Kinder haben ein niedriges Geburtsgewicht, wenig Unterhautfettgewebe sowie prĂ€- und postnatale Wachstumsstörungen. Außerdem leiden sie oft unter Gesichtsfehlbildungen, Gaumenspalten und Fehlbildungen innerer Organe, Herzfehlern, AuffĂ€lligkeiten der Genitalien und Harnwege sowie Störungen der geistigen, psychischen und psychomotorischen Entwicklung.

Wenn weniger schwere FolgeschĂ€den vorliegen, sprechen Ärzte von Fetalen Alkoholeffekten (FAE). Diese zeigen sich durch intellektuelle LeistungsschwĂ€chen im logischen Denken und beim Lösen komplizierter Probleme. Die Kinder können Informationen nicht schnell verarbeiten und haben MerkschwĂ€chen. Auch sind ihre fein- und grobmotorischen FĂ€higkeiten oft gestört, VerhaltensauffĂ€lligkeiten wie HyperaktivitĂ€t kommen ebenfalls vor. Außerdem ist das Risiko fĂŒr eine Fehlgeburt insbesondere in den ersten zehn Wochen der Schwangerschaft erhöht.

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Sanktionen treffen jetzt auch manche deutsche Rentner
Anti-Kriegs-Demo in MĂŒnchen (Symbolbild): Mit Sanktionen gegen Russland versucht der Westen, das Kriegstreiben Putins aufzuhalten.


Zuletzt belegte eine kanadische Studie noch einmal, welche Entwicklungsdefizite Betroffene im Kindes- und Jugendalter haben. In einer Langzeitstudie wurde dabei erstmalig mit einem bildgebenden Verfahren die strukturelle Hirnentwicklung bei gesunden Menschen und Menschen mit FAS im Alter von fĂŒnf bis 15 Jahren beobachtet. Es zeigte sich, dass der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft die Entwicklung des Gehirns des Kindes bis ins Jugendalter, negativ beeinflusst. So schnitt die von FAS betroffene Gruppe etwa bei kognitiven Leistungstests wesentlich schlechter ab.

Jeder Schluck gelangt zum Kind

Nimmt die Mutter Alkohol zu sich, rauscht dieser durch die Nabelschnur direkt ins Blut des Ungeborenen. Somit hat das Kind schnell den gleichen Promillegehalt wie die Mutter, da die Plazentaschranke, die den Blutkreislauf der Mutter und der des Babys trennt, den Alkohol nicht herausfiltern kann. Doch baut die Mutter den Alkohol schneller ab als das Kind.

Die Leber des ungeborenen Kindes ist noch nicht vollstĂ€ndig entwickelt, so dass, im Vergleich zur Mutter, der Alkoholspiegel beim Baby zehnmal langsamer sinkt. Wenn die Mutter den Alkohol in ihrem Blut bereits abgebaut hat und keine Wirkung mehr spĂŒrt, ist ihr Baby noch immer der schĂ€digenden Wirkung des Alkohols ausgesetzt. Trinkt die Mutter jeden Tag ein Glas, ist das Kind womöglich durch die ganze Schwangerschaft betrunken.

FAS ist nicht heilbar

Vielen Ärzten fehlt das Wissen, um das Fetale Alkoholsyndrom zu diagnostizieren. Auch spezialisierte Diagnose-Zentren sind rar. So wird FAS hĂ€ufig gar nicht oder erst nach Jahren festgestellt - fĂŒr Erziehungsberechtigte und Kind bedeutet das ein Spießrutenlaufen. Viele sind ĂŒberfordert von ihren "speziellen" Kindern. Gerade wenn den Eltern, Erziehern und Ärzten nicht bewusst ist, welche Krankheit hinter dem meist auffĂ€lligen Verhalten des Kindes steckt, ist der Frust in der Familie groß. Das Kind wird schnell zum Problemkind, das sich nicht - auch nicht mithilfe der Eltern - aus seiner Lage befreien kann.

Die SchĂ€den durch FAS "verwachsen" sich nicht, sie können auch nicht gĂ€nzlich therapiert werden. Behandlungen helfen aber, das Potential, das bei den Kindern vorhanden ist, wenigstens ausschöpfen zu können. Selbsthilfegruppen und Vereine empfehlen folgende Therapien: FrĂŒhförderung, Krankengymnastik, Ergotherapie, Sprach- und Schlucktherapie, MotopĂ€die , Musiktherapie, Hippotherapie (therapeutisches Reiten), Bobath-Therapie , Osteopathie und Kinesiologie. Betroffene Eltern und Pflegeeltern finden beispielsweise auf www.fasworld.de und www.fasd-beratung.de Foren und Selbsthilfegruppen, in denen sie sich ĂŒber ihre Situation und Probleme austauschen können.

Verhaltensmerkmale von FAS-Kindern

Der Verein FASworld-Deutschland hat mit UnterstĂŒtzung der betroffenen Eltern die typischen Verhaltensmerkmale von FAS-Kindern in den verschiedenen Altersklassen zusammengetragen. Das sind Eigenschaften, die auch beim gesunden Menschen vorkommen, allerdings bei Menschen mit FAS ganz besonders extrem ausgeprĂ€gt sind, wie der Verein anmerkt. Auch nach therapeutischer Hilfe zeigen sich meistens kaum Besserungen.

Alkoholkonsum vor Feststellung der Schwangerschaft

Vielen Frauen ist die Tatsache, dass sie schwanger sind, nicht bewusst. Durch Alkoholkonsum schaden sie ihrem Kind, ohne dass sie es wissen. Wird die Schwangerschaft erst spÀt entdeckt, machen sich viele Frauen Sorgen - zu Recht. In diesen FÀllen sollten die Frauen auf jeden Fall konsequent auf Alkohol verzichten, damit sich der kindliche Organismus in der restlichen Zeit normal entwickeln und bis zu einem gewissen Grad auch regenerieren kann.

Ob es bereits zu SchĂ€den gekommen ist oder nicht, lĂ€sst sich vorab nicht feststellen, denn gerade in der ersten Zeit der Schwangerschaft ist die Gefahr, dass es zu körperlichen Fehlbildungen kommt, groß. Als einzige Methode gilt die möglichst genaue Ultraschalluntersuchung. Diese Untersuchung kann ab der 18. Woche durchgefĂŒhrt werden. Sie erlaubt es, zumindest schwerere Fehlbildungen bei dem Fötus auszuschließen oder nachzuweisen. Frauen mit stĂ€rkerem Alkoholkonsum in der ersten Zeit der Schwangerschaft sollten dies unbedingt mit ihrem Frauenarzt besprechen, auch wenn sie nach Feststellung der Schwangerschaft auf den Alkohol verzichten.

Mehr als jede siebte Schwangere trinkt weiter Alkohol

Trotz der Gefahren trinken in Deutschland noch immer etwa 14 Prozent der Schwangeren gelegentlich Alkohol. Die Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung legt daher im Rahmen ihrer Kampagne "Alkohol? Kenn dein Limit." bewusst einen Schwerpunkt auf die Ansprache von werdenden MĂŒttern und VĂ€tern, da Eltern gemeinsam Verantwortung fĂŒr die gesunde Entwicklung ihres Kindes tragen. Werdende VĂ€ter können ihre Partnerinnen in der Schwangerschaft unterstĂŒtzen und dazu gehört auch, einen verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol selbst vorzuleben und die werdende Mutter keinesfalls zum Alkoholkonsum zu ermuntern.

Weitere Artikel

Interaktive Grafik
Interaktive Grafik: So wÀchst und entwickelt sich das Gehirn
Mit einem Klick auf das Bild kommen Sie auf unsere interaktive Grafik zur Gehirnentwicklung.

Sport, ErnÀhrung, Genussmittel
Schwanger – muss ich mein Leben jetzt Ă€ndern?
Schwanger! Manche Gewohnheiten sollten Frauen jetzt Àndern.


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
  • Melanie Rannow
Von Melanie Rannow
Beliebte Themen
BlĂ€hungen SchwangerschaftBlutungen SchwangerschaftDarmkrĂ€mpfe SchwangerschaftEileiterschwangerschaft SymptomeGebĂ€rmuttersenkungIbuprofen SchwangerschaftLebensmittel SchwangerschaftMutterpass AbkĂŒrzungenNach Periode schwanger werdenSchwangerschaftskalenderSchwangerschaftstest ab wann?Schwangerschaftsvergiftung SymptomeWehen erkennen

t-online - Nachrichten fĂŒr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlÀngerung FestnetzVertragsverlÀngerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website