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Warum man im Mai den Rasen wachsen lassen sollte

Von dpa
26.04.2022Lesedauer: 4 Min.
Pause! Gartenexperten rufen dazu auf, fĂŒr einen Monat - den Mai - nicht den Rasen zu mĂ€hen.
Pause! Gartenexperten rufen dazu auf, fĂŒr einen Monat - den Mai - nicht den Rasen zu mĂ€hen. Denn das tut den Tieren und den Pflanzen gut. (Quelle: Christin Klose/dpa-tmn./dpa)
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Berlin (dpa/tmn) - Den "No Mow May" gibt es in Großbritannien seit vielen Jahren. Ausgerechnet dort - in einem Land, das fĂŒr seine Rasenkultur bekannt ist. Auch bei uns rufen die Gartenakademie Rheinland-Pfalz und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 zur Aktion "MĂ€hfreier Mai" auf.

Warum, erklĂ€rt DGG-1822-GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Bettina de la Chevallerie in Interview.

Warum ist RasenmÀhen problematisch?

Bettina de la Chevallerie:Ein perfekt gepflegter Rasen bietet Insekten kaum Futter und Nistmöglichkeiten. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich der Anteil an nektarreichen BlĂŒten um ein Zehnfaches erhöht, wenn man den RasenmĂ€her hĂ€ufiger stehen lĂ€sst. Ähnliches haben auch die Gartenbesitzer beobachtet, die sich im vergangenen Jahr am mĂ€hfreien Mai beteiligt und fĂŒr den Wettbewerb Fotos eingeschickt haben.

Welche Pflanzen haben sich im Rasen entwickelt?

De la Chevallerie:Als Erstes natĂŒrlich Schnellstarter wie GĂ€nseblĂŒmchen, Gundermann, Ehrenpreis, Klee und Löwenzahn. In einigen GĂ€rten kamen aber auch Margeriten und SchlĂŒsselblumen zum Vorschein.

GĂ€nseblĂŒmchen, Klee und Löwenzahn sind oft als Unkraut verpönt. Die Pflanzen sind aber kein Unkraut, sondern WildkrĂ€uter. Sie haben einen hohen ökologischen Wert fĂŒr die Insekten. Je mehr wir ĂŒber diese Pflanzen wissen, desto mehr wĂ€chst auch die Akzeptanz. Das ist alles eine Frage des Bewusstseins.

Sieht ein ungemÀhter Rasen nicht unordentlich aus?

De la Chevallerie:Auch eine vermeintliche Unordnung kann durch Gestaltung ordentlich wirken. Man muss ja nicht den gesamten Rasen mĂ€hen, sondern kann Stellen mit unterschiedlichen Höhen stehen lassen - an den Ecken, am Rand oder mittendrin als Insel. Auch ein gemĂ€hter Weg durch das hohe Gras kann Ordnung bieten. Und wiesenĂ€hnliche SĂ€ume, die nur einmal im Jahr gemĂ€ht werden, dienen als Puppenstube fĂŒr Schmetterlinge.

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Was haben wir Menschen davon?

De la Chevallerie:Wir können uns entspannt in den Liegestuhl legen, den Garten genießen und ihn ganz anders wahrnehmen. Wir können Falter beobachten, neue Pflanzen entdecken und sie per App bestimmen - oder uns einfach darĂŒber freuen, dass sie da sind.

Und wenn die Nachbarn sich beschweren?

De la Chevallerie:Sprechen Sie mit Ihnen. Sagen Sie Ihnen: Ich bin nicht faul, sondern tue etwas fĂŒr die Insekten. Nichtstun kann in diesem Fall sehr ökologisch sein.

Ist die Aktion angesichts des immensen Insektensterbens nicht ein Tropfen auf dem heißen Stein?

De la Chevallerie:Nein, ist sie nicht. 75 Prozent der Haushalte haben einen Garten, 7 Prozent einen Schrebergarten und weitere 7 Prozent der Haushalte sind in GemeinschaftsgĂ€rten aktiv. Dazu kommen öffentliche GrĂŒnanlagen und Parks - also enorm viel FlĂ€che, auf die wir mehr Einfluss nehmen können als auf die Landwirtschaft.

Schon jetzt wissen wir, dass es in privaten GĂ€rten mehr Nischen und eine höhere Artenvielfalt gibt als in der freien Natur. Im Garten selbst macht ein Rasen meist die grĂ¶ĂŸte FlĂ€che aus. Wenn wir hier etwas verĂ€ndern, können wir viel erreichen.

Wie oft ist es aus Ihrer Sicht notwendig, Rasen zu mÀhen?

De la Chevallerie:Das kann man nicht so pauschal sagen. Es kommt auf die Nutzung an. Wenn Kinder auf dem Rasen Fußball spielen wollen, sollte er eher kurz sein.

Aber die FlÀche lÀsst sich auch in unterschiedliche Rasen- und Wiesenbereiche unterteilen. Einen BlumenkrÀuterrasen muss man vier- bis sechsmal im Jahr mÀhen, eine Blumenwiese nur zwei- bis dreimal. Die Mahd bleibt dann zum Trocknen auf der FlÀche. So können die Samen noch aus den SamenstÀnden herausfallen und in den Boden gelangen.

Wie mĂ€ht man so, dass es besser fĂŒr die Natur ist?

De la Chevallerie:Am besten mĂ€ht man von innen nach außen, damit die Insekten in die Hecken oder auf den Nachbargarten fliehen können. Empfehlenswert sind Sichel, Sense, Freischneider oder BalkenmĂ€her. Ein SichelmĂ€her saugt Insekten ein.

FĂŒr die Höhe gibt es eine Faustregel: Eine liegende Bierflasche sollte noch unter den RasenmĂ€her passen. Darunter reißt man zu viel aus oder schneidet zu tief ein, sodass nicht mehr blĂŒht.

Woran kann es noch liegen, dass nichts blĂŒhen will?

De la Chevallerie: Das kann verschiedene Ursachen haben. Wurde das Gras zu dicht gesĂ€t, ist es fĂŒr die Wildpflanzen schwer zu keimen. Auch Pestizide und zu viel DĂŒnger verhindern Aufwuchs.

Wie kann man Wildpflanzen ansiedeln, auch an moosigen Stellen?

De la Chevallerie:Am effektivsten ist es, den Rasen aufzuhacken und die Wildpflanzen in die nackte Erde zu sĂ€en. Das kann man auch stellenweise machen. SĂ€en sich die Wildpflanzen dann selber aus, können sie sich von dort langsam ĂŒber die FlĂ€che ausbreiten.

Was kann man noch tun, um den Rasen ökologisch wertvoller zu gestalten?

De la Chevallerie:Sinnvoll ist es, organischen DĂŒnger zu verwenden und diesen sparsam einzusetzen. Ebenso sollte man auf Pflanzenschutzmittel verzichten - nicht nur auf dem Rasen, sondern auch in den Beeten. Denn alles hat Auswirkungen auf die NachbarflĂ€chen.

Unordentliche Ecken mit Totholz und Brennnesseln können sich zu kleinen Biotopen fĂŒr KĂ€fer, Wildbienen und Schmetterlinge entwickeln. Und kleine Senken und Schalen, in denen sich Wasser sammeln kann, sind wertvolle InsektentrĂ€nken.

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