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Lust, Laster und Liebe: "Dieses Kleidungsstück sollte beim Sex anbleiben"

MEINUNGKolumne "Lust, Laster und Liebe"  

Dieses Kleidungsstück sollte beim Sex anbleiben

Lust, Laster und Liebe: "Dieses Kleidungsstück sollte beim Sex anbleiben". Ausziehen: Das erotische Entblößen gelingt selten gut. (Symbolfoto) (Quelle: Getty Images/Yurdakul)

Ausziehen: Das erotische Entblößen gelingt selten gut. (Symbolfoto) (Quelle: Yurdakul/Getty Images)

Entblößte Haut ist sexy und verführt zum Anfassen? Stimmt. Es gibt allerdings ein Körperteil, das hier eine Ausnahme bildet. Ein Plädoyer für die Socke beim Sex.

Für viele sind sie ein Graus. Ich aber gestehe: Ich habe kein Problem mit Socken beim Sex. Es ist nämlich so: Mit warmen Füßen hat man besseren Sex und kommt wahrscheinlicher zum Orgasmus – das zeigen sogar Studien und Umfragen. Der Körper ist einfach entspannter, wenn sich die Zehen nicht wie beim Besteigen des Mount Everest anfühlen. Entsprechend ist die Laune bei vielen Frauen mit warmen Füßen einfach besser. Männer, die bereitwillig ihre heißen Oberschenkel oder Hände zum Wärmen der Eisblöcke ihrer Liebsten opfern – wofür wir Eisfuß-Opfer unglaublich dankbar sind –, wissen das.

Ein nackter Körper mit Socken wirkt albern und unerotisch? Oder infantil? Dann frage ich: Haben Sie schon mal gesehen, wie sich jemand erotisch die Socken auszieht? Nein, ich meine hier nicht Strapse oder Ähnliches. Sondern Socken – diese knöchelhohen Kleidungsstücke, die die gesamte in kühleren Breiten lebende Menschheit durch den Alltag trägt.

Strip oder Sketch?

Können sich also Menschen sexy ihrer Socken entledigen? Ich finde nicht. Und habe es auch noch nie selbst geschafft. Die Möglichkeiten, dies zu tun, sind ja auch beschränkt. Entweder setzt man sich zum Entblößen seiner natürlich top gepflegten Füße aufs Bett oder einen Stuhl und hievt möglichst leise stöhnend seinen Fuß nach oben. Oder man beugt sich ächzend nach unten, wobei das wirkliche Ausmaß des eigene Luxusbäuchleins schmerzlich spürbar wird. Was für ein erotischer Moment!

Für den Partner bringt diese Situation wohl eher keinen Lustgewinn: Entweder kann er sich am dabei offenbarten Maurerdekolleté erfreuen, oder – bei der Stehvariante – Dinge sehen, die selbst die Sonne noch nie erblicken durfte. Wundern wir uns da wirklich, dass Filme bei Striptease- oder Ausziehszenen derartige Momente in der Regel aussparen? Wenn die Füße doch mal entblößt werden, dann höchstens in sogenannten Romcoms, also romantischen Komödien.

Die Sockenpracht an den Füßen hingegen kann auch für Ihren Partner ein echter Pluspunkt beim Liebesspiel sein. Ob kleine Hornhautstellen an der Ferse oder die scharfkantige Ecke des Zehennagels: All das, was durch eine zeitweise vernachlässigte Fußpflege die Lustglocken zum Erstummen bringen könnte, bleibt so verborgen.

Das gilt auch für den Lustkiller kalte Füße: Stellen Sie sich vor, es geht richtig heiß her. Ihr Körper glüht vor Lust, Anspannung und Erregung. Doch plötzlich spüren Sie diesen eiskalten, stechenden Schmerz, der Sie plötzlich aus Ihrer Lust herauskatapultiert. Nur weil ihr Partner mit seinen arschkalten Füßen versehentlich ihre Waden berührt hat. Aus diesem Moment der Eiseskälte in die Hitze der Lust zurückzufinden, braucht Kraft und Zeit, die man sich dank anbehaltener Socken sparen könnte.

Socken sind auch ein No-Go

Dennoch: Ich möchte hier Situationen nicht verschweigen, in denen auch ich klar für ein "Socken aus!" plädiere. Und zwar im Sommer – wo Socken eh eine Sonderstellung haben. Dass löchrige, dreckige, stinkende, kratzige oder nasse Socken und Sex sich ausschließen ist ohnehin klar. Aber auch die übergroßen Flauschesocken aus Plastik (Polyester), die sich elektrisch aufladen und durch Reibung für ein ganz besonderes Knistern sorgen, sind ein klares No-Go. Elektrisiert werden möchte ich beim Sex jedenfalls anders.
Socken hin oder her – klar ist am Ende auch: Wichtiger als "Socken beim Sex anlassen oder ausziehen?" ist doch "Wer schaut mir vor oder beim Sex eigentlich auf die Socken? Und worauf achte ich beim anderen?". Wenn nur das Tragen oder Nichttragen der wollenden Überzieher den Sex stört, dann sollte man einmal in sich gehen und sich fragen, ob man nicht ungerechterweise auf die Socken schiebt, wofür sie eigentlich nichts können. Denn Stil und Geschmack eines Menschen offenbaren sich, so meine These, vielleicht doch nicht nur allein in den Socken.


Jennifer Buchholz, Redakteurin bei t-online, schreibt in ihrer Kolumne "Lust, Laster, Liebe" über Liebe, Partnerschaft und Sex.

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