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Coronavirus: Tierheime brauchen Unterstützung

INTERVIEWTierheime in Not?  

"Nicht aus Vereinsamung in der Corona-Zeit ein Tier anschaffen"

10.04.2020, 14:15 Uhr
Coronavirus: Tierheime brauchen Unterstützung . Katze im Tierheim: Das Coronavirus hat auch auf Tiere, Tierschützer und -besitzer einen Einfluss. (Quelle: imago images/Kai Horstmann )

Katze im Tierheim: Das Coronavirus hat auch auf Tiere, Tierschützer und -besitzer einen Einfluss. (Quelle: Kai Horstmann /imago images)

Nachdem sich nicht nur ein Tiger, sondern auch Katzen und Hunde mit dem Coronavirus infiziert haben, machen sich viele Haustierhalter Sorgen. t-online.de hat mit Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund über Covid-19, Tierheime und Tierschutz gesprochen. 

Viele Menschen fühlen sich in der aktuellen Situation einsam und verunsichert: Mancher überlegt da vielleicht, sich ein Tier anzuschaffen. Oder umgekehrt, seinen geliebten Hund lieber abzugeben, um sich beim Gassigehen nicht zu infizieren. t-online.de hat mit Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund über die Herausforderungen gesprochen, die das Coronavirus auch an Tierheime, Tierschutz und Tierhalter in Deutschland stellt. 

t-online.de: Welche Probleme ergeben sich durch die Corona-Krise für Tierschützer?

Lea Schmitz: Es gibt mehrere Probleme. Ein besonders großes Problem sind die Spenden: Viele Tierschutzvereine und Tierheime stehen sowieso schon finanziell schlecht da. Jetzt brechen Spenden ein, weil viele Menschen gerade andere Sorgen haben oder selber vor finanziellen Problemen stehen. Dazu kommt, dass viele Veranstaltungen wie Osterfeste, Basare, Tage der offenen Tür abgesagt werden, bei denen sonst auch Spenden gesammelt wurden. 

Welchen Herausforderungen müssen sich Tierheime aktuell stellen?

Eine ist, dass die Tiere momentan nicht so gut oder gar nicht vermittelt werden können. Viele Tierheime sind geschlossen und es kommen keine Besucher mehr, die Tiere dann adoptieren könnten. Gleichzeitig werden aber trotzdem weiter Tiere aufgenommen. Es gibt ja auch trotz der Corona-Krise Fundtiere und Abgabetiere. Die Zahl der Tiere steigt also an. So kann man davon ausgehen, dass über kurz oder lang die Tierheime bis unters Dach voll sein werden. Ein weiteres Problem ist natürlich auch die Ansteckungsgefahr, die auch für Tierpfleger besteht. Einige Tierheime sind personell ohnehin schon am Limit. Wenn dann noch ein oder mehrere Tierpfleger ausfallen sollten, wäre das eine enorme Zusatzbelastung für die anderen. Hinzu kommt ja, dass viele ehrenamtliche Helfer jetzt nicht mehr kommen können.

Wie reagieren die Tierheime auf das Coronavirus?

So gut wie alle Tierheime haben für den regulären Besucherverkehr geschlossen. Das wird gemacht, um die Kontaktverbote einzuhalten und um auch die Tierpfleger zu schützen, um so die Versorgung der Tiere sicherzustellen. Deshalb arbeiten viele Heime auch mit einem Schichtbetrieb, damit nicht alle gleichzeitig in Quarantäne müssten. Es gibt einige Heime, die die Vermittlung weiterlaufen lassen, dann allerdings erst mal nur telefonisch. Interessenten müssen dann anrufen und einen Termin für die Vermittlung ausmachen. Wir haben dazu auch einige Empfehlungen an unsere Tierheime herausgegeben, die sich am Robert Koch-Institut und der Weltgesundheitsorganisation orientieren. 

Empfehlungen des Tierschutzbundes für Tierheime

Besucher: Tierheime sollten für Besucher geschlossen werden, Interessenten können telefonisch Termine vereinbaren. Stößt ein Tierheim an Kapazitätsgrenzen, sind auch Aufnahmestopps möglich. 

Hygiene: Personal- und Händehygiene ist der wichtigste Faktor, Tierheime sollten viruzide Desinfektionsmittel verwenden und stark frequentierte Oberflächen regelmäßig reinigen. 

Aufnahme von Tieren aus Corona-Haushalten: Tiere, die wegen einer Corona-Infektion ihrer Halter abgegeben werden, werden zunächst wie Fundtiere behandelt und auf der Quarantänestation aufgenommen. 

Personal: Auch Tierheimmitarbeiter, die in Risikogebieten waren oder Kontakt zu Infizierten hatten, müssen 14 Tage in Quarantäne bleiben. Der Kontakt zwischen dem Personal untereinander und zu Interessenten sollte verringert werden. Zusätzlich gelten Abstandsregeln. 

Wie kann den Tierheimen in der Krise geholfen werden?

Hier ist an erster Stelle die Politik gefordert zu unterstützen. Es gibt ja Soforthilfen für Unternehmen und Selbstständige. Wir wollen, dass auch Tierheime diese Gelder beantragen können, weil sie ähnlich wie Unternehmen agieren. Auch Tierheime haben Personalkosten und müssen Einkäufe tätigen. Aber anders als Unternehmen erzielen sie keine Gewinne. Deshalb ist es aber umso wichtiger, dass sie Hilfen bekommen können. Zumal sie für die öffentliche Hand und die Gesellschaft wichtige Aufgaben übernehmen. Bisher regelt noch jedes Bundesland die Vergabe der Hilfen anders. Wir würden uns wünschen, dass es keinen Flickenteppich gibt und dass klargestellt wird, dass Tierheime mit bedacht werden müssen. Auch wir als Dachverband werden unsere Tierheime mit Geldern aus unserem Feuerwehrfonds unterstützen, sind allerdings selbst auf Spenden angewiesen. Tierfreunde, die unterstützen möchten und gerade die Möglichkeit haben, können an uns oder direkt an ihre Tierschutzvereine vor Ort spenden. Die Tierschützer sind jetzt für jede Hilfe sehr dankbar.

Werden in der Corona-Krise mehr Tiere abgegeben?

Noch ist das in den Tierheimen nicht zu spüren. Zu Beginn der Krise gab es einige Menschen, die aus Angst vor Ansteckung über das Tier ihre Tiere abgeben wollten. Das waren aber Einzelfälle und diese Menschen konnten von den Tierschützern aufgeklärt werden, dass keine Gefahr besteht. Auch die Zahl der Tiere, die aufgrund von Quarantäne oder Krankenhausaufenthalt abgegeben werden müssen, hält sich momentan noch im Rahmen. Dabei müssen wir natürlich aber auch bedenken, dass wir noch am Anfang der Pandemie stehen: Wenn noch mehr Menschen krank werden, wenn dann auch der Familien- oder Freundeskreis infiziert ist, der sich sonst um das Tier kümmern könnte, dann wird es natürlich kritisch. 

Lea Schmitz: Die Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes hofft auf Unterstützung für die Tierheime in der Corona-Krise.  (Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.)Lea Schmitz: Die Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes hofft auf Unterstützung für die Tierheime in der Corona-Krise. (Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.)

Merken Sie eine Veränderung bei der Bereitschaft, ein Tier aufzunehmen? 

Auf der einen Seite berichten Tierheime verstärkt von Anfragen von Leuten, die jetzt gern ein Tier hätten, weil sie jetzt Zeit haben. Einige fragen sogar an, ob sie für ein oder zwei Monate einen Hund aufnehmen und ihn danach zurückgeben könnten. Das ist zum Teil wirklich skurril. Dann gibt es auch Menschen, die in der Isolation vereinsamen und sich nach einem Tier sehnen. Dazu muss man natürlich sagen: Grundsätzlich wollen wir allen Tieren eine Chance auf Vermittlung geben. Aber eine Adoption muss immer gut überlegt sein und ein Tier sollte immer in ein „Zuhause-für-immer“ vermittelt werden, wo es bleiben darf. Man sollte sich also nicht aus Vereinsamung in der Corona-Zeit ein Tier anschaffen, sondern sich überlegen, ob man auch danach weiter für das Tier da sein kann und will. Aber Tierheime merken auf der anderen Seite teils auch, dass die normalen Anfragen zurückgehen. Die Menschen haben gerade viele andere Sorgen, gesundheitlich oder auch finanziell. Da steht die Anschaffung eines Tieres nicht unbedingt im Vordergrund.  

Haben Menschen Angst, sich bei ihrem Tier anzustecken oder umgekehrt, ihr Tier anzustecken? Wie schätzen Sie die Gefahr ein?

Zu Beginn der Pandemie gab es schon einige Menschen, die Angst hatten, dass sie sich über ihr Tier anstecken. Wir haben dann immer erklärt, dass keine Gefahr besteht. Aber ich glaube, man muss das immer wieder erwähnen, damit sich die Menschen keine Gedanken machen.

Seitdem es jetzt auch einen infizierten Zoo-Tiger in New York und eine infizierte Katze in Belgien gibt, gibt es auch einige Anfragen von Haustierbesitzern, die Angst um ihre Tiere haben. Aber auch da versuchen wir die Angst zu nehmen: Dass Tiere sich bei Menschen anstecken, ist offenbar nicht ganz ausgeschlossen, das Risiko ist aber sehr gering. Zumal die Tiere, die bisher erkrankt sind, nur sehr milde Symptome hatten. Ich glaube, die größere Sorge, die Tierhalter umtreibt, ist momentan eher: Was passiert mit meinem Tier, wenn ich selber erkranke und mich nicht mehr kümmern kann? Hier können wir nur dazu ermutigen, sich frühzeitig zu kümmern und zuallererst bei Freunden oder Familienmitgliedern anzufragen. Ansonsten finden sich aktuell auch in sozialen Medien viele Menschen, die ihre Hilfe anbieten.

Verwendete Quellen:

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