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Straßburger AttentĂ€ter mit mindestens 14 Schuss getötet

Von dpa, afp
Aktualisiert am 14.12.2018Lesedauer: 4 Min.
Die Anti-Terror-Einheit der französischen Polizei: Der mutmaßliche AttentĂ€ter soll das Feuer auf die Polizisten eröffnet haben.
Die Anti-Terror-Einheit der französischen Polizei: Der mutmaßliche AttentĂ€ter soll das Feuer auf die Polizisten eröffnet haben. (Quelle: Christian Hartmann/Reuters-bilder)
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Zwei Tage nach dem Anschlag in Straßburg ist ChĂ©rif Chekatt von der Polizei getötet worden. Er soll zuvor das Feuer auf die Beamten eröffnet haben. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag fĂŒr sich.

Nach einer zweitĂ€gigen Großfahndung hat die Polizei den mutmaßlichen Straßburg-AttentĂ€ter ChĂ©rif Chekatt mit mindestens 14 SchĂŒssen getötet. Er soll fĂŒr den blutigen Terroranschlag in der elsĂ€ssischen Metropole mit drei Toten verantwortlich sein. StaatsprĂ€sident Emmanuel Macron dankte den SicherheitskrĂ€ften in der Nacht zum Freitag via Twitter: "Unser Engagement gegen den Terrorismus ist uneingeschrĂ€nkt", schrieb Macron.

Drei Polizisten machten am Donnerstagabend gegen 21 Uhr den mutmaßlichen AttentĂ€ter im Stadtteil Neudorf auf der Straße aus, wie der französische Innenminister Christophe Castaner berichtete. Als sie den VerdĂ€chtigen verhaften wollten, habe dieser das Feuer eröffnet. Die Polizei habe den Angriff erwidert und den TĂ€ter getötet. Die Polizei sucht weiter nach möglichen Komplizen. Offen ist derzeit, ob er bei der Flucht unterstĂŒtzt wurde.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag fĂŒr sich. Der Angreifer sei ein Soldat des Islamischen Staates gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak. In der Amak-Meldung heißt es, der Angreifer sei Aufrufen gefolgt, BĂŒrger aus den Staaten der Koalition anzugreifen. Damit ist die internationale Anti-IS-Koalition gemeint, die in Syrien und im Irak im Einsatz ist. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunĂ€chst nicht ĂŒberprĂŒfen – sie wurde aber ĂŒber die ĂŒblichen KanĂ€le des IS verbreitet.

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Der AttentĂ€ter hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der geschmĂŒckten Straßburger Innenstadt eröffnet. Er habe "Allahu Akbar" ("Gott ist groß" auf Arabisch) gerufen, berichtete Chefermittler RĂ©my Heitz unter Berufung auf Zeugen.

Ermittler in Straßburg: Der mutmaßliche TĂ€ter wurde im Stadtteil Neudorf von der Polizei gestellt. Als er das Feuer eröffnete, schossen die Polizisten.
Ermittler in Straßburg: Der mutmaßliche TĂ€ter wurde im Stadtteil Neudorf von der Polizei gestellt. Als er das Feuer eröffnete, schossen die Polizisten. (Quelle: Christian Hartmann/Reuters-bilder)

Frau soll Chekatt erkannt haben

Nach Angaben des französischen TV-Senders BFMTV hatte Chekatt am Donnerstag eine Frau angesprochen. Diese habe bemerkt, dass der Mann verletzt gewesen sei. Sie habe darauf die SicherheitskrÀfte alarmiert.

Französische Anti-Terror-KrĂ€fte hatten das Viertel anschließend am Nachmittag mit einem Großaufgebot durchsucht. Chekatt war am Dienstag nach dem Attentat mit einem Taxi nach Neudorf geflohen. Seitdem war er abgetaucht.

France Shooting
Zwei Tage nach dem Attentat wurde Chérif Chekatt von der Polizei erschossen. (Quelle: /ap-bilder)

Deutsche und französische Behörden hatten mit etlichen Beamten und einem Fahndungsaufruf nach dem polizeibekannten mutmaßlichen AttentĂ€ter gesucht. Die Bundespolizei fahndete im deutsch-französischen Grenzgebiet, auch SpezialkrĂ€fte waren im Einsatz. Die französische Polizei hatte ein Fahndungsfoto des radikalisierten GefĂ€hrders samt TĂ€terbeschreibung veröffentlicht.

Die Bundespolizei kontrollierte insbesondere in der deutschen Grenzstadt Kehl, aber auch im Hinterland, wie eine Sprecherin der Bundespolizei der dpa sagte. Überwacht wurden demnach Fahrzeuge, der Personenverkehr ĂŒber einer FußgĂ€ngerbrĂŒcke ĂŒber dem Rhein sowie ZĂŒge und Straßenbahnen.

Chekatt saß auch in Deutschland in Haft

Der mehrfach vorbestrafte mutmaßliche Angreifer soll sich im GefĂ€ngnis radikalisiert haben. Der gebĂŒrtige Straßburger mit nordafrikanischen Wurzeln saß wegen schweren Diebstahls auch in Deutschland in Haft.

Auch die deutschen Behörden schalteten sich in die Ermittlungen gegen Chekatt ein. Die Bundesanwaltschaft leitete ein Verfahren gegen den Angreifer wegen Mordes, versuchten Mordes und gefĂ€hrlicher Körperverletzung ein, wie ein Sprecher der Behörde vor dem Tod Chekatts sagte. Die Bundesanwaltschaft habe die Ermittlungen wegen der besonderen Bedeutung des Falles aufgenommen. Ein weiterer Grund sei, dass von dem Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt sechs Deutsche traumatisiert seien, wenn auch nicht körperlich verletzt. Die FederfĂŒhrung der Ermittlungen liege weiterhin in Frankreich.

Deutsche Behörden hatten Chekatt bereits Ende 2016 eine "hohe kriminelle Energie" bescheinigt. Die Verurteilung wegen schwerer EinbrĂŒche offenbare "eine von rĂŒcksichtslosem Profitstreben geprĂ€gte Persönlichkeitsstruktur" und lasse annehmen, dass er in Zukunft Straftaten Ă€hnlicher Art und Schwere begehen werde. Das geht aus der Anordnung des RegierungsprĂ€sidiums Freiburg fĂŒr die Abschiebung aus der Haft hervor. Die Abteilung fĂŒr Bevölkerungsschutz des RegierungsprĂ€sidiums hatte auch ein Einreise- und Aufenthaltsverbot fĂŒr Chekatt fĂŒr die Dauer von zehn Jahren festgelegt.

Das RBB-Inforadio berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Chekatt sei unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen worden. Er habe den Anruf jedoch nicht angenommen. Unklar sei, wer ihn angerufen habe und warum. Dieser Frage gehen deutsche Ermittler nun intensiv nach, wie der Sender weiter berichtete.

Ermittler nahmen am Donnerstag einen weiteren VerdĂ€chtigen aus dem Umfeld des mutmaßlichen AttentĂ€ters in Gewahrsam. Er gehört nicht zur Familie Chekatts, bestĂ€tigte die Staatsanwaltschaft. Damit sind insgesamt fĂŒnf VerdĂ€chtige in Gewahrsam.


Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron sprach in BrĂŒssel den Opfern und Familien erneut die SolidaritĂ€t der gesamten Nation aus. "Es war nicht nur Frankreich, das getroffen wurde – eine französische Stadt, unsere BĂŒrger –, sondern es war genauso eine große europĂ€ische Stadt, die vor einigen Tagen tödlich getroffen wurde." Macron war nach BrĂŒssel zum Gipfeltreffen der 28 Staats- und Regierungschefs der EU-LĂ€nder gereist. Auch dort wurde der Opfer gedacht.

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