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Meinung
Was ist eine Meinung?

Die subjektive Sicht des Autors auf das Thema. Niemand muss diese Meinung ├╝bernehmen, aber sie kann zum Nachdenken anregen.

Der Stuhl der Erniedrigung

  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz

Aktualisiert am 12.05.2021Lesedauer: 4 Min.
Panik: Bereits der Gedanke an bestimmte Situationen bereitet vielen Angst.
Panik: Bereits der Gedanke an bestimmte Situationen bereitet vielen Angst. (Quelle: PeopleImages/getty-images-bilder)
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Wenn Frauen unter sich sind, tratschen und lachen sie die ganze Zeit. Warum sollte es beim Gyn├Ąkologen anders sein? Sonst w├╝rden Frauen doch auch nicht mehr oder weniger regelm├Ą├čig dort freiwillig hingehen, oder?

Direkt am Eingang wird mir von einer attraktiven Frau in rosafarbenen Leggings und wei├čem Tr├Ągertop ein Glas Prosecco ├╝berreicht. Sie nimmt mir meine Jacke und meine Tasche ab und bringt mich in den Wartebereich, wo bereits f├╝nf andere Frauen in gro├čen Massagesesseln sitzen, aufgeregt miteinander reden und sich ihre Fingern├Ągel lackieren. ├ťberall h├Ąngen Monitore, die entweder "Der Bachelor" oder Auftritte von der M├Ąnner-Strip-Gruppe Chippendales zeigen. Ich werde von allen herzlich begr├╝├čt, wir sto├čen an und kurz darauf werde ich auch schon in das Behandlungszimmer meiner hei├čbl├╝tigen Frauen├Ąrztin gerufen. Wir begr├╝├čen uns mit Luftk├╝sschen und tratschen bei einem weiteren Glas Prosecco ├╝ber den neusten Promi-Klatsch, ehe wir f├╝r die Untersuchung ins Nebenzimmer gehen. Der Raum ist kuschelig eingerichtet, sodass sich jede Patientin hier gleich richtig wohlf├╝hlt und ihre Hemmungen verliert. Auch die Untersuchung l├Ąuft liebevoll ab. Mit ihren warmen H├Ąnden tastet sie meine Br├╝ste ab und hilft mir kurz darauf auf den Untersuchungsstuhl. Sanfte Musik und Duftkerzen sorgen f├╝r eine entspannte Stimmung, w├Ąhrend sie mich auch untenrum ├╝berall abtastet. Bevor ich die Praxis verlasse, dr├╝ckt mir die Arzthelferin eine kleine T├╝te mit einem rosa Cupcake und Duft- und Produktproben in die Hand.

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Nein! Ernsthaft. SO l├Ąuft ein Frauenarztbesuch nicht ab. Nein! Selbst wenn lediglich ein Drittel davon stimmen w├╝rde, w├╝rde uns Frauen das schon reichen. Die Wahrheit ist wesentlich d├╝sterer, k├╝hler und brutaler!

Die Wahrheit ├╝ber einen Besuch beim Frauenarzt

Mit einem grimmigen Blick und den Worten "Desinfizieren Sie sofort Ihre H├Ąnde und warten Sie, bis Sie aufgerufen werden" ├Âffnet mir die Sprechstundenhilfe die T├╝r und verschwindet wieder hinter dem Empfangstresen. Im Wartezimmer sitzen drei Patientinnen und schauen besch├Ąmt auf ihr Smartphone. Der Raum ist steril eingerichtet. Das Licht aus der Neonr├Âhre flackert nerv├Âs und an der Wand h├Ąngt lediglich ein Din-A0-gro├čes Bild von einem Schneckenhaus. Mein "Guten TagÔÇť wird von den Anwesenden mit einem musternden Blick entgegnet, ehe sie selbigen wieder auf ihre Displays richten. Nachdem ich 45 Minuten gewartet habe, werde ich in das Untersuchungszimmer gerufen und von der ├ärztin mit "Haben Sie irgendwelche Probleme?ÔÇť begr├╝├čt. "Nein, ich bin lediglich zur Routineuntersuchung hier", antworte ich. "Okay, dann gehen Sie schon mal r├╝ber und ziehen sich aus."

In dem hell beleuchteten Raum lege ich meine Kleidung auf den kleinen Hocker in der Ecke und stelle mich neben den riesigen Untersuchungsstuhl, der inmitten des Raumes thront. Er wirkt imposant und angsteinfl├Â├čend zugleich. Mit dem Spruch "Ich habe kalte H├Ąnde" f├Ąngt die ├ärztin an, meine Br├╝ste unsanft abzutasten. "H├Ątte sie ihre H├Ąnde nicht wenigstens hierf├╝r aufw├Ąrmen k├Ânnen?", denke ich. Stattdessen h├Âre ich mich sagen: "Haha, ja, meine Brustwarzen haben Ihre kalten H├Ąnde auch bemerkt." Emotionslos dreht sie sich zum Untersuchungsstuhl: "Klettern Sie jetzt bitte auf den Stuhl." Vollst├Ąndig entbl├Â├čt versuche ich, mich irgendwie in den Stuhl zu setzen, meine Beine auf die entsprechenden Halterungen aus kaltem Stahl zu stellen und dabei nicht herunterzurutschen. Denn Halt hat man in dieser Position ├╝berhaupt nicht. Es ist fast wie eine russische Hocke, nur dass die Beine gespreizt sind. Mit einem Ruck f├Ąhrt der Stuhl in die Waagerechte. "Und jetzt r├╝cken Sie mit Ihrem Po nach vorne", fordert mich die ├ärztin auf. "Wie soll ich das denn machen?", denke ich und versuche mit meinem K├Ârper in ihre Richtung zu robben. "Noch ein St├╝ckchen." Ich robbe ein weiteres St├╝ck nach vorne. Mein Po h├Ąngt bereits in der Luft. "Noch etwas mehr", verlangt sie genervt. "Gleich falle ich vom Stuhl", denke ich, versuche aber, ihrer Aufforderung nachzukommen. Mit breit gespreizten Beinen, einem in der Luft h├Ąngenden Po, mich an den Armlehnen festhaltend liege ich vor ihr und hoffe, dass genau in diesem Augenblick ÔÇŽ Bevor ich meinen Gedanken vollenden kann, ├Âffnet die Sprechstundenhilfe die T├╝r und legt der ├ärztin Rezepte zum Unterschreiben auf den Tisch. "Wie sch├Ân", denke ich ironisch. Kurz darauf steckt mir die ├ärztin auch schon das sehr kalte, harte Untersuchungsbesteck zwischen meine Beine. W├Ąhrend sie ihr Programm durchzieht, f├╝hle ich mich wie eine gerupfte Gans, die gerade gef├╝llt wird, bevor sie in die R├Âhre kommt. Wenig sp├Ąter f├Ąhrt der Stuhl auch wieder in die Senkrechte, meine ├ärztin verabschiedet sich und geht zur├╝ck in ihr Arbeitszimmer. Schnell ziehe ich mich an, gehe mit einem unerwiderten "Einen sch├Ânen Tag noch" an dem Empfangstresen vorbei und verlasse die Praxis. Ohne Cupcake, ohne Produktproben, aber mit dem eine gewisse Erleichterung schaffenden Wissen, dass ich erst n├Ąchstes Jahr wieder herkommen muss.

Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online.de, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" ├╝ber Liebe, Partnerschaft und Sex.

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  • Jennifer Buchholz
Eine Kolumne von Jennifer Buchholz
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