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"Das weiße Kaninchen": So war der Cyber-Grooming-Film der ARD


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"Wenn ihr nicht aufpasst, seid ihr die Beute"

Von dpa
Aktualisiert am 29.09.2016Lesedauer: 3 Min.
Lena Urzendowsky spielt die Sara im Fernsehfilm "Das weiße Kaninchen".
Lena Urzendowsky spielt die Sara im Fernsehfilm "Das weiße Kaninchen". (Quelle: dpa-bilder)
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Cyber-Grooming nennt sich die Masche, bei der sich Erwachsene im Internet als minderjährig ausgeben, um das Vertrauen von Kindern zu gewinnen. Im schlimmsten Fall folgt auf einen virtuellen Chat der reale Missbrauch. Die ARD hat dazu einen Film gemacht.

Simon Keller ist ein pädophiler Lehrer, der im Internet mit falscher Identität unterwegs ist. Kevin ist ein Teenager, der Mädchen missbraucht. Sara ist ein Opfer von beiden. Das macht das TV-Drama "Das weiße Kaninchen" noch schlimmer.

Erpressung mit Oben-ohne-Selfies

Sara ist eine 13-Jährige wie viele andere. Sie ist nicht die Selbstbewussteste, fühlt sich von ihren Eltern unverstanden und beneidet ihre Freundin um deren Lässigkeit. Jungs anzusprechen, fällt ihr schwer.

Im Chatroom ist das viel einfacher, auch mit Kevin, der ihr schon bald Komplimente macht und mit Benny, der so viel Verständnis zeigt. Aber Kevin ist durchtrieben, verlangt von ihr erst ein Oben-ohne-Selfie, schreibt ihr, wie schön er sie findet und erpresst sie dann mit dem Smartphone-Foto. Cyber-Grooming nennt sich das.

Benny entpuppt sich als Erwachsener, der sich im Netz als Jugendlicher ausgibt, um so an Mädchen ranzukommen. Der Fernsehfilm "Das weiße Kaninchen" packt gleich mehrere schwierige Themen an.

"Wenn ihr nicht aufpasst, seid ihr die Beute"

Devid Striesow spielt den pädophilen Lehrer Simon Keller - und er macht das beängstigend gut. Eben sieht man ihn noch vor der Klasse sitzen. Er macht auf besorgten Medienpädagogen: "Ich will das Internet nicht verdammen", sagt er. "Ich euch nur bewusst machen, dass dort Jäger unterwegs sind. Und wenn ihr nicht aufpasst, seid ihr vielleicht die Beute." Wenig später sieht man ihn, wie er heimlich Mädchen beim Sport in der Turnhalle beobachtet und dabei onaniert. Man ahnt schon: Er gehört zu den Jägern.

Doppeltes Versteckspiel

Zur Beute gehört Sara, eindrucksvoll dargestellt von Lena Urzendowsky (15). Im Netz spielt Keller ihr vor, selbst auch ein Schüler zu sein. "Ich bin in meiner Klasse eher so der Außenseiter", behauptet er und erschleicht mit solchen Lügen ihr Vertrauen. Kellers Avatar beim Chatten ist ein weißes Kannichen, angelehnt an das Vorbild aus dem Kinderbuch "Alice im Wunderland", in dem das weiße Kaninchen den Weg in eine neue Welt zeigt, daher der Titel des Films.

Sara erzählt ihm von dem Druck, den Kevin macht. Der Mann, der sich als Benny ausgibt, empfiehlt ihr, sich an Simon Keller zu wenden, den pädophilen Lehrer, also an ihn selbst. Keller versteckt sich im Netz hinter einer falschen Identität und im wirklichen Leben auch, wo er mit Frau und Kind ein liebevoller Partner und Familienvater zu sein scheint, allerdings mit Facetten seiner Persönlichkeit, die niemand kennen darf.

Sara wird zweimal Opfer

Kevin, selbst noch ein Teenager, und Keller missbrauchen Sara beide auf ihre Weise. Der erste zwingt sie schließlich zum Oralsex. Der andere tut so, als wolle er ihr nur helfen. Doch im Lauf des Films kommt heraus, dass er wahrscheinlich schon einmal engen Kontakt zu einem jungen Mädchen hatte, das dann ermordet wurde. Und Keller verliert noch einmal die Kontrolle, als einer der Polizisten (Shenja Lacher) ihm auf die Spur kommt.

Kein Feel-good-Film

Der Film endet brutal, Keller schlägt den Polizisten mit dem Spaten nieder, wahrscheinlich tötet er ihn. Ob die Polizei ihn gleich danach festnimmt, ist offen, aber wahrscheinlich. "Es gab auch Überlegungen, dass er am Schluss dingfest gemacht wird", sagte Regisseur Florian Schwarz. "Aber das hat sich für uns nicht richtig angefühlt. Das Offene finde ich auch grausamer und bitterer."

Das Gegenteil von einem Feel-good-Film also. Die drei Hauptdarsteller, Louis Hofmann als Kevin inklusive, überzeugen in ihren schwierigen Rollen ohne Abstriche. Lena Urzendowsky hat keine Sekunde gezögert, als das Angebot kam: "Ich hab' mich total gefreut", sagt sie. "Mir war von Anfang an klar, ich will diese Rolle unbedingt." Ein 13-jähriges Mädchen zu spielen, das in doppelter Hinsicht zum Opfer wird, verlangt ihr einiges ab. "Auch wenn es absurd klingt, es macht Spaß, sich da reinzudenken, dieses Mädchen zu verstehen, sich damit zu beschäftigen", erzählt sie.

Es ist ein Film, der bewusst Fragen offen lässt und zum Thema Pädophilie keine holzschnittartigen Antworten geben will.

TV-Tipp: ARD, 28. September, 20.15 Uhr, "Das weiße Kaninchen".

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  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld
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