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Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen: Tipps

Kletterpflanzen  

Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen

08.06.2015, 10:51 Uhr | dpa-tmn

Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen: Tipps. Die Fassadenbegrünung sollte professionell geplant werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Fassadenbegrünung sollte professionell geplant werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kletterpflanzen an der Hauswand haben Vor- und Nachteile. Die Pflanzen halten einen Teil der Sonnenstrahlung von der Hauswand fern, so dass sich das Gebäude im Sommer nicht so stark aufheizt. Andererseits darf man mit der Fassadenbegrünung nicht einfach loslegen. Wer beim Planen Fehler macht, riskiert massive Schäden an der Hauswand. Was bei der Fassadenbegrünung beachten werden muss und welche Pflanzen sich eignen.

Baumwürger, Strahlengriffel oder Knöterich – schon die Namen vieler Exemplare deuten an, welches Potenzial in ihnen steckt. "Wer einfach irgendeine Kletterpflanze an die Wand setzt, kann schnell sein blaues Wunder erleben", warnt Stefan Brandhorst von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken.

"Eine grüne Fassade ist nichts anderes als ein vertikaler Garten, mit allen Vor- und Nachteilen", sagt Thomas Wagner vom Bundesverband Deutscher Gartenfreunde. Allerdings kommt die Natur dem Menschen hier besonders nah. "Wer sich dafür entscheidet, muss damit rechnen, dass auch Sechs- und Achtbeiner sowie Schnecken vom Grün angelockt werden." Angst vor Spinnen und anderen Insekten ist also fehl am Platz.

Eine Pflanze kann ein dreistöckiges Haus begrünen

Zwischen zwei und sieben Meter können sich Kletterpflanzen in die Höhe schlingen. "Ein einziger Wilder Wein kann im Laufe der Jahre ein dreistöckiges Haus dicht begrünen", sagt Robert Markley, Geschäftsführer des Verbandes der Gartenbaumschulen im nordrhein-westfälischen Haan.

Die richtigen Kletterhilfen

"Man unterscheidet zwischen den Gerüstkletterpflanzen und den Selbstklimmern", erläutert Stefan Brandhorst. Zu den Gerüstkletterpflanzen zählen Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. In der Natur finden sie meist Halt an anderen Pflanzen. Je nach Gattung bevorzugen die Pflanzen verschiedene Kletterhilfen.

"Schlingpflanzen wie der Blauregen umschlingen Seile oder Stäbe mit einem Durchmesser zwischen 0,5 und 5 Zentimetern", so Brandhorst. Die Kletterhilfen sollten außerdem möglichst vertikale Strukturen aufweisen, erklärt der Experte. Solche Starkschlinger haben es aber in sich: "Ohne regelmäßiges Zurückschneiden werden sie immer kräftiger und sprengen am Ende Dachrinnen oder würgen Regenrinnen ab", erläutert Thomas Wagner.

Spreizklimmer wie Kletter- und Rankrosen bevorzugen Kletterhilfen mit waagerecht verlaufenden Strukturen mit großen Maschenweiten von 30 bis 50 Zentimetern. Sie werden an die Kletterhilfe gebunden und hangeln sich mit Hilfe ihrer Stacheln, Dornen oder Seitentrieben weiter nach oben.

Für Ranker sind gitter- oder maschenartige Kletterhilfen ideal mit Maschenweiten von 10 bis 25 Zentimetern.

Efeu "haftet" ohne Hilfe an der Mauer

Selbstklimmer wie der Efeu und der Wilde Wein bilden sogenannte lichtfliehende Triebe, die aktiv ins Dunkle wachsen. Das ist ihre größte Gefahr: Ihre Haftwurzeln können in Fugen hineinwachsen und die Fassade beschädigen. "Selbstklimmer eignen sich nur für fugenlose, massive Wände", betont Stefan Brandhorst. Bei wärmegedämmten Fassaden reicht die Statik für Selbstklimmer nicht aus. Die Putzoberfläche kann reißen, und Wasser dringt ein. Dann funktioniert das gesamte Wärmeverbundsystem nicht mehr.

Gute Kletterpflanzen für die Hauswand

Wer mit der Fassadenbegrünung kleine Schönheitsfehler an der Hauswand kaschieren möchte, dem empfehlen Experten eine andere Pflanze: Knöterich wird im Volksmund auch Architektentrost genannt, weil er sehr schnell kleinere bauliche Mängel unter seinem dichten Blätterkleid verdeckt. Allerdings muss man wissen, dass die Pflanzen nicht aufhören zu wachsen. Sie müssen daher regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen sind lebende Klimaanlagen

Eine begrünte Fassade kann auch ein ökologischer und preiswerter Sonnenschutz sein. Die Grünpflanzen hielten einen Teil der Sonneneinstrahlung ab, erklärt der Eigentümerverband "Haus & Grund" in Berlin. Dadurch, dass das Mauerwerk vor direkter Sonnenstrahlung geschützt ist, heizt sich das Gebäude insgesamt nicht so auf und im Hausinnern herrscht ein angenehmeres Raumklima, als es bei einer nicht begrünten Fassade der Fall wäre.

Die Fassadenbegrünung vom Profi planen lassen

Wer eine Fassadenbegrünung plant, sollte allerdings vorher das Mauerwerk von einem Fachmann überprüfen lassen. "Der Putz muss intakt sein", mahnt Stefan Brandhorst. So bräuchten Selbstklimmer entweder einen mineralischen Putz oder einen nicht ganz frischen Beton als Unterlage.

Außerdem muss unbedingt ein Profi die Last der Pflanze berechnen. Auf dieser Grundlage werden dann die Anker und ein stabiles Ranksystem ausgewählt und montiert. Es ist extrem wichtig, dass diese Berechnungen und Installationsarbeiten von einem Fachmann durchgeführt werden. "Anderenfalls kann die Last zu groß und die Verankerung aus der Fassade gerissen oder die Kletterhilfe beschädigt werden." Die dadurch entstehenden Schäden können die Kosten für die Installation der Kletterhilfe um ein Vielfaches übersteigen.

Der richtige Standort für Kletterpflanzen

Ursprünglich sind Kletterpflanzen in Auen und Wäldern beheimatet. "Daher brauchen sie einen frischen, humusreichen Boden, der tiefgründig ist", empfiehlt Experte Brandhorst. Der geeignete Standort variiert je nach Gattung. Für sonnige Plätze empfiehlt Brandhorst die Zier-Kiwi mit ihrer rosafarbenen Blattspitze und gelb blühende Waldreben. "Für schattige Plätze eignen sich die Alpen-Waldrebe und das Trompeten-Geißblatt." Die Duftrebe, Wilder Wein und die Spalthortensie vertragen sowohl Sonne als auch Schatten. 

Der Wind ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum, denn er zieht mit großer Stärke um die Hausecken - das beeinträchtige das Pflanzenwachstum, erläutert Gärtnermeister Brandhorst. Vor allem mit zunehmender Höhe wirkten die Kräfte stärker. Daher sollten Kletterpflanzen nicht an diesen exponierten Stellen in die Höhe gezogen werden, sondern sich von der Wandmitte aus entwickeln.

Fassadengrün richtig pflanzen

Das Loch im Boden für die Kletterpflanzen sollte mindestens 50 Zentimeter breit und tief sein. Der Raum, den die Pflanze mit Wurzeln füllen kann, muss mindestens einen Kubikmeter umfassen. "Das ist oft schwer zu realisieren", sagt Michael Henze, Umweltreferent beim Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. "Denn Kletterpflanzen stehen ja direkt an Hauswänden, wo der Wurzelraum begrenzt wird durch Fundamente, Keller oder Fußwege."

Richtige Pflege für Fassadengrün

Fassadengrün ist relativ pflegeleicht. In heißen trockenen Sommern braucht es ab und zu etwas Wasser. Manche Arten wie der Blauregen benötigen einen jährlichen Rückschnitt. "Wenn die Pflanzen lange Triebe ausbilden, sieht die Fassade bald ungepflegt aus", erklärt Henze. "Die Pflanzen müssen auch zurückgeschnitten werden, um Fenster, Türen oder das Dach freizuhalten." Im Frühjahr empfiehlt sich eine Gabe von organischem Dünger. Auch etwas Kompost kann sich günstig auswirken.

Vorteile der Fassadenbegrünung

- Kletterpflanzen schützen das Gebäude vor Witterungseinflüssen wie starke Sonneneinstrahlung oder Regenfälle und mindern die Temperaturschwankungen.

- Fassadenbegrünung sorgt für Wärme- und Schallschutz.

- Klima wird durch Erhöhung der Luftfeuchte verbessert.

Nachteile der Fassadenbegrünung

- Wuchernde Kletterpflanzen sprengen möglicherweise Dachrinnen oder würgen Regenrinnen ab.

- Zu große Last der Pflanzen kann Rankhilfe und auch Fassade beschädigen.

- Haftwurzeln können in Fugen hineinwachsen und so die Fassade zerstören.

- Fassadengrün braucht den richtigen Standort zum Wurzeln.

- Pflanzen müssen regelmäßig gepflegt werden.

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