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ZDF "Abenteuer Forschung": "Drillen oder Chillen? Der Weg zum Superkind"


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Drillen oder Chillen? Der Weg zum Superkind

t-online, cst; ZDF

28.09.2011Lesedauer: 4 Min.
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr?
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr? (Quelle: ZDF, Getty)
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Ein Kind zu erziehen gleicht heute einer hochwissenschaftlichen Aufgabe. Eltern sind so gut informiert wie noch nie und wollen bei der Erziehung ihrer Kinder alles richtig machen. Das ZDF-Wissenschaftsmagazin "Abenteuer Forschung" beschäftigte sich in der Folge "Drillen oder Chillen? Der Weg zum Superkind" mit traditionellen Methoden und aktuellen Trends in der Kindererziehung.

Welche Frühforderung ist sinnvoll? Wann soll das Kind ein Instrument lernen? (Das "Ob" steht nicht zur Diskussion.) Besucht das Kind eine naturwissenschaftliche Kita oder lieber eine bilinguale? Eltern scheuen keine Mühen und Kosten und jonglieren mit Begriffen wie Lernfenster, Frühförderung, Hirndoping - immer in der Angst, den entscheidenden Entwicklungsschritt zu verpassen. Aber macht es wirklich Sinn, den Alltag schon der Allerkleinsten mit Kursen zu verplanen? Was ist Geldmacherei und was sagt die Wissenschaft?

Frühkindliche Förderung - was ist sinnvoll?

Bisher galt für viele: Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr. Die Schulzeit wurde als die wichtigste Zeit zum Lernen wahrgenommen. Doch inzwischen wissen Forscher: Eine entscheidende Lernphase beginnt schon lange vor der Schulzeit. Nie wieder hat der Mensch ein so dichtes Netzwerk an Nervenzellen im Gehirn wie mit sechs Monaten. Bei Babys ist alles angelegt, was es vielleicht einmal brauchen könnte. Das Gehirn eines Erwachsenen dagegen muss zum Lernen immer wieder neue Verbindungen zwischen Nervenzellen bauen.

Das Babygehirn lässt sich mit einem Kornfeld vergleichen. Quer durch dieses Feld ist jeder Weg möglich. Sobald aber ein Trampelpfad entsteht, wird er immer wieder abgelaufen. Und so lernt auch das Baby: Die wichtigen Verbindungen sind diejenigen, die immer wieder genutzt werden. Nicht gebrauchte werden unwiderruflich beseitigt. Diese Aufräumarbeiten haben enorme Ausmaße: In den ersten beiden Lebensjahren verliert ein Kind durchschnittlich fast die Hälfte aller Verbindungen in seinem Gehirn - über 20 Milliarden pro Tag.

Das Erlernen von zwei Sprachen in der frühen Kindheit soll verhindern, dass sich wertvolle Verbindungen lösen. Erkenntnisse von Gehirnforschern unterstreichen die Bedeutung: Sie verglichen Menschen, die früh eine zweite Sprache gelernt haben, mit Menschen, die erst spät eine Sprache gelernt haben, und fanden heraus, dass die Muttersprache bestimmte Hirnbereiche belegt. Wer bis ins Alter von sechs Jahren eine Fremdsprache lernt, legt sie in denselben Hirnbereichen ab. Wer erst später damit beginnt, beansprucht andere Hirnregionen. Ganz offensichtlich ist eine frühe Förderung dem kindlichen Sprachvermögen also zuträglich.

Der asiatische Weg: Fleiß, Drill und Disziplin

In vielen Ländern Asiens stehen Fleiß, Drill und Disziplin im Mittelpunkt der schulischen Förderung. Eine erfolgreiche Strategie, wenn man internationalen Vergleichstests Glauben schenkt. In der PISA-Studie belegen die asiatischen Schulen Spitzenplätze. Ist unsere liberale Erziehung eine Sackgasse in der globalisierten Welt?

Deutschlands Schüler schneiden in der PISA-Studie überwiegend mittelmäßig ab. Fehlt ihnen der Drill? An der Berliner Musikhochschule gingen Forscher dieser Frage nach. Sie untersuchten, wie viel Zeit die Studenten schon früher mit Üben verbracht hatten. Dazu studierten sie drei verschiedene Gruppen: Lehramtsstudenten, mittelmäßige Orchestermusiker und Topsolisten. Die Lehramtsstudenten hatten vor ihrem Studium durchschnittlich 3400 Übungsstunden angesammelt, die mittelmäßigen Orchestermusiker kamen auf 5300 Stunden und die Topsolisten auf 7400 Stunden.

Doch dass allein Übung den Meister macht, ist eine umstrittene These: Die Gehirne von Topmusikern würden sich von denen "normaler" Menschen unterscheiden, heißt es. Eine Untersuchung von Organisten scheint diese These zu bestätigen: Die Bewegungen des Menschen werden vom Kleinhirn gesteuert. Bei Musikern ist die Vernetzung der Nervenzellen dort dichter. Für die Koordination der linken und der rechten Körperhälfte sorgt der sogenannte Gehirnbalken, der auch die beiden Gehirnhälften verbindet. Er ist bei den Organisten deutlich vergrößert, was die schwierige Koordination der beiden Hände erleichtert. Die Grundlage für ein besonderes Talent - oder das Ergebnis intensiven Übens?

Ein Jahr lang studierten Forscher eine Gruppe junger Musiker. Ihr Ergebnis ist aufschlussreich: Tatsächlich breiteten sich durch das stete Üben die Gehirnbereiche, die beim Musizieren aktiv sind, weiter und weiter aus. Das Musikerhirn scheint zu belegen: Wer viel übt, baut sogar sein Gehirn um. Dass gute Leistungen kaum ohne Üben zu erzielen sind, hat die Wissenschaft belegt.

Hirndoping: was ist dran?

Die Wissenschaft kennt schon lange Mittel, um das Gehirn nach Bedarf zu tunen. Im Zweiten Weltkrieg werden psychoaktive Substanzen erstmals in großem Stil eingesetzt. Nun erobern die Pillen erobern ein neues Schlachtfeld. Amphetaminähnliche Medikamente kommen als "Neuro-Enhancer" den Ehrgeizigen und Überforderten in unserer Leistungsgesellschaft zu Hilfe. Viele sehen nichts Verwerfliches daran, ihr Gehirn pharmakologisch anzukurbeln. Kürzlich riefen Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature" dazu auf, leistungssteigernde Substanzen zu legalisieren. Denn noch ist ihre Beschaffung illegal, wenn sie nicht ärztlich verordnet werden.

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Eins der meistbenutzen Präparate wird unter dem Namen Ritalin verkauft. Der Absatz ist seit 1990 weltweit um 700 Prozent gestiegen. Ursprünglich für Kranke entwickelt, wird es von Gesunden als Hirndopingmittel missbraucht. Seine Wirkung ähnelt der von Kokain und wirkt an den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen. Botenstoffe sorgen dort für die Weiterleitung der Informationen. Ritalin blockiert den Rücktransport dieser Stoffe in die Zellen. So entsteht ein Überschuss an Botenstoffen, und die Reizweiterleitung wird intensiviert. Das synaptische Feuerwerk versetzt den Körper in Alarmbereitschaft.

Doch eines steht fest: Neuro-Enhancer machen niemanden intelligenter. Sie sind sogar eher hinderlich für Kreativität und Spontaneität. Es wird also keinen Boom an selbst gemachten Genies geben, höchstens eine Generation "fokussierter Buchhalter", die arbeiten bis zum Burnout. Und wie bei allen Medikamenten muss mit Nebenwirkungen gerechnet werden. Bei Patienten mögen sie vertretbar sein - für völlig gesunde Menschen auf der Suche nach dem Hirn-Kick sind sie inakzeptabel, so die Meinung der ZDF-Experten. Und wer nur noch mit Doping funktioniert, endet oft in der Sackgasse, der Abhängigkeit.

Kommt die durchgeplante Kindheit?

Wissenschaftliche Forschung mag belegen, dass es sich lohnt, früh eine zweite Sprache zu lernen und schon in jungen Jahren fleißig zu sein und viel zu üben. Doch die wichtigste Frage vieler Eltern bleibt unbeantwortet: Wie viel Kindheit braucht ein Kind für eine gesunde Entwicklung? Eltern tun gut daran, neben all den Erkenntnissen aus Wissenschaft und Forschung auch auf ihre Instinkte zu vertrauen und ihren Kindern Liebe, Nähe, Geborgenheit und Vertrauen zu schenken, ganz altmodisch - wie schon Generationen von Eltern zuvor.

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