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Pestizide im Obstanbau: Südtiroler Äpfel stark gespritzt


Aufgedeckt: Südtiroler Äpfel stark gespritzt

Von t-online, dom

Aktualisiert am 25.01.2023Lesedauer: 2 Min.
imago images 170126980Vergrößern des BildesEine Ladung Äpfel in einem Apfelanbaugebiet im Etschtal (Archivbild): Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln durch Südtiroler Obstbauern wird jetzt erneut diskutiert. (Quelle: IMAGO/Jochen Tack)
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Äpfel sind das beliebteste Obst der Deutschen. Aber sind sie auch tatsächlich immer gesund? Daten aus Südtirol lassen Zweifel aufkommen.

Ein fünf Jahre alter Streitfall um den Einsatz von Pestiziden im Obstbau erfährt aktuell eine Neuauflage. Der Grund sind Dokumente aus dem Jahr 2017, deren Auswertung erst jetzt publik wird – und Konsumenten schockiert zurücklässt. So wurde eine durchschnittliche Apfelplantage 38 Mal pro Saison mit Pestiziden behandelt.

Der Fall: Der Verein "Umweltinstitut München" und sein Verantwortlicher Karl Bär (sitzt heute für die Grünen im Bundestag) fahren 2017 die Plakat-Kampagne "Pestizid-Tirol" gegen die dortigen Obstbauern, um den "übertriebenen Einsatz" von Pflanzenschutzmitteln anzuprangern. Mehr als 1.000 Bauern verklagen Bär daraufhin.

Doch die Justiz reagiert: Sie zieht in der Folge die bis dahin geheimen Betriebshefte der klagenden Bauern ein und übergibt sie dem "Umweltinstitut München". In diesen Betriebsheften müssen Obstbauern in Südtirol festhalten, welches Pestizid sie eingesetzt haben, wieviel davon und aus welchem Grund.

Weil die Bauern aber ihre Anzeigen zurückziehen, wird über die Sache selbst nie verhandelt und der Prozess im Mai 2022 eingestellt. Das berichten Reporter des Radionetzwerks BR24. Nun aber erhielten sie Einsicht in die Akten – und Datenjournalisten werteten insgesamt 681 dieser Betriebshefte aus.

Die Analyse zeigt: Insgesamt seien in den Betriebsheften mehr als 590.000 Pestizideinsätze allein in der Saison 2017 dokumentiert worden. Der Datensatz decke etwa die Hälfte der Apfel-Anbaufläche im Vinschgau ab, damit sind die Zahlen nicht für ganz Südtirol repräsentativ.

Kein Tag ohne Pestizid-Einsatz

BR24 berichtet: "Zwischen Anfang März und Ende September ist kein Tag vergangen, an dem im Vinschgau nicht gespritzt wurde, wie die Daten zeigen. Zugelassene Höchstmengen wurden dabei nicht überschritten." Die Datenauswertung der Saison 2017 zeigt unter anderem: Eine durchschnittliche Apfelplantage wurde 38 Mal mit Pestiziden behandelt.

Das Südtiroler Apfelkonsortium, der Dachverband aller Erzeugergenossenschaften, erklärt die hohe Anzahl an Einsätzen auf BR-Anfrage so: "Anders als noch vor einigen Jahrzehnten setzen wir nur noch gezielt wirkende Mittel mit geringerer Wirkungsstärke ein." Das bedinge eine höhere Anzahl an Einsätzen, habe aber den Vorteil einer präzisen Wirkung auf den Schadorganismus, heißt es weiter.

Gefährlicher Cocktail-Effekt

Die Höchstmengen wurden nicht überschritten, aber eine andere Zahl ist beunruhigend: An manchen Tagen hätten die Bauern bis zu neun verschiedene Pestizide an einem Tag gespritzt. "Durch die Kombination der Mittel kann es zu sogenannten Cocktail-Effekten kommen", sagte Vera Baumert, Referentin für Landwirtschaft beim Umweltinstitut München, im Interview mit dem BR-Politikmagazin Kontrovers. Diese Effekte könnten dazu führen, dass sich die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit addieren und verstärken.

Pestizide im Obst, das ist europaweit ein Thema: Einer Untersuchung der Organisation Pesticide Action Network Europe (PAN) zufolge, gab es im Zeitraum von 2011 bis 2019 einen Anstieg der Belastung mit bestimmten Pestiziden, die von der Europäischen Kommission als "besonders gefährlich" eingestuft seien, um 53 Prozent.

PS: Auch bei uns in Deutschland werden im Obstanbau Pestizide häufig eingesetzt. Für mehr Transparenz soll eine neue EU-Verordnung sorgen Dafür sollen ab 2028 Daten über Pestizid-Einsätze in allen Mitgliedsstaaten erfasst, gemeldet und veröffentlicht werden.

Verwendete Quellen
  • EU-Verordnung zu Pflanzenschutzmitteln
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