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Prosecco-Drink Hugo und Co. bekommen Konkurrenz

Von dpa-afx, t-online
Aktualisiert am 31.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Deutschland bringt Schaumweine in (fast) jeder Geschmacksrichtung auf den Markt.
Deutschland bringt Schaumweine in (fast) jeder Geschmacksrichtung auf den Markt. (Quelle: Agentur54Grad/Felix Koenig/imago-images-bilder)
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Immer mehr Menschen gönnen sich auch ohne besonderen Anlass das einst nur königliche GetrĂ€nk. Egal ob Champagner, Prosecco oder Sekt – mit einem perligen Schaumwein ist immer nach Feiern zumute.

Einst waren Champagner und Sekt die Könige unter den alkoholischen GetrĂ€nken. Heute kann jeder in der KĂŒchenecke seinen eigenen Perlwein erstellen. Ein bekannter Wassersprudelhersteller hat gerade ein Konzentrat auf den Markt gebracht, das Riesling-Geschmack und Alkohol in die Wasserflasche bringt. Was fĂŒr die einen die Rettung einer spontanen Party sein könnte, stellt anderen die Nackenhaare auf.

"Mit Sekt hat das schon deswegen nichts zu tun, weil in Sekt Wein enthalten sein muss", sagt Alexander Tacer, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Verbandes Deutscher Sektkellereien und des Bundesverbandes Wein und Spirituosen International. Außerdem kĂ€men die Perlen im Sekt durch die zweite alkoholische GĂ€rung und nicht durch das Zusetzen von KohlensĂ€ure auf Knopfdruck. "Das lĂ€sst sich so nicht kopieren."

Ein Sprecher des Deutschen Weininstituts mit Sitz in Bodenheim erklĂ€rt, dass allerdings Perlwein eigentlich nur Wein mit zugesetzter KohlensĂ€ure sei. Trotzdem könne man nun nicht einfach jeden beliebigen Weißwein aufsprudeln – das schĂ€ume wie verrĂŒckt.

Prosecco zum Selbermachen

Der Do-It-Yourself-Blubber passt allerdings zu einem Trend, den auch die Sekthersteller verzeichnen: Schaumwein wird nicht mehr nur zu wichtigen Festen wie Taufen und Hochzeiten geöffnet, sondern auch immer wieder einfach so unter der Woche. "Die Konsumenten sind viel spontaner geworden", sagt Tacer. Ähnliches hat Christof Queisser bemerkt, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrung des grĂ¶ĂŸten deutschen Sektherstellers RotkĂ€ppchen-Mumm mit Sitz in Freyburg (Burgenlandkreis). "Man gönnt sich was", beschreibt er die Einstellung der Verbraucher.

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Dabei griffen die Menschen bei unterschiedlichen Gelegenheiten durchaus zu verschiedenen kohlesĂ€urehaltigen alkoholischen GetrĂ€nken, meint Queisser. Fruchtseccos mit Eis wĂŒrden zum Beispiel bei einer spontanen Grillparty getrunken, wĂ€hrend eine Flasche Sekt eher zu einem runden Geburtstag geöffnet werde. "Der Verbraucher entscheidet bewusst, welches Produkt zu welchem Anlass gereicht wird." Zur Produktpalette gehört demnach auch immer stĂ€rker der alkoholfreie Sekt und seine Spielarten.

Schaumweine in (fast) jeder Geschmacksrichtung

So gibt es nun zum Beispiel neben Mumm Dry Alkoholfrei als Premiumprodukt einen alkoholfreien Granatapfel und Mango Fruchtsecco von RotkĂ€ppchen. Insgesamt stellt das Unternehmen derzeit mehr als 16 Millionen statt der zunĂ€chst geplanten vier Millionen Flaschen Fruchtseccos her, darunter Himbeere und Birne. Auch die Henkell-Gruppe mit Sitz in Wiesbaden hat viele fruchtige Schaumwein-Ableger auf dem Markt, von Söhnlein Hugo ĂŒber Mionetto il Spriz bis FĂŒrst von Metternich Chardonnay Frozen Mandarin.

Die Vielfalt der GetrĂ€nkegattung nehme weiter zu, sagt Andreas Brokemper, Sprecher der GeschĂ€ftsfĂŒhrung der Henkell & Co.-Gruppe. Das liege auch daran, dass der riesige heimische Markt – die Deutschen sind Weltmeister im Sekttrinken – viele internationale Anbieter anziehe. Dabei gebe es eine hohe Fluktuation von Sorten und Geschmacksrichtungen, meint er. "Es wird viel probiert, aber nicht alles wiedergekauft." Angefangen habe der Trend mit dem italienischen Prosecco-Cocktail Spritz, ehe der Hugo kam, der bis heute die beliebteste Variante sei. "Seitdem wurde viel gemixt und probiert."

All die Spielarten sorgen indes nicht fĂŒr einen sich vergrĂ¶ĂŸernden Markt. Der Absatz von Schaumweinen – also inklusive Sekt, Champagner, CrĂ©mant, Prosecco, Cava – ging ĂŒber mehrere Jahre zurĂŒck. Zuletzt stagnierte er bei rund 300 Millionen Liter, aber RotkĂ€ppchen-Mumm-Chef Quaisser geht fĂŒr 2017 wieder von einem RĂŒckgang aus, nicht nur fĂŒr sein Unternehmen, sondern auch den Gesamtmarkt.

Sektmarkt braucht immer wieder Neues

Dass in diesem Markt nun ein Selbstaufsprudel-Produkt mitmischt, findet der Trendbeobachter Mathias Haas aus Stuttgart nur folgerichtig. "Die Menschen fĂ€llen ihre WeihnachtsbĂ€ume selber, die Menschen brauen Bier selber, das ist der Zeitgeist." All das werde groß zelebriert. "Das ist unheimlich wertvoll fĂŒr die Selbstinszenierung."

Der Markt, auch der Sektmarkt, brauche immer wieder Neues, meint Haas. Die große Ausnahme bilden die Champagner-Produzenten, die bei der Suche nach immer verrĂŒckteren Ideen außen vor bleiben. "Wir dĂŒrfen dem Trend nicht folgen, denn die Vorschriften der Ursprungsbezeichnung schreiben vor, dass Champagner nicht gemischt werden darf", erklĂ€rt der Sprecher Bureau de Champagne in Deutschland, Christian Josephi. Alle Produkte in der Flasche mĂŒssen aus der franzöischen Region kommen. Das heißt laut Josephi auch: Keine Diamanten und kein Gold in der Flasche. Gegen solche Ideen gingen die Produzenten sogar gerichtlich vor.

Quelle:
- dpa-AFX

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Von Jennifer Buchholz
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