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Schamottsteine beim Kachel- und Kaminofen – alle Infos

Köstliche Backwaren selbstgemacht  

Schamottstein: So funktioniert der Hitzespeicher

23.08.2021, 17:34 Uhr | rw, t-online, ron

Schamottsteine beim Kachel- und Kaminofen – alle Infos. Schamottstein: Baguettes aus Weizensauerteig direkt aus dem Ofen. (Quelle: imago images/imagebroker)

Schamottstein: Baguettes aus Weizensauerteig direkt aus dem Ofen. (Quelle: imagebroker/imago images)

Er ist feuerfest, dient im Ofen als Wärmespeicher und eignet sich sogar fürs heimische Backen: der Schamottestein. Doch das Material hat auch seine Tücken.

Kamine, vor allem aber die verhältnismäßig günstigen Kaminöfen haben in den letzten Jahren ein starkes Revival erlebt. In diesem Zusammenhang wird ein Werkstoff immer wichtiger: der Schamottestein oder Schamottstein ohne "e". Doch was macht dieses Material so besonders? Was sind die Vorteile? Und gibt es auch Nachteile?

Was ist ein Schamottstein?

Die Bezeichnung Schamottstein ist ein wenig missverständlich. Schamotte ist nämlich keine natürlich vorkommende Gesteinsart, sondern ein von Menschenhand geschaffener Baustoff, der sich aus mehreren Bestandteilen zusammensetzt.

Wie werden Schamottsteine hergestellt?

"Ursprünglich wurden Ziegelsteine und wohl auch die ersten feuerfesten Steine aus reinem Ton geformt und gebrannt", erklärt der Diplom-Physiker Fritz Peters. "Dabei musste man allerdings sehr große Trocken- und Brennschwindungen in Kauf nehmen."

Schamottstein: Er heizt ein, auch wenn im Kamin schon längst kein Feuer mehr brennt. (Quelle: L. & F. Peters GmbH) (Quelle: L. & F. Peters GmbH)Schamottstein: Er heizt ein, auch wenn im Kamin schon längst kein Feuer mehr brennt. (Quelle: L. & F. Peters GmbH) (Quelle: L. & F. Peters GmbH)

Um die Maßhaltigkeit zu verbessern, so der Experte weiter, habe man feuerfesten Ton vorgebrannt. "Den vorgebrannten Ton nannte man Schamotte", erklärt Peters, der in Eschweiler bei Aachen eine eigene Firma für feuerfeste Erzeugnisse betreibt.

Welche Vorteile haben Schamottsteine?

Schamottsteine sind feuer- und hitzebeständig, sie nehmen die Wärme des Kaminfeuers sehr gut auf und geben diese dann nach und nach an den Raum ab. Die Schamotte-Verkleidung eines Kamins – von Fachleuten bezeichnenderweise oft als Strahlungsflächen bezeichnet – kann ein angrenzendes Zimmer noch mehrere Stunden lang erwärmen, wenn das Kaminfeuer längst erloschen ist.

Wofür wird Schamottstein verwendet?

Ofenkacheln

Schamottstein wird zum Beispiel bei der Herstellung von Ofenkacheln verwendet. Dabei wird einer keramischen Kachelmasse gemahlene Schamotte hinzugefügt. "Das verbessert deutlich die Wärmespeicherung einer keramischen Ofenkachel", sagt Ingo Schultz, Meister im Kamin- und Kachelofenbau beim Duisburger Kaminofenhersteller Hark.

Heizeinsätze

Zudem werden hochtemperaturbeständige Schamottesteine zum Auskleiden von Heizeinsätzen genutzt – um "die dahinterliegenden Ofenwände aus Metall zu schützen", erklärt der Hark-Experte weiter. "Wesentlich sind Temperaturwechselbeständigkeit und ein hohes Wärmespeichervermögen, auch Wärmekapazität genannt."

Unser Tipp
Wer den Baustoff selbst einkaufen und verarbeiten will, sollte also diese Qualitätskriterien im Blick haben. "Hier hilft ein Blick ins technische Datenblatt und das EG-Sicherheitsdatenblatt, das einem jeder Händler auf Verlangen aushändigen muss", empfiehlt Fritz Peters.

Pizzasteine

Auch viele Pizzasteine für den (Mini-)Backofen oder Grill sind aus Schamott. Diese Steine gibt es in verschiedenen Formen – rund, rechteckig, quadratisch – und unterschiedlichen Ausfertigungen, zum Beispiel mit und ohne Edelstahlrahmen.



Damit die Pizza gelingt, geben Sie den Pizzastein zum Vorheizen in den Backofen oder legen diesen auf den Grill. Dank seiner sehr guten Wärmefähigkeit gibt der Schamottstein die Hitze während des Backvorgangs gleichmäßig an den Pizzateig ab. Gleichzeitig nimmt der Stein die Feuchtigkeit des Teigs auf. So wird der Teig am Boden schön knusprig und bleibt darüber saftig.

Pizzastein: Dafür eignen sich Materialien wie Schamotte oder Cordierit. (Quelle: imago images/Marius Schwarz)Pizzastein: Dafür eignen sich Materialien wie Schamotte oder Cordierit. (Quelle: Marius Schwarz/imago images)

Reinigungs-Tipp
Pizzasteine aus Schamott haben eine offenporige Oberfläche und werden schnell fleckig. Reinigen Sie den Stein nach jedem Gebrauch deshalb umgehend, zum Beispiel mit einem feuchten Küchentuch, nachdem er vollständig abgekühlt ist. Vermeiden Sie hohe Temperaturunterschiede und legen Sie den heißen Stein zum Einweichen nicht in kaltes Wasser. Eingebrannte Reste lassen sich mit einem Ceranfeldschaber oder Holzschaber entfernen. Die Spülmaschine ist für den Pizzastein tabu.

Pizzaofen

Wer viel Platz hat, kann sich auch einen Pizzaofen in den Garten stellen. Dieser besteht meist aus Schamottsteinen, die sich ebenso stark aufheizen und die Hitze für längere Zeit speichern. Pizzaöfen für den Garten sind als Fertigofen und als Bausatz im Baumarkt erhältlich.



Einige Outdoor-Pizzaöfen sind mit einem Grill kombiniert, andere sogar mobil mit Rädern: So können Sie die Öfen an eine andere Stelle im Garten fahren oder für den Winter im Schuppen abstellen.

Welche Nachteile haben Schamottsteine?

Schamottsteine sind ziemlich spröde und daher verhältnismäßig empfindlich. Sowohl bei der Verarbeitung des Werkstoffs als auch bei der späteren Kaminnutzung ist deshalb ein wenig Vorsicht geboten. Die häufig mit Schamottsteinen ausgekleideten Seitenwände eines Kamins leiden beispielsweise auf Dauer, wenn regelmäßig dicke Holzscheite dagegen stoßen. Deshalb sollten Sie das Brennholz stets so ins Feuer legen, dass es nicht mit der Kaminwand in Berührung kommt.

Kann man gerissene Schamottsteine reparieren?

Um es vorwegzunehmen: Im Ofen können an den Schamottsteinen durchaus Risse entstehen. Ist es ein kleiner Riss, funktioniert der Schamottstein trotzdem und speichert weiter Wärme. Bemerken Sie aber, dass der Riss größer wird oder der Schamottstein auseinanderbricht, sollten Sie handeln.

Die gute Nachricht: Eine Reparatur ist oftmals günstiger als ein Neukauf. So können Sie kleine Risse mit Dämm- oder Brandschutzpaste oder Wasserglaszement zuspachteln. Bereits gebrochene Steine bearbeiten Sie mit Schamottkleber oder -mörtel.

Wie werden Schamottsteine verbaut?

Wollen Sie Schamottsteine selbst verarbeiten, braucht es neben handwerklichem Geschick vor allem geeignetes Werkzeug. Durchbohrt werden die Steine am besten mit hoher Drehzahl und bei wenig Druck auf den Bohrer. Auf Bohren mit Schlag sollten Sie lieber verzichten, damit das Material um die eigentliche Bohrstelle herum nicht abplatzt oder bricht.

Die Verbindung zwischen den einzelnen Schamottsteinen bildet spezieller Schamottmörtel. Er ist hitzebeständig bis etwa 1.300 Grad und für Fugenbreiten von einem bis drei Millimeter geeignet. Den angemachten Mörtel sollten Sie etwa drei bis fünf Stunden lang verarbeiten. Bei Bedarf können Sie sogar noch etwas Wasser nachmischen, um die Zeitspanne weiter zu verlängern.

Wie schneidet man Schamottsteine?

Gesägt werden können Schamottsteine am besten mit einer Flex mit diamantbesetztem Schneidblatt. Auch beim Sägen sollte der Heimwerker mit wenig Druck und dafür umso mehr Geduld zu Werke gehen. Beim Sägen des äußerst trockenen, spröden Materials entsteht viel Staub, weshalb Sie bei der Arbeit unbedingt Schutzbrille und Mundschutz tragen sollten.

Unser Tipp
Wer handwerklich nicht sonderlich geschickt ist und nicht sicher weiß, was er tut, sollte lieber gar nicht erst auf eigene Faust tätig werden. Notwendige Reparatur- oder auch Verschönerungsarbeiten kann der örtliche Ofenbauer durchführen. Dieser hat nicht nur das richtige Werkzeug, sondern auch die nötige Erfahrung im Umgang mit Schamottsteinen.

Wie viel kosten Schamottsteine?

Schamottsteine können Sie zwar selbst online über das Internet beziehen. Empfehlenswerter ist es allerdings, sich an eine örtliche Fachfirma für Ofenbau zu wenden. Dort können die einzelnen Teile, wenn auch oft gegen Aufpreis, gleich aufs benötigte Maß zugeschnitten werden. Der Blick ins Internet kann aber helfen, sich selbst überhaupt erst einmal ein Bild vom Preisniveau zu machen.

Preis-Info
Im Baumarkt bewegen sich die Kosten für einzelne Schamottsteine bei etwa fünf Euro pro Stück in den Maßen 250 x 124 x 20 Millimeter. Schamottesteinplatten (200 x 400 x 30 Millimeter) sind für unter 20 Euro zu haben.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • L.& F. Peters GmbH
  • Ofenseite.com
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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