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"Keine Araber": Bitte mehr von solchen E-Mails

Ein Kommentar von Ana Grujić

Aktualisiert am 16.01.2020Lesedauer: 2 Min.
Diskriminierung: Ein Bewerber hat durch Zufall eine E-Mail von einem Unternehmen erhalten, in der stand: "bitte keine Araber".
Diskriminierung: Ein Bewerber hat durch Zufall eine E-Mail von einem Unternehmen erhalten, in der stand: "bitte keine Araber". (Quelle: Getty Images/Leontura/sanjeri/T-Online-bilder)
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Ein Bewerber erfährt durch eine E-Mail, dass er einen Job wegen seiner Herkunft nicht bekommen hat. Gott sei Dank. Denn Rassismus muss öffentlich werden.

"Bitte keine Araber": Diese Antwort hat ein Mann auf seine Bewerbung bei einem Berliner Architekturbüro erhalten. Die E-Mail war nicht direkt an den Bewerber gerichtet, erreichte ihn aufgrund eines Fehlers dennoch. Das rassistische Schreiben fand seinen Weg in die sozialen Netzwerke. Als Migrantin sage ich: Wir brauchen mehr solcher E-Mails.

"Sie klingen nach Urlaub", hat mal eine Frau zu mir gesagt. Sie meinte meinen österreichischen Akzent. Außerdem sage ich Jänner statt Januar und Paradeiser zu Tomaten. Die Leute finden das charmant. Viele dieser Leute erfahren auch niemals, dass ich keine gebürtige Österreicherin bin. Denn mein Deutsch ist trotz des einen oder anderen österreichischen Kuriosums so gut, dass die Leute mich sogar dafür bezahlen, es zu schreiben und zu sprechen.

"Sie sprechen aber gut Deutsch"

Und doch passiert es immer wieder, dass ich rassistisch angegangen werde. Nicht wegen meiner österreichischen, sondern wegen meiner bosnischen Herkunft. Neulich hat mich ein Mann in der Bahn beschimpft, weil ich am Telefon mit meiner Mutter Bosnisch gesprochen habe. Hassnachrichten zu meinen Artikeln kommen selten ohne einen Hinweis auf meine Herkunft aus.

Der Rassismus beschränkt sich aber nicht auf Pöbler in öffentlichen Verkehrsmitteln und Internettrolle. Er sitzt immer wieder auch bei Vorstellungsgesprächen mit am Tisch. "Sie sprechen aber gut Deutsch", ist einer der harmloseren Sätze, die dann fallen. Er ist sogar als Kompliment gemeint, tut aber dennoch weh. Hochschulabschlüsse, ausgezeichnete Noten, lobreiche Arbeitszeugnisse: All das geht unter und heraus sticht mein bosnischer Name. Er lässt in den Köpfen potenzieller Arbeitgeber ein falsches Bild entstehen.

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Noch schlimmer ist der Gedanke, wie viele mögliche Chefs mich gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch einladen, weil sie sich von einem fremden Namen abschrecken lassen. Der Rassismus frustriert, die Grübelei über sein Ausmaß droht mich manchmal zu erdrücken. Weil in keiner Absage zu einer Bewerbung "bitte keine Ausländer" steht, kann ich einfach nie wissen, warum ich einen Job nicht bekommen habe.

Jeder rassistische Akt sollte schriftlich vorliegen

Ein Bewerber hat nun durch Zufall eine E-Mail von einem Unternehmen erhalten, in der stand: "bitte keine Araber". Mein erster Gedanke, als ich von diesem Fall gelesen habe, war: "Gott sei Dank."

Verstehen Sie mich nicht falsch: Der Rassismus in dieser E-Mail macht mich wütend und ich habe Mitleid mit dem Menschen, der Opfer davon wurde. Aber ich bin froh, dass diese E-Mail publik geworden ist. Denn sie ist ein schriftlicher Beleg dafür, dass sich einige Entscheidungsträger in Deutschland von Rassismus leiten lassen.

Mein zweiter Gedanke war: "Bitte mehr davon!" Ich wünsche mir, dass jeder rassistische Akt schriftlich vorliegt, mit Signatur des Verantwortlichen darunter. Betroffene hätten Beweise für das Unrecht, das ihnen angetan wird. Ob die Opfer dann mit den Rassisten sprechen oder sie direkt vor Gericht bringen und ihrer gerechten Strafe zuführen: Die Unsicherheit, was als Nächstes passiert, müssten die Rassisten ertragen.

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  • Jennifer Buchholz
  • Rahel Zahlmann
Von Jennifer Buchholz, Rahel Zahlmann
Rassismus

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