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Judith Rakers mag keine rote Bete im Beet

Von dpa
Aktualisiert am 11.02.2021Lesedauer: 4 Min.
In ihrem Garten sĂ€t Nachrichtensprecherin Judith Rakers all das GemĂŒse aus, das sie selbst gerne isst.
In ihrem Garten sĂ€t Nachrichtensprecherin Judith Rakers all das GemĂŒse aus, das sie selbst gerne isst. (Quelle: Sebastian Fuchs/GrĂ€fe und Unzer Verlag/dpa-tmn./dpa)
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Hamburg (dpa/tmn) - Als die "Tagesschau"-Sprecherin Judith Rakers vor drei Jahren aufs Land zog, wusste sie nicht mal wie ein RasenmĂ€her angeht. Genauso beginnen gerade viele mit dem HobbygĂ€rtnern - und erleben vermutlich auch erst mal Rakers Frust mit der Theorie. Rakers hat ĂŒber ihre Erfahrungen ein Buch geschrieben.

Im Interview mit dem dpa-Themendienst erzĂ€hlt sie, wie sie ohne Gartenerfahrung eine reiche Ernte einfĂ€hrt und welchem GemĂŒse sie das Beet verweigert.

Frau Rakers, die Gartensaison steht bevor: Haben Sie schon geplant?

Judith Rakers: Nein, das habe ich noch nicht. Doch bevor ich Ende Februar mit der Anzucht von Tomaten und Gurken beginne, werde ich auf jeden Fall einen Plan haben, um die Fruchtfolge einzuhalten und zu wissen, was in welches Beet darf.

Anzucht, Fruchtfolge - Sie klingen wie ein Gartenprofi. Sind Sie einer?

Judith Rakers: Überhaupt nicht! Als ich vor drei Jahren aus Hamburg aufs Land zog, wusste ich noch nicht einmal, wie ein RasenmĂ€her angeht. Ich war ein absoluter Vollhonk im GĂ€rtnern. Mein Vater hat zwar einen Ziergarten, meine Großeltern sogar NutzgĂ€rten und Bienen. Aber das ist alles so lange her, da kann ich mich nicht mehr dran erinnern.

Wie sind Sie zum GĂ€rtnern gekommen?

Judith Rakers: Wann der Wunsch ganz konkret entstand, kann ich nicht so genau sagen. Sicherlich hatte mein Interview mit dem Ethnobotaniker Wolf-Dieter Storl in unserer Talkshow "3 nach 9" einen Anteil, und auch mein Umzug aufs Land. Irgendwann wollte ich es einfach einmal ausprobieren, habe mich eingelesen: in Gartenratgebern, Internetforen und Blogs.

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Das war frustrierend, diese ganze Theorie ĂŒber Pflanzenfamilien und Ihren NĂ€hrstoffbedarf. TatsĂ€chlich hĂ€tte ich fast aufgegeben, alles klang so kompliziert und nach unheimlich viel Arbeit. Doch dann habe ich einfach angefangen - und siehe da: Es hat funktioniert.

Was haben Sie ausgesÀt?

Judith Rakers: Ich habe alles ausgesĂ€t, was ich gerne esse. Und davon reichlich. Ich war mir nĂ€mlich sicher, dass mir das Meiste sowieso nicht gelingt. TatsĂ€chlich konnte ich aber im Überfluss ernten. Schon in meinem zweiten Gartenjahr hatte ich: Kartoffeln, Tomaten, Paprika, Auberginen, Salatgurken, KĂŒrbis und Zucchini, Zwiebeln, Spinat und Feldsalat, Rucola, PflĂŒck- und Kopfsalate, bunte Möhren und Radieschen. Dazu jede Menge KrĂ€uter, Obst und Beeren - Stachelbeeren, Brombeeren, Blaubeeren, Erdbeeren und natĂŒrlich Himbeeren. Ich liebe Himbeeren!

Das ist eine ganze Menge. WĂŒrden Sie das alles auch AnfĂ€ngern empfehlen?

Judith Rakers: Nein, bei GemĂŒse gibt es unterschiedliche Schwierigkeitsgrade. Tomaten, zum Beispiel, sind zickige Diven und nur etwas fĂŒr LeidensfĂ€hige. Sie wollen hochgebunden, ausgegeizt, gedĂŒngt und vor Regen geschĂŒtzt werden. Da braucht es viel Geduld.

Bei Radieschen hingegen legt man ein Samenkorn in die Erde, gießt ein wenig und nach vier bis sechs Wochen erntet man eine verzehrfĂ€hige Frucht. Das motiviert. Und gerade als AnfĂ€nger ohne grĂŒnen Daumen ist Motivation wichtig, finde ich.

Das klingt so unglaublich einfach.

Judith Rakers: Ist es auch. Die Natur will wachsen, dafĂŒr muss man keine wilden TĂ€nze auffĂŒhren. Und am einfachsten ist es, wenn man den natĂŒrlichen Kreislauf nicht allzu stört.

Ich jĂ€te auch nicht stĂ€ndig Unkraut, das schaffe ich als VollberufstĂ€tige gar nicht. Wenn ich zehn Tage lang auf Reportagedreh war, sieht es bei mir im Garten schlimm aus. Das ist aber okay, solange das Unkraut nicht alles ĂŒberwuchert. Ein Nutzgarten muss schließlich keinen Schönheitswettbewerb gewinnen.

Dennoch: Kann man als BerufstĂ€tige einen so großen Garten so einfach pflegen?

Judith Rakers: Gerade fĂŒr BerufstĂ€tige ist ein Garten von Vorteil! Wir mĂŒssen uns nicht mehr nach den Ladenöffnungszeiten richten. Bei mir gibt es keinen Salat mehr, der im KĂŒhlschrank vor sich hin gammelt. Selbst wenn ich nachts aus dem Schichtdienst nach Hause komme, kann ich mir noch was Frisches aus dem Garten holen. Notfalls grabe ich im Licht der Taschenlampe vier, fĂŒnf Kartoffeln aus, um Pommes zu machen.

Wenn Sie nur aussĂ€en, was Sie gerne essen: Welches GemĂŒse wĂŒrde denn keinen Einlass ins Beet finden?

Bohnen mag ich nicht so gerne. Rote Bete finde ich fĂŒrchterlich.

Gibt es noch Pflanzen, die Ihnen fehlen?

Judith Rakers: Mangold und WintergemĂŒse möchte ich gerne ausprobieren. Und ich will eine Sibirische Kiwi pflanzen, die hat mir Wolf-Dieter Storl empfohlen.

Ihren HĂŒhnern haben Sie in Ihrem Buch einen prominenten Platz eingerĂ€umt. Hand aufs Herz: Könnten Sie die Tiere schlachten?

Judith Rakers: Gute Frage. FrĂŒher hĂ€tte ich gesagt: Wer HĂŒhner-Fleisch isst, sollte auch die eigenen HĂŒhner essen können. Denn nur dann hat man alles unter Kontrolle: von der Aufzucht ĂŒber das Futter bis hin zu den Medikamenten.

Doch die HĂŒhner waren keine zwei Stunden auf dem GrundstĂŒck, als mir klar wurde: Ich kann meine eigenen Tiere nicht essen. Sie sind wie Haustiere fĂŒr mich, haben sogar Namen. Ein Hahn heißt Giovanni, der andere Jan, nach Jan Hofer. Ich kann doch meinen Chefsprecher nicht essen - selbst wenn er jetzt im Ruhestand ist!

Also hole ich das Bio-HĂŒhnerfleisch weiterhin aus dem Supermarkt. Solange, bis das Thema nicht mehr so emotional fĂŒr mich ist.

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