Sie sind hier: Home > Leben >

Von Hamburg bis München: Obdachlose bei Kälte – so helfen Sie im Winter

Von Hamburg bis München  

So können Sie Obdachlosen im Winter helfen

Von Sophie Loelke

02.12.2019, 10:44 Uhr
Von Hamburg bis München: Obdachlose bei Kälte – so helfen Sie im Winter. Mitarbeiter helfen Obdachlosen in den Berliner Kältebus: Matthias und Leonie von der Berliner Stadtmission bringen in der Nacht einen Obdachlosen in die Kältenotübernachtung. (Quelle: imago images/epd)

Mitarbeiter helfen Obdachlosen in den Berliner Kältebus: Matthias und Leonie von der Berliner Stadtmission bringen in der Nacht einen Obdachlosen in die Kältenotübernachtung. (Quelle: epd/imago images)

Eisiger Wind, Minusgrade und nasskalter Regen – für Obdachlose ist der Winter oft lebensgefährlich. Umso wichtiger sind zu dieser Jahreszeit städtische Notunterkünfte und -schlafstellen. t-online.de hat Experten gefragt, wie auch Sie ganz einfach Wohnungslosen helfen können.

Der Winter bedroht jedes Jahr wieder die rund 41.000 Obdachlosen Deutschlands, so eine Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAGW). Es kommt sogar vor, dass Menschen auf der Straße erfrieren. Um das zu verhindern, werden in den Städten Notunterkünfte und andere Hilfsangebote eingerichtet.

In den Unterkünften finden sie einen trockenen Platz und oft auch eine warme Mahlzeit. Aber nicht jeder nimmt diese Hilfe in Anspruch oder weiß, dass es sie gibt. So kommt es vor, dass Menschen auf der Straße erfrieren. Doch bevor so etwas passiert, können Sie ganz leicht helfen. Wie, das erklären Andreas Abel, Streetworker bei der Straßensozialarbeit Gangway e.V. in Berlin und die Deutsche Caritas e.V.

Wie kann ich Obdachlosen im Winter helfen?

1. Ansprechen, aber wie? "Wenn Sie einen Obdachlosen auf der Straße sehen und das Gefühl haben, er bräuchte Hilfe, sprechen Sie ihn ruhig an", empfiehlt der Streetworker.

Was beim ersten Mal vielleicht etwas Überwindung kostet, ist am Ende gar nicht so schwer: Auch die Wohnungslosen freuen sich über ein paar nette Worte – diese sind manchmal mehr wert, als achtlos hingeworfene Münzen, so die Deutsche Caritas. Sie können fragen, wie es ihnen geht und ob sie etwas brauchen. Nennen Sie ruhig die Hilfsangebote der Stadt. Nicht jeder ist darüber informiert.

Aber seien Sie vorsichtig, wenn Sie eine schlafende Person wecken wollen. Sie reagiert möglicherweise anders, als in einem geschützten Raum. "Wahren Sie Distanz, seien Sie höflich und hören Sie auf Ihr Gefühl gegenüber der Person", rät die Deutsche Caritas. 

Was Sie nicht tun sollten: Entscheiden Sie nicht über den Kopf der Person hinweg, ob sie Hilfe braucht. Akzeptieren Sie es. Nicht jeder, der aussieht, als würde er Hilfe brauchen, benötigt sie tatsächlich. 

2. Hilfe rufen, aber wann? Wenn die Person nicht ansprechbar ist, sie aber meinen, Hilfe sei nötig, scheuen Sie sich nicht, den Notruf 112 zu wählen. "Bei akuten Notsituationen hilft kein Streetworker, da braucht man einen Arzt", sagt Abel. Auch die Deutsche Caritas rät, lieber einmal zu viel den Notruf oder die Polizei zu rufen, als einmal zu wenig. Diese seien auch mit den Obdachlosenhilfen vernetzt und können professionell entscheiden, was zu tun ist.

Wenn die Person ansprechbar ist, aber keine ärztliche Hilfe benötigt, fragen Sie, ob Sie jemanden aus dem sozialen Bereich dazuholen sollen. Die Notrufnummern für die Obdachlosenhilfe in den Städten sind oft 24 Stunden besetzt.

Es gibt in einigen Städten Kältetaxis, die warme Mahlzeiten, Getränke und Decken dabei haben oder die Betroffenen in eine warme Notunterkunft bringen. Haben Sie keine Nummer zur Hand, können Sie auch hier den Notruf wählen – dort werden weitere Schritte eingeleitet.

3. Spenden, aber was? "Geben Sie einem Obdachlosen lieber Geld, statt ihm einfach ungefragt ein Brötchen zu kaufen." Es sei gut gemeint, aber ein Eingriff in die Eigenverantwortung, meinen die Experten. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen, wofür er sein Geld ausgibt. 

Die Angst, von dem Geld werde Alkohol gekauft, sei verständlich. Allerdings sei der Alkohol für einen Suchtkranken wichtig – ein kalter Entzug auf der Straße, gerade auch im Winter – kann lebensgefährlich werden.

Fragen Sie auch gern, ob die Person etwas anderes als Geld oder Essen benötigt. Hygieneartikel, Decken oder Handschuhe sind nützlich. Häufig hätten Obdachlose aber schon einiges und würden durch ungefragte Kleiderspenden zu viel anhäufen. Das gäbe Ärger mit dem Ordnungsamt.

Das ist besser: Kaufen Sie Obdachlosen eine Straßenzeitung ab. Sie unterstützen die Person damit, denn diese Aufgabe gibt ihr eine Tagesstruktur, Geld und letztlich Sinn für den Alltag. So kommen Sie auch ganz leicht in Kontakt, wenn Sie das möchten.

Für alles, was Sie tun wollen, gilt: Fragen Sie die Person, wenn sie ansprechbar ist, ob und inwiefern Hilfe nötig ist. Dann können Sie nur das Richtige tun – ob mit einem Becher Kaffee, ein paar gewechselten Worten, Geld oder anderer Unterstützung.

Winterhilfe in Berlin

Die Stadt Berlin bietet neben mehreren Notunterkünften auch das Kältetaxi für Wohnungslose an.

  • Notübernachtung am Containerbahnhof
    Ab wann?  Ab 1. November 2019 bis 30. April 2020 ab 20.00 Uhr
    Wo? Am Containerbahnhof 1 (hinter dem Ring-Center Frankfurter Allee), 10367 Berlin
    Was gibt es hier? 120 Schlafplätze für Frauen (24 Plätze) und Männer (96 Plätze), Haustiere sind erlaubt, warme Mahlzeit
    Kontakt: 0171-8325446

Die Berliner Stadtmission stellt vom 1. November bis 31. März einen Kältebus bereit, der im Notfall zu den Obdachlosen fährt und sie in eine Notschlafstelle bringt. Hier sind sogar Hunde erlaubt und die Menschen werden auch ohne Versicherung behandelt. Sie erreichen den Bus unter 0178-5235838.

Sinnvoll ist auch die kostenlose Kältehilfe-App. Hier finden Sie, aber auch Obdachlose selbst, alle Infos zu Unterkünften, Angeboten oder Kontakten.

Winterhilfe in Köln

Die Stadt Köln bietet Kältenotunterkünfte vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. April 2020 an. Zusätzlich dazu gibt es die Kältegänge. Dabei suchen Mitarbeitende der Stadt im Winter abends Plätze in der Innenstadt auf und informieren Wohnungslose über das Unterstützungsangebot für die Winterzeit. Auch Sie können Obdachlose melden, sollten diese Hilfe benötigen.

24-Stunden-Hotline: 0221-47455545 – Unter dieser Nummer erreichen Sie die Wohnungslosenhilfe, wenn Sie einen hilfsbedürftigen Wohnungslosen treffen.

  • Humanitäre Winterhilfe
    Wo? Vorgebirgstraße 22
    Für wen? 170 Plätze
    Wann? Täglich von 19.00 bis 8.00 Uhr
  • Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Köln
    Wo? Mauritiussteinweg 77-79, 50676 Köln
    Für wen? Notschlafstelle für Frauen, auch mit Hund
    Kontakt: 0221-12695180


Winterhilfe in Frankfurt am Main

In der Stadt gibt es 270 Betten in Notübernachtungsstätten und bis zu 70 Schlafplätze in Tagestreffs. Auch die B-Ebene der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor ist für Schutzsuchende geöffnet.

Kältebus in Frankfurt am Main: Der Kältebus in Frankfurt am Main ist während des Winters im Stadtgebiet unterwegs und bietet den Transport in eine Notunterkunft, Decken und warme Getränke an. Sie erreichen ihn unter: 069-431414. Aber auch die städtische Hotline 069-21270070 ist für soziale Notlagen rund um die Uhr besetzt.

  • Übernachtungsstätte Ostpark
    Wo? Ostparkstraße 16, 60385 Frankfurt am Main
    Kontakt: 069-79405300


Winterhilfe in München

Die Stadt München stellt ebenfalls einen Kältebus zur Verfügung. Dieser fährt allerdings gezielt zu den Obdachlosen und bringt ihnen warme Mahlzeiten oder Getränke, Hygieneartikel oder Decken. Er ist von 19:00 bis 23:30 Uhr unterwegs.

Der Unterschied zu Kältebussen aus Berlin oder Frankfurt am Main: Der Münchner Kältebus ist kein 24-Stunden Notdienst und transportiert auch keine Menschen. 

  • Kälteschutzräume München
    Wo? Bayernkaserne Haus 12, Heidemannstraße 50, 80939 München
    Wann? Winteröffnungszeiten: 01. November bis 30. April
    Für wen? Montag bis Sonntag ab 16.00 Uhr (Familien mit Kindern), ab 17.00 Uhr (Männer, Frauen, Paare)
    Kontakt: 089-45029639

An Kirchen und Klöstern der Stadt gibt es Essensangebote und Kleiderausgaben.



Winterhilfe in Hamburg

Vom 1. November 2019 bis zum 31. März 2020 stellt die Stadt Hamburg 780 zusätzliche Schlafplätze in Gemeinschafts­unterkünften für Obdachlose zur Verfügung.

Über die Notfallnummer erreichen Sie die Sozialbehörde: 040-428285000 

  • fördern & wohnen
    Wo? Friesenstraße 22
    Wann? von 17.00 bis 9.30 Uhr 
    Was gibt es? 400 Schlafplätze
    Kontakt: 040-428353749


  • Personen mit Hunden
    Wo? 
    Pik As, Neustädter Straße 31a, 20355 Hamburg
    Kontakt: 040-427312059
    Tipp: Außerdem besteht für Hundebesitzer die Möglichkeit, ihren Hund kostenlos nachts im Tierheim unterzubringen.
    Wo? Süderstraße 399, 20537 Hamburg
Verwendete Quellen:

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
Mäntel-Highlights und schöne Jacken shoppen
bei MADELEINE
myToysbonprix.deOTTOUniceftchibo.deLIDLBabistadouglas.deBAUR

shopping-portal