Sie sind hier: Home > Heim & Garten > Garten >

Streit mit dem Nachbarn: Wer hat recht?

Ruhestörung, Qualm und Co.  

Darüber streiten Nachbarn im Sommer

24.08.2019, 15:07 Uhr | dpa-tmn, jb

Es ist der Klassiker unter den Nachbarschaftsstreits: Doch welche Regeln gibt es bei der Gartengestaltung? (Screenshot: Imago)
Wichtige Regeln der Grundstücksbepflanzung

Der Klassiker unter den Nachbarschaftsstreits: Die Grundstücksgrenze wird nicht beachtet oder einfach unterschiedlich ausgelegt.

Regeln bei der Gartengestaltung: So klappt es auch mit dem Nachbarn. (Quelle: t-online.de)


Während man im Winter oftmals nicht bemerkt, dass man Nachbarn hat, lässt sich deren Existenz im Sommer kaum überhören und übersehen. Das birgt viel Konfliktpotenzial.

Vom qualmenden Grill, über den lärmenden Rasenmäher bis zu überhängenden Zweigen gibt es in Haus und Garten jede Menge Gründe, mit seinem Nachbarn zu streiten. Doch wer hat im Streitfall recht? Das sagen die Gerichte.

Als Hausbesitzer oder Eigentümer überlegt man besser ganz genau, um was man mit seinem Nachbarn in welcher Heftigkeit streitet. Immerhin muss man meist noch eine lange Zeit neben den gleichen Nachbarn wohnen. Eine gerichtliche Auseinandersetzung sei unbedingt zu vermeiden, warnt auch der Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland in Berlin.

Unabhängig davon, wie das Urteil ausfällt, bleibt der Ärger bestehen solange der Nachbar eine Dauererscheinung im Leben ist, so der Verband. Auch Juristen raten zu einvernehmlichen Lösungen. Welche Rechte und Pflichten gelten, regeln dabei die Nachbarrechtsgesetze der Länder und das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB).

Ruhestörung: So laut dürfen Nachbarn sein

Ein Dauerbrenner unter Nachbarschaftsstreitigkeiten ist auch die Geräuschkulisse. Hier gilt die Nachtruhe zwischen 22 Uhr und 6 Uhr. Sie ist einzuhalten. Beachten Sie daher Regeln zur Ruhestörung, um Ärger zu vermeiden. Sommerfeste und andere gesellige Runden im Freien müssen dann so gedämpft ablaufen, dass sich niemand gestört fühlt. Dasselbe gilt während der Mittagsruhe, die allerdings individuell und nicht bundeseinheitlich geregelt ist.

Ein heikles Thema ist das Rasenmähen. Eigentlich ist im Bundesimmisionsschutzgesetz genau geregelt, dass man laute Maschinen und Geräte – wie einen Rasenmäher – in Wohngebieten nur werktags zwischen 9 Uhr und 13 Uhr sowie zwischen 15 Uhr und 17 Uhr einsetzen darf. Der Samstag zählt dabei als Werktag. Ausnahmen bilden besonders leise Mäher, die das EU-Umweltzeichen tragen. Die dürfen sogar zwischen 7 und 20 Uhr durchgehend benutzt werden. An Sonn- und Feiertagen müssen die Mäher hingegen generell ruhen. Diese Regelung gilt jedoch nicht für die klassischen Handrasenmäher. Wann man Rasenmähen darf und was man dabei beachten sollte.

Streit um den Balkon

Aktivitäten auf dem Balkon bieten besonders oft Anlass für Zwistigkeiten. "Der Balkon gehört zur Wohnung, deshalb dürfen hier Stühle, Bänke, Tische oder Sonnenschirme aufgestellt werden", erklärt der Deutsche Mieterbund in Berlin. Auch Blumentöpfe oder -kästen dürfen Mieter – auch an der Außenseite – aufstellen. Sie müssen allerdings ordnungsgemäß befestigt sein, sodass sie auch bei starkem Wind nicht herunterfallen und Passanten oder Nachbarn verletzen können.

Allerdings müssen es Nachbarn nicht hinnehmen, dass ständig Blüten auf ihre Terrasse fallen (Landgericht Berlin, AZ.: 67 S 127/02). Auch Gießwasser von oben darf weder den unten wohnenden Nachbarn noch die Fassade des Hauses beeinträchtigen (Amtsgericht München, Az.: 271 C 73794/00).

Garten frei gestalten

Schwierig wird es, wenn es um die optische Gestaltung des Gartens geht. Hier hat jeder Besitzer freie Hand. Das schließt auch Gartenzwerge ein, auch wenn diese nicht den eigenen Geschmack treffen. Allerdings müsse es sich um Zwerge "im baumarktüblichen Sinne" handeln. Figuren in Lebensgröße oder mit beleidigender Gestik müssen Nachbarn nicht akzeptieren.

Probleme könnten auch Sportfans bekommen, die im Sommer die Fahne ihres Lieblingsvereins an einen Mast im Garten hissen. Weil die Fahne im Wind "sehr erhebliche Geräusche verursache", müsse das Juristen zufolge ein Nachbar nicht unbedingt hinnehmen.

Überhängende Äste

Wuchernde Pflanzen, die zum Nachbarn wachsen, müssen zurückgeschnitten werden. Laut Gesetz müssen Pflanzen auf dem eigenen Grundstück bleiben. Hängt ein Ast über den Zaun, dürfe der Nachbar erst dann selbst zur Säge greifen, wenn der Eigentümer des Baumes eine Frist von zwei bis drei Wochen zur Beseitigung nicht eingehalten habe. Trägt die Pflanze jedoch Früchte oder Blüten, fängt die Frist erst nach der Ernte beziehungsweise der Blüte an zu laufen.

Info
Was Sie noch über Pflanzen an der Grundstücksgrenze wissen sollten.

Grillen im Garten und auf dem Balkon

Beim Grillen gilt: Sowohl im Garten als auch auf der Terrasse oder auf dem Balkon: Es darf gegrillt werden und Nachbarn müssen das akzeptieren. Es ist allerdings nicht erlaubt, wenn das Grillen im Mietvertrag ausdrücklich verboten ist oder der Rauch in die Nachbarwohnungen zieht. Problematisch können dabei gemauerte Plätze zum Grillen sein. Diese kann man nicht einsehen und je nach Windrichtung weht der Rauch in eine andere Richtung. 

Die Kirschen in Nachbars Garten

Den Garten des Nachbarn als Frischobstquelle zu nutzen, ist ohne entsprechende Absprache oder Genehmigung nicht erlaubt. Auch wenn sich die Früchte an über den Zaun hängenden Zweigen befinden, dürfen Sie sie nicht einfach pflücken. Fallen die Früchte des Nachbarn hingegen – ohne Schütteln – auf das andere Grundstück, sind sie Eigentum des anderen und dieser darf das Obst verwerten.

Mediation statt Gerichtsverfahren

Sollte es zu Unstimmigkeiten mit dem Nachbarn kommen, hilft oft ein klärendes Gespräch in freundlichem Ton. Der Weg zum Anwalt und vor Gericht ist teuer und nervenaufreibend. Wenn sich der Streit nicht beilegen lässt, ist eine Mediation eine gute Hilfe zur Konfliktbewältigung unter Nachbarn.



Anders als vor Gericht geht es im Mediationsverfahren nicht darum, einen Schuldigen auszumachen, sondern mehr Verständnis für das Gegenüber zu erwecken. Viele Konflikte können so ohne Gerichtskosten im Einvernehmen gelöst werden und belasten nicht dauerhaft das Verhältnis in der Nachbarschaft.


Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa-tmn

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Diese Banken finanzieren Ihr Eigenheim
Jetzt hier den Zins-Check machen:

AnzeigeZINS-CHECK

Anzeige
Highlights für den Herbst jetzt bis zu 30% reduziert
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUlla Popkenhappy-size.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal