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Craft Beer: Hype ohne Substanz?

Uwe Kauss

Aktualisiert am 22.12.2015Lesedauer: 4 Min.
Welches Bier das Label "Craft Beer" verdient, ist für den Konsumenten oft nicht zu erkennen.
Welches Bier das Label "Craft Beer" verdient, ist für den Konsumenten oft nicht zu erkennen. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Der Trend der handgebrauten Biere hält an – mittlerweile gibt es diese in fast jedem Supermarkt zu kaufen. Doch nicht überall wo Craft Beer drauf steht, ist auch wirklich Craft Beer drin. Wir klären auf, was die Bezeichnung über das Getränk aussagt und über welche Sorten derzeit Bier-Liebhaber

Die großen Brauereien wollen auf der Craft-Beer-Welle mitreiten. Immerhin kostet das Trend-Getränk oft mehr als das Dreifache einer normalen Flasche. So hat beispielsweise die Bremer Brauerei Beck's, die zum Getränkemulti Anheuser-Busch Inbev gehört, kürzlich drei Biere dieser Kategorie vorgestellt: Ein Pale Ale, ein Amber Lager und das "1873 Lager". Doch in der Szene wurde heftig darüber gestritten, ob das Bier noch ein Craft Beer ist. Es kommt eben nicht mehr vom kleinen lokalen Brauer, sondern aus der Großbrauerei. Die Puristen beklagen, das Craft-Beer-Label werde hier nur fürs Marketing benutzt.

Massenhersteller im Markt

Auch Köstritzer, Eichbaum und Maisel sind mit neuen Bieren, auffälligen Etiketten und ungewöhnlichen Namen am Start. Die "Brauhaus Edition“ von Eichbaum etwa besteht aus "Bouquet Blanc", "Barrique Type" und "Exotic Zwickl". >>


Craft Beer in der Kritik

In der Craft Beer-Szene gilt Craft Beer-Pionier Reinhold Barta nun als das "Schwarze Schaf". Der Grund: Er beschwert sich, dass der Begriff "Craft Beer" inflationär verwendet werde.
"Schwarze Schaf" heißt auch eines seiner aus Bio-Rohstoffen hergestellten Biere: "Black Sheep", ein Irish Dry Stout, das nach altem irischem Rezept gebraut wird.
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Jetzt zeigen sie ihr wahres Gesicht
Die ARD-Intendanten v.l.n.r.: Manfred Krupp (HR), Prof. Dr. Karola Wille (MDR), Dr. Katja Wildermuth (BR), Generalsekretärin Dr. Susanne Pfab, Programmdirektorin Christine Strobl, Martin Grasmück (SR), Dr. Yvette Gerner (Radio Bremen), Joachim Knuth (NDR). Vorne Ex-RBB-Intendantin Patricia Schlesinger, Tom Buhrow (WDR) und Dr. Kai Gniffke (SWR).


Maisel aus Bayreuth hat unter "Maisel & Friends" ein Programm mit Sorten wie "Choco Bock" vorgestellt. Die Großbrauerei Bitburger hat schon vor einigen Jahren die Brauerei "Craftwerk" gestartet, die aus einer Versuchsproduktion entstand und heute in der neuen Bierszene einen guten Ruf besitzt. Die Radeberger-Gruppe ist einen anderen Weg gegangen. Mit "Braufactum" haben sie ein edles Bierlabel aufgebaut, das aber neben 14 eigenen Bieren auch 25 Craft Beers renommierter ausländischer Brauhäuser vertreibt. Dazu stehen eigens gestaltete Kühlschränke als Blickfang mit Bierflaschen von drei bis 14 Euro in den großen Supermärkten. Craft Beer ist also im Mainstream angekommen. Der Begriff weicht sich zunehmend auf.

Der Craft-Beer-Pionier Reinhold Barta von der Brauerei Gusswerk bei Salzburg sorgt in der Bierszene für Diskussionen: "Der Begriff 'Craft Beer' wird heute inflationär verwendet, da kann ich nicht mehr dahinter stehen", sagt er, "ich will mit dem Begriff nichts mehr zu tun haben." Das Problem: "Es gibt im deutschsprachigen Raum keine Definition, was Craft Beer bedeutet. Den Begriff kann jeder verwenden." >>

Was ist Craft Beer eigentlich?

"Craft Beer bedeutete anfänglich: fundamental handwerklich gebraut, unabhängig von Konzernen, charaktervoll, hopfenbetont", erklärt Barta. Aber das gelte heute immer weniger. Der Begriff stammt aus den USA als Gegenbewegung zu den uniformen Massenbieren, die riesige Brauereien im Eigentum internationaler Getränkekonzerne mit dem immer gleichen, langweiligen Geschmack produzieren.

Gute Werbung, schlechte Bier-Qualität

In fast jeder Stadt erscheinen seit einigen Jahren Kleinbrauereien, die unter einfachen Bedingungen produzieren und schnell ausverkauft sind. Reinhold Barta beobachtet den Trend mit Skepsis: "Ich habe öfter schon richtig fehlerhafte Biere probiert, die mit tollem Etikett für viel Geld angeboten worden sind. Da sind Werbeleute und Banker mit Geld im Hintergrund, die aber zu wenig Ahnung haben", weiß er. "Doch eigenes Bier in der Garage abzufüllen erzeugt noch keine gute Qualität, Begeisterung ersetzt nicht die Ausbildung." Gesellenzeit, Meisterschule und danach viele Jahre Erfahrung seien gefragt: "Wanderjahre für junge Braumeister sollten wieder Standard werden", fordert Barta.


"Ob Craft oder nicht – gutes Bier braucht ein Fundament!" Das Bierbrauen lernte Barta in Irland, seine Brauerei Gusswerk in Hof bei Salzburg gründete er 2007 ohne Braumeister-Zertifikat. Seit langem verarbeitet er nur noch Bio-Rohstoffe, achtet auf kurze Lieferwege und den CO2-Footprint. In Deutschland ist genau solch außergewöhnliches Bier aus regionalen Rohstoffen und in ungewohnten Stilen voll im Trend. Craft-Beer-Messen wie in München müssen schon mal wegen Überfüllung schließen, in angesagten Bars geht’s nicht mehr ohne IPA oder Lager an den Tresen. >>

Zu den Pionieren in den USA gehört die Boston Beer Company mit ihrem Label "Samuel Adams", die bereits 1984 gegründet wurde. Heute braut sie 36 Millionen Hektoliter pro Jahr - Bitburger kommt hier nach Branchenschätzungen auf etwa 7,5 Millionen Hektoliter. In allen Teilen der USA sind TV-Werbespots zu sehen – so wie es sich hier nur die ganz Großen der Branche leisten können.

Die Herstellung sollte wichtiger sein als das Etikett

Doch Reinhold Barta ist es wichtig, "nicht bloß Emotion über Werbung" zu erzeugen, sondern die Konsumenten "über Herstellung und Herkunft der Rohstoffe ehrlich und abseits von Werbeslogans" zu informieren. Der Auslöser für seinen Weckruf waren Kundenreaktionen bei Bierpräsentationen: "Oft haben mich Interessenten gefragt: Habt ihr auch Craft Beer?" oder noch schlimmer: "Das leichte Helle, das ist doch euer Craft Beer, oder?" Da habe er bemerkt, dass der für ihn mit Liebe und Handwerk besetzte Begriff sich auf ein paar wenige Aspekte wie einen Bierstil - etwa IPA - oder ein irgendwie ungewöhnliches Bier mit auffälligem Etikett reduzierte.

Die großen Braukonzerne beobachten den Hype schon seit langem sehr aufmerksam: Denn der deutsche und der österreichische Biermarkt schrumpft seit Jahren kontinuierlich. Nach Zahlen des Deutschen Brauerbundes sank der Bierabsatz von 106,8 Millionen Hektoliter im Jahr 2006 auf 95,6 Millionen Hektoliter im Jahr 2014. Ein Ende ist nicht in Sicht. "Ich habe kürzlich mit den Eigentümern einer Brauerei in Österreich gesprochen", erzählt Barta, "die sagen klar: Wir wissen, dass unser Absatz schrumpfen wird. Wie schaffen wir es, trotzdem den Umsatz zu steigern?" Ihnen hat Barta empfohlen: "Ihr müsst wieder übers Bier reden - wie ihr es macht, welche Zutaten ihr verwendet."

Neue Craft-Beer-Sorten sehen Sie auch in unserer Fotoshow.

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Von Claudia Zehrfeld
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