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Arizona: Wie ein Alligator eine Schwanzprothese bekam


Wie ein Alligator eine Schwanzprothese bekam

Von Angelika Franz

27.01.2019Lesedauer: 5 Min.
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Mit Stubbs und sein Schwanz: Endlich kann der Alligator sich artgerecht bewegen.
Mit Stubbs und sein Schwanz: Endlich kann der Alligator sich artgerecht bewegen. (Quelle: MORE Foundation)
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Herzlose Menschen hätten einen Alligator ohne Schwanz längst eingeschläfert. Doch ein Reptilienforscher und zwei Prothesenspezialisten machten es sich mit großem persönlichen Einsatz zur Mission, Mr. Stubbs ein glückliches Leben zu ermöglichen – und damit auch Menschen mit Behinderung Mut zu machen.

Als Mr. Stubbs einen seiner Pfleger mit dem Schwanz schlug, freute sich Justin Georgi. Mr. Stubbs ist ein Mississippi-Alligator und sein Schwanz ist eine fast so gefährliche Waffe wie sein großes, bezahntes Maul. Trotzdem konnte Georgi ein glückliches Lachen nicht verkneifen, als der Alligator mit seinem Schwanz dem Pfleger kräftig eins auswischte. Denn Mr. Stubbs hat keinen eigenen Schwanz. Sein Körperende ist eine Prothese, die Georgi, Anatomieprofessor an der Midwestern University in Glendale, Arizona, ihm gebaut und angepasst hat. Die Attacke auf den Pfleger war der letzte Beweis dafür, wie wohl Mr. Stubbs sich mit seinem neuen Körperteil jetzt fühlt. Und dem Pfleger ist nichts passiert, er kam mit einem blauen Fleck davon.


Das Leben von Mr. Stubbs

Mr Stubbs ohne Schwanz: Der kleine Alligator kann sich schlecht bewegen und muss lernen, wie ein Hund zu schwimmen.
So sieht die Prothese als Computer-Projekt aus.
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Ein Anhänger voller Alligatoren

Dass Mr. Stubbs noch lebt und sich heute wie ein normaler Alligator verhalten kann, verdankt er vor allem Russ Johnson, dem Präsidenten der Phoenix Herpetological Society in Arizona. Mississippi-Alligatoren sind in dem Wüstenstaat nicht heimisch, der verletzte Alligator blieb quasi auf der Durchreise hängen. Die Polizei stoppte eines Nachts auf dem I-10 Freeway einen Fahrer, der mit einem Anhänger ohne Nummernschild und ohne funktionierende Rücklichter unterwegs war. Eine Überprüfung seines Führerscheins zeigte, dass er erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden war – ein guter Grund, den Anhänger einmal genauer zu inspizieren. Die Beamten öffneten die Klappe und standen unvermittelt „bis zum Hals“ in Alligatoren. Die Polizei konfiszierte 32 Mississippi-Alligatoren aller Größen, vom Baby-Alligator bis hin zu einem fast drei Meter langen Exemplar - und übergab sie Russ Johnson.

Ohne Schwanz nicht schnell genug

„Als wir die kleineren Tiere durchsortierten, sahen wir unter ihnen einen Alligator, der keinen Schwanz hatte“, erinnert sich Johnson. Sie nannten ihn Mr. Stubbs – Herr Stummel. „Als ich ihn zuerst sah, dachte ich, er sei ohne Schwanz geboren worden. Aber auf Röntgenbildern konnten wir sehen, dass zwei seiner Wirbel zerquetscht waren. Ein größerer Alligator muss ihm den Schwanz abgebissen haben, als er noch ganz klein war.“

Zunächst kam Mr. Stubbs in ein Gehege mit gleichaltrigen Tieren, aber schnell wurde klar, dass er große Probleme beim Schwimmen hatte und sich im Wasser oft mit dem Bauch nach oben rollte. Auch beim Fressen war er wenig erfolgreich. Mr. Stubbs konnte sich ohne seinen Schwanz nicht schnell genug bewegen und die anderen Alligatoren schnappten ihm regelmäßig die besten Brocken vor der Schnauze weg. „Also mussten wir zu ihm rein und ihn mit der Hand füttern“, erzählt Johnson.

Mr. Stubbs das Schwimmen beizubringen, war noch bedeutend schwieriger. Johnson und der Alligator entwickelten ein tägliches Ritual: Der Herpetologe setzte das Tier in ein Becken mit flachem Wasser und zog es kräftig an dem Schwanzstummel nach hinten. „Wenn er von mit weg wollte, musste er nun seine Beine bewegen, um nach vorne zu kommen“, erklärt Johnson. Als Mr. Stubbs langsam kräftiger wurde, erhöhte er die Wassertiefe, Stück für Stück, bis der Alligator kaum noch den Boden des Beckens berühren konnte. „Ich zog nach hinten und wenn er dann so richtig kräftig dagegen ankämpfte, hab' ich losgelassen – so ist er dann in einer Art Hundepaddeln von mir weggeschwommen.“ Nach einigen Monaten täglichem Schwimmunterricht mit seinem Trainer konnte Mr. Stubbs wieder zu den gleichaltrigen Artgenossen ins Gehege – und behauptete sich nun sogar am Futternapf.

Der Bau der Schwanzprothese

Eines Tages kam ein ganz besonderer Besucher auf das Gelände der Phoenix Herpetological Society, Marc Jokofsky vom Core Zentrum für orthopädische Forschung und Lehre. Der Spezialist für die Betreuung von Menschen mit orthopädischen Behinderungen und der Herpetologe waren sich schnell einig dass der Alligator noch eine bessere Chance verdiente. Jokofsky spendete jede Menge Arbeitszeit und das Material, um Mr. Stubbs seine erste Schwanzprothese zu bauen, gefertigt nach dem Gipsabdruck eines toten Alligators ähnlicher Größe. Als der Alligator seinen ersten Schwanz bekam, musste er erst einmal die Schwimmstunden mit seinem Trainer wieder aufnehmen: „Jetzt musste ich ihm beibringen, wie ein Alligator zu schwimmen“, erinnert sich Johnson. „Nach acht Jahren Hundepaddeln war das eine ziemlich zeitraubende Angelegenheit – aber die Mühe hat sich gelohnt und heute kann er ganz normal schwimmen, wie es sich für einen Mississippi-Alligator gehört.“

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Doch letztendlich sind Alligatoren ähnlich unterschiedlich gebaut wie Menschen. Es gibt Sprinter und Ausdauersportler, Feder- und Schwergewichte, agile Zappelphilippe und lethargische Couchpotatoes - und jeder hat seinen ganz individuellen Massen- und Formschwerpunkt. Auch wenn die Schwanzprothese Mr. Stubbs das Leben erleichterte, war sie noch nicht perfekt. Also holte Jokofsky sich Hilfe: Justin Georgi. Bereits seit Jahren hatte der Anatomieprofessor die Bewegung von Alligatoren und anderen Reptilien untersucht. In seinem Labor hatte er verschiedene Alligatorenschwänze als Referenzmaterial. Gemeinsam mit ihren Teams berechneten Georgi und Jokofsky die richtige Größe, das richtige Gewicht und die richtige Schwanzdichte für Mr. Stubbs.

Nun brauchten die Tierfreunde nur noch einen Partner, der ihnen die fertigen Pläne umsetzen konnte. Sie fanden ihn mit dem Unternehmen STAX3D, das bereits Erfahrungen mit der Herstellung von Prothesen hatten - jedoch bisher nur für Menschen. Michael Andrew von STAX3D erinnert sich: „Als Justin Georgi uns anfangs kontaktierte, waren wir sehr neugierig und nicht sicher, worauf wir uns einlassen würden.“ Mit einem Artec Eva 3D Scanner vermassen sie den Schwanzstummel und druckten ein für Mr. Stubbs massgeschneidertes Model. Das wird ihn noch lange begleiten, denn Alligatoren wachsen immer weiter. Bis zu 40 neue Schwänze wird Mr. Stubbs für den Rest seines langen, glücklichen Lebens noch brauchen. Mit dem neuen Modell sind Anpassungen und das Drucken neuer Schwänze aber zum Glück ein Kinderspiel. Als der Alligator seinen Pfleger mit dem Schwanz schlug, hatte er die neue Prothese gerade einmal seit fünf Wochen – und fühlte sich offensichtlich wohl damit.

Happy End für ein geplagtes Tier

„Es wäre natürlich einfach gewesen, ihn damals, als wir ihn fanden, einzuschläfern“, resümiert Johnson, „aber bis auf seinen fehlenden Schwanz war er gesund. Jedes Tier verdient eine Chance, auch ein Alligator.“ Auch wenn er weder niedlich noch kuschelig ist, sondern bei jeder Gelegenheit nach seinen Pflegern schnappt. Das bekam auch Johnson selber zu spüren, als Mr. Stubbs ihm einmal den Daumen zerquetschte. Für ihn kein Grund zum Groll: „Ich hatte einen Fehler gemacht und das hat er mich wissen lassen – aber ich kann ihm nicht böse sein, denn er hat sich ja nur wie ein ganz normaler Alligator verhalten.“

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  • Eigene Recherche
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