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Sind Bioprodukte wirklich gesĂĽnder?

Von dpa-tmn
Aktualisiert am 02.10.2020Lesedauer: 3 Min.
Bananen mit Biosiegel: Bioware ist in der Regel gekennzeichnet.
Bananen mit Biosiegel: Bioware ist in der Regel gekennzeichnet. (Quelle: Andrea Warnecke/dpa-tmn-bilder)
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Bio-Äpfel, Bio-Milch, Bio-Getreide, Bio-Salat, Bio-Avocado, Bio-Eier, Bio-Fleisch – In den Supermärkten ist ein regelrechter Bio-Boom ausgebrochen. Sämtliche Lebensmittel sind konventionell und in der Biovariante erhältlich.

Manch einer kauft grundsätzlich Lebensmittel in Bioqualität – aus Nachhaltigkeits-, Umwelt- oder Tierschutzgründen. Doch manchmal ergibt es auch aus gesundheitlicher Sicht Sinn, zu Bioprodukten zu greifen.

Ist Bio immer die bessere Wahl?

Die ökologische Landwirtschaft steht für einen respektvollen und nachhaltigen Umgang mit der Natur. Und biologisch erzeugte Lebensmittel haben den Ruf, gesünder zu sein als konventionelle Produkte. Aber stimmt das?

Pauschal könne man das nicht sagen, meint Brigitte Ahrens von der Verbraucherzentrale Niedersachsen. "Ob ein Lebensmittel gesünder ist als ein anderes, hängt von vielen Faktoren ab." Dazu zählen bei Obst und Gemüse zum Beispiel die Sorte, die Sonneneinstrahlung, der Anbauort und die Belastung mit Pestiziden.

Große Nährstoffunterschiede erkennbar

In mancher Hinsicht punkten Biolebensmittel aber im Vergleich zu konventionellen Produkten. Zum Beispiel können Lebensmittel in Bioqualität mehr gesunde Nährstoffe enthalten. So gibt es bei Milch einen Unterschied zwischen Bio und anderer Ware: "In Biomilch ist deutlich mehr Omega-3-Fettsäure enthalten", sagt Ahrens. Diese mehrfach ungesättigten Fettsäuren sind unter anderem wichtig für ein gesundes Herz.

Der Grund fĂĽr diesen Unterschied liegt in der FĂĽtterung der Tiere: Konventionell gehaltene KĂĽhe erhalten mehr Kraftfutter als Tiere in biozertifizierten Betrieben mit WeidefĂĽtterung.

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In Bioäpfeln und -kartoffeln stecken ebenfalls mehr Nährstoffe als in herkömmlich Angebautem. Das liegt daran, dass sie weniger Wasser enthalten, erklärt Britta Klein vom Bundeszentrum für Ernährung. Sie liefern beispielsweise etwas mehr Vitamin C und sind deutlich reicher an sekundären Pflanzenstoffen, die vor Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen sollen.

Biolebensmittel meist ohne Pestizidrückstände

Die Frage ist jedoch: Sind diese Nährstoffunterschiede für den Menschen überhaupt relevant? "Darüber gibt es noch keine ausreichenden Kenntnisse", sagt Nicole Merbach von der Stiftung Warentest. Denn es fehlen Langzeitstudien, die den Gesundheitszustand von Menschen, die sich mit Biolebensmitteln ernähren, und denen, die sich konventionell ernähren, vergleichen. "Ein riesiger Vorteil von Obst und Gemüse aus Bioanbau ist jedoch die geringe Belastung mit Pestiziden", sagt Merbach.

Konventionelle Produkte sind dagegen fast immer mit Rückständen belastet: So wurden bei der jährlichen Untersuchung des Chemischen und Veterinäruntersuchungsamtes Stuttgart für das Jahr 2017 bei 96 Prozent der Frischobst-Proben aus konventionellem Anbau Rückstände von Pestiziden festgestellt. Die gesetzlich festgesetzten Höchstgrenzen überschritten sieben Prozent der Proben. In Biobetrieben ist die Nutzung von Pflanzenschutzmitteln dagegen stark reglementiert, sodass die Erzeugnisse – wenn überhaupt – nur sehr gering belastet sind.

Vor der Verunreinigung durch Schadstoffe sind allerdings auch Bioprodukte nicht gefeit. Kritische Substanzen wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Schimmelpilzgifte oder Mineralölrückstände fand die Stiftung Warentest auch in Ökoprodukten. Bei einem aktuellen Test von Sojadrinks trugen sogar alle stark mit Nickel belasteten Getränke ein Biosiegel.

Es muss nicht immer Bio sein

Ob man Bioprodukte kaufen möchte oder nicht, hängt auch ein bisschen davon ab, was man mit den Lebensmitteln machen möchte. Wer von der Zitrone nur den Saft braucht, ist mit einer herkömmlichen Frucht gut bedient. Wer dagegen die Schale verwenden will, sollte aus Gesundheitsgründen auf Bioprodukte zurückgreifen. Denn bei konventionellen Zitrusfrüchten kommen neben Pestiziden auch Schalenbehandlungsmittel zum Einsatz.

Da sie während der Zubereitung von der Schale auf die Frucht übertragen werden können, gilt: Auch wer die Schale einer konventionellen Frucht nicht verwenden möchte, sollte sie vor dem Aufschneiden gründlich waschen.

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