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Obdachlosigkeit: Zahl der Wohnungslosen steigt um bis zu 20 Prozent

Hohe Mieten, zu wenig Neubau  

Zahl der Wohnungslosen steigt um bis zu 20 Prozent

30.07.2019, 09:28 Uhr | AFP

Obdachlosigkeit: Zahl der Wohnungslosen steigt um bis zu 20 Prozent. Mensch ohne Obdach am Weserufer in Bremen: Geschätzt etwa 48.000 Menschen leben in Deutschland ohne jede Unterkunft auf der Straße. (Symbolfoto) (Quelle: imago images)

Mensch ohne Obdach am Weserufer in Bremen: Geschätzt etwa 48.000 Menschen leben in Deutschland ohne jede Unterkunft auf der Straße. (Symbolfoto) (Quelle: imago images)

Niermand weiß genau, wie viele Menschen in Deutschland keine Wohnung haben oder auf der Straße leben. Eine Schätzung liefert nun erschreckende Zahlen. 

Die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland ist nach Schätzung der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zuletzt deutlich gestiegen. Nach letzten verfügbaren Zahlen sei von einer Steigerung um 15 bis 20 Prozent von 2016 auf 2017 auszugehen, erklärte die Verbandsgeschäftsführerin Werena Rosenke in Berlin. Demnach waren im Laufe des Jahres 2017 geschätzt etwa 650.000 Menschen ohne Wohnung.

Die Zahl liegt deutlich niedriger, als sie von der Initiative zuvor geschätzt worden war. Grund für die Abweichung nach unten um 210.000 ist ein verändertes Berechnungssystem. Das vorherige Schätzmodell sei "aufgrund fehlender neuer empirischer Studien veraltet" gewesen, erklärte die Arbeitsgemeinschaft. Nunmehr werde die jährliche "Wohnungsnotfallberichterstattung"in Nordrhein-Westfalen zur Grundlage für die Hochrechnung benutzt.

Etwa 48.000 Menschen leben auf der Straße

Von den etwa 650.000 Wohnungslosen sind der Initiative zufolge etwa 22.000 Kinder und minderjährige Jugendliche. Etwa 48.000 Menschen werden als obdachlos eingestuft – sie leben also ohne jede Unterkunft auf der Straße. In diesen Zahlen sind wohnungslose Flüchtlinge nicht enthalten, weil über sie zu wenige Daten vorliegen.

Als Hauptgründe für die steigende Zahl der Wohnungslosen nennt die Arbeitsgemeinschaft "das unzureichende Angebot an bezahlbarem Wohnraum, die Schrumpfung des Sozialwohnungsbestandes und die Verfestigung von Armut". Es fehle vor allem an bezahlbaren Wohnungen für Menschen mit niedrigem Einkommen und Empfänger staatlicher Transferleistungen. "Benötigt werden pro Jahr 80.000 bis 100.000 neue Sozialwohnungen und weitere 100.000 bezahlbare Wohnungen."

"Funktionsfähiges System der Prävention"

Die Initiative forderte, die Beteiligung des Bundes an der sozialen Wohnraumförderung deutlich zu erhöhen. Außerdem müsse in den Kommunen überall "ein funktionsfähiges System der Prävention von Wohnungsverlusten" installiert werden.

Sozialverbände und Wohnungslosen-Initiativen bemängeln seit langem, dass es keine bundesweit gesicherten Zahlen zu Wohnungslosen gibt. Sie sehen darin ein Hindernis beim effektiven Umgang mit diesem Problem. Das Bundessozialministerium kündigte Juni an, "in Kürze" einen Referentenentwurf für eine "bundesweite Wohnungslosenberichterstattung" vorzulegen.
 


In der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe engagieren sich unter anderem soziale Dienste und Einrichtungen sowie politische Institutionen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur AFP

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