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F√ľr diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgf√§ltig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

So können Sie Ihrem Kind den Tod erklären

  • Claudia Zehrfeld
Von Claudia Zehrfeld

Aktualisiert am 13.11.2021Lesedauer: 6 Min.
Trauriges Mädchen: Eltern sollten traurige Nachrichten nicht vor ihren Kindern verschweigen.
Trauriges Mädchen: Eltern sollten traurige Nachrichten nicht vor ihren Kindern verschweigen. (Quelle: People Images/getty-images-bilder)
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Viele Eltern w√ľrden am liebsten alles Schlimme von ihren Kindern fernhalten. Aber es ist keine L√∂sung, traurige Nachrichten wie etwa den Tod eines geliebten Menschen zu verschweigen. Wie erkl√§rt man Kindern den Tod? Experten geben Antworten.

Das Wichtigste im √úberblick


Wenn ein geliebter Mensch stirbt, bricht f√ľr viele eine Welt zusammen. Kinder reagieren auf solch eine Nachricht allerdings anders als Erwachsene, sie haben eine andere Art zu trauern. Wie kann man ihnen dabei helfen? Und wie erkl√§rt man ihnen √ľberhaupt den Tod? Wir kl√§ren wichtige Fragen, die in diesem Zusammenhang auftauchen:

Wann sollten Eltern mit ihrem Kind √ľber den Tod reden?

"Den perfekten Zeitpunkt daf√ľr gibt es nicht", sagt Dana Mundt von der Onlineberatung der Bundeskonferenz f√ľr Erziehungsberatung (bke). Stirbt jemand aus dem n√§heren Umfeld, sollten Eltern dar√ľber auf jeden Fall mit ihrem Kind sprechen. Auch andere Situationen k√∂nnten den Anlass geben, den Tod zu thematisieren. Ein Besuch auf dem Friedhof etwa. Oder auch, wenn ein Tier tot im Garten oder am Stra√üenrand liegt.

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Wie können Eltern Ihrem Kind den Tod erklären?

Es gibt vier Aspekte des Todes, die Eltern nutzen k√∂nnen, um diesen Kindern zu erkl√§ren, so Oliver Junker. Der Kommunikationsexperte arbeitet unter anderem als Trauerbegleiter f√ľr Kinder. Die vier Aspekte sind:

  1. Nonfunktionalit√§t: Auch schon ganz jungen Kindern kann man den Tod anhand der Nonfunktionalit√§t erl√§utern. "Dabei erkl√§rt man den Tod mit sehr einfachen und klaren Worten anhand der K√∂rperfunktionen", so Junker. Ist der Opa gestorben, k√∂nnte man etwa sagen: "Sein Herz schl√§gt nicht mehr und er atmet nicht mehr. Selbst wenn ich ihn r√ľttle, reagiert er nicht mehr. Er ist tot." Damit k√∂nnen Kinder laut dem Experten viel mehr anfangen, als wenn man versucht, Umschreibungen zu finden.
  2. Irreversibilität: Sind die Kinder schon etwas älter, etwa im Grundschulalter, können Erwachsene diese erste Erklärung ergänzen: "Und er wird dich auch nie mehr in den Arm nehmen oder mit dir spielen können." Das klinge zwar sehr hart, sagt Junker, "aber dass jemand tot ist, ist auch hart. Das lässt sich nicht beschönigen."
  3. Kausalit√§t: Im sp√§teren Grundschulalter k√∂nnten Kinder dann verstehen, dass es verschiedene Ursachen f√ľr den Tod gibt. Dann k√∂nnen Eltern ihnen auch die Gr√ľnde erl√§utern ‚Äď also etwa, ob jemand wegen einer Krankheit, eines Unfalls oder aus Altersschw√§che gestorben ist.
  4. Universalit√§t: "Dahinter steckt die Erkenntnis, dass der Tod zum Leben dazugeh√∂rt", so Junker. Sie spiele f√ľr Kinder und f√ľr die Erkl√§rung des Todes meist keine so gro√üe Rolle. Allerdings komme es vor, dass Kinder fragen, ob sie selbst auch sterben m√ľssen. Darauf k√∂nnen Eltern Junker zufolge zum Beispiel antworten: "Ja, du wirst auch einmal sterben. Aber ich w√ľnsche mir ‚Äď und du bestimmt auch ‚Äď, dass du uralt wirst."

Generell empfiehlt Junker, der auch die Kindertrauer-Akademie im bayerischen Kaufering leitet, kurze und authentische Erkl√§rungen zu geben. Er sagt: "Wenn das Kind etwas nicht versteht oder noch mehr wissen will, dann fragt es noch einmal nach ‚Äď wenn auch nicht unbedingt sofort." H√§ufig wollten Kinder zun√§chst nur eine Antwort auf einen ersten Impuls haben. Auch Mundt r√§t, sich an den Fragen des Kindes zu orientieren. "Kinder stellen h√§ufig Fragen, mit denen man als Erwachsener gar nicht rechnet."

Wenn Eltern die Worte fehlen, k√∂nnten auch Kinderb√ľcher zum Thema Tod eine Unterst√ľtzung sein. "B√ľcher, die man sich gemeinsam mit dem Kind anschaut, k√∂nnen helfen, Formulierungen zu finden."

Was sollten Eltern bei der Erklärung vermeiden?

Es gibt Formulierungen, die Eltern besser nicht verwenden. Umschreibungen wie "Er/Sie ist eingeschlafen" oder "Er/Sie ist fortgegangen" nehmen kleine Kinder im Kitaalter noch sehr w√∂rtlich. "Wenn dann die Mutter ein paar Tage f√ľr ein Seminar ebenfalls 'fortgeht' oder der Vater auf der Couch einschl√§ft, k√∂nnte das √Ąngste sch√ľren", sagt Mundt.

Ab wann verstehen Kinder, dass der Tod endg√ľltig ist?

Kinder entwickeln im Vorschulalter langsam eine Vorstellung davon, was der Tod bedeutet. "Das Verst√§ndnis daf√ľr, dass der Tod unwiderruflich ist, kommt dann teilweise erst mit acht oder neun Jahren", sagt Junker.

Sollten Eltern die eigene Trauer vor dem Kind verbergen?

"Kinder haben so feine Antennen, sie bekommen es mit, wenn es den Eltern nicht gut geht", sagt Erziehungsexpertin Mundt. Schon allein deswegen sollten Erwachsene den eigenen Kindern gegen√ľber nicht so tun als w√§re heile Welt. Stattdessen sollten sie kurz erkl√§ren, dass und warum sie traurig sind. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass Kinder die bedr√ľckte Stimmung auf sich beziehen. "Manchmal haben Kinder ganz verr√ľckte Gedanken und meinen, dass sie Schuld an der Situation sind, weil sie beispielsweise unerlaubterweise nachts zu lange wach waren."

Zudem sollten Eltern im Blick haben, dass Kinder meist noch keine Vorerfahrung und somit noch keine Bew√§ltigungsstrategien f√ľr Trauerf√§lle besitzen, f√ľgt Junker hinzu. Deshalb orientieren sie sich an ihren Bezugspersonen. "Zeigen sich die Eltern nur stark und trauern nicht vor den Kindern, lernen diese f√§lschlicherweise, dass man seine Gef√ľhle zur√ľckhalten muss, wenn jemand gestorben ist."

Wie trauern Kinder?

Kinder trauern anders als Erwachsene. "Bei ihnen kommt die Trauer in Wellen", sagt Junker. " Manche Wellen sind größer, andere kleiner." Der plötzliche Wechsel von Traurigkeit zu Spiel und Spaß sei deshalb typisch. "Erst sind sie total traurig und weinen. Aber im nächsten Moment sehen sie vielleicht eine Seifenblase oder einen lustigen Hund und kichern und lachen", sagt Mundt.

Wie können Erwachsene Kindern beim Trauern helfen?

Wichtig ist laut Trauerbegleiter Junker, dass man versucht, den gewohnten Tagesablauf nicht zu unterbrechen, die Strukturen beizubehalten. Wenn sich Essens- und Schlafenszeiten ständig verschieben, verliere der Nachwuchs zusätzlich an Halt. Außerdem bräuchten die Kinder viele Möglichkeiten, sich zu bewegen. Man sollte mit ihnen raus auf den Spielplatz gehen, zum Bolzen oder zum Schwimmen. "Letztendlich ist es ein extremer Stresszustand und Stress lässt sich am besten durch Bewegung und Aktivität abbauen", so der Experte.

Mundt f√ľgt hinzu, dass Eltern die Trauer klar ansprechen sollten. "Sie k√∂nnen fragen: Was macht dich traurig? Was k√∂nnen wir tun, damit du nicht mehr so traurig bist?" Meistens h√§tten Kinder daf√ľr ganz fantastische Ideen: "Weil die Oma gerne Sonnenblumen mochte, kann man gemeinsam eine Sonnenblume aufs Grab legen. Oder man schaut zusammen Fotos an oder l√§sst einen Abschiedsbrief an einem Luftballon in den Himmel steigen."

Daraus k√∂nnte zudem ein Ritual entstehen, das Eltern und Kinder regelm√§√üig zur Trauerbew√§ltigung vollziehen k√∂nnten. Wichtig sei, dass Mutter und Vater immer ein offenes Ohr f√ľr die Fragen des Nachwuchses haben. Wenn sie selbst gerade zu stark in Trauer steckten, k√∂nnten sie dem Kind sagen "Ich kann es dir gerade nicht so gut erkl√§ren, weil ich noch ganz doll traurig bin" und auf den Partner verweisen und diesen bitten, einzuspringen. Oder sie bitten einen nahen Verwandten oder auch Bekannten. Das k√∂nne sehr hilfreich und entlastend sein. So verhindern sie au√üerdem, dass der Nachwuchs das Gef√ľhl hat, er d√ľrfe solche Fragen nicht stellen. "Das sind wichtige Fragen", so Diplom-Sozialp√§dagogin Mundt.

Sollten Eltern ihr Kind mit zur Beerdigung nehmen?

Diese Frage h√∂ren sowohl Mundt als auch Junker sehr h√§ufig von Eltern, die Rat suchen. Mundt r√§t, sich das Kind und die Situation genau anzuschauen und individuell zu entscheiden. "Sobald das Kind alt genug ist zu verstehen, wof√ľr dieses Ritual ist, sollte es mitgenommen werden", findet Junker. Wenn das Kind schon in der Lage ist, selber zu entscheiden, ob es mitkommen m√∂chte oder nicht, sollten Eltern es fragen. Besteht die M√∂glichkeit, den Leichnam noch einmal zu sehen, sollte das Kind ebenfalls mitgenommen werden, so der Experte. Denn: "Es gibt viele Erwachsene, die mit 40 oder 50 Jahren schwer krank werden aufgrund einer nicht bew√§ltigten Trauer oder weil sie nicht Abschied nehmen konnten."

Auf ein solches Abschiednehmen muss man den Nachwuchs allerdings gut vorbereiten und ihn dabei auch begleiten. "Man sollte erklären, warum es dieses Ritual gibt und ihnen auch aufzeigen, dass sie jederzeit gehen können, wenn es ihnen zu viel wird", sagt Junker. Wichtig sei zudem, dass Kinder nach der Beerdigung die Möglichkeit haben, rauszugehen und zu toben, um den Stress abzubauen.

Bei Fragen und Unsicherheiten in Erziehungsthemen k√∂nnen Eltern sich zum Beispiel an die Beratungsstellen der Bundeskonferenz f√ľr Erziehungsberatung vor Ort oder online wenden. Informationen finden Sie unter www.bke-elternberatung.de. Die Beratung ist kostenlos.

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