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Donald Trump und die Medien: eine perverse Beziehung

MEINUNGPost aus Washington  

Die perverse Beziehung zwischen Trump und den Medien

Eine Kolumne von Fabian Reinbold, Washington

09.11.2018, 08:52 Uhr
Donald Trump und die Medien: eine perverse Beziehung. Donald Trump bei der Pressekonferenz am Mittwoch. (Quelle: AP/dpa/Evan Vucci)

Donald Trump bei der Pressekonferenz am Mittwoch. (Quelle: Evan Vucci/AP/dpa)

Warum lassen sich Journalisten im Weißen Haus von Donald Trump beschimpfen? Und wo droht Amerika ein Drama wie im Jahr 2000, als es um die Präsidentschaft von George W. Bush ging?

Nach einem heftigen und oft hässlichen Wahlkampf hätte ich nichts gegen ein paar ruhigere Tage gehabt, aber die sind im Washington Donald Trumps rar gesät. 

Keine 24 Stunden nach dem Wahlabend feuerte der US-Präsident seinen Justizminister, ersetzte ihn vorläufig durch einen Loyalisten, praktischerweise ein Kritiker der Russland-Ermittlungen, und hielt seine bislang denkwürdigste Pressekonferenz ab.

Ich saß im East Room des Weißen Hauses in zweiter Reihe und konnte das Drama aus der Nähe beobachten.

Es ist der Morgen nach der Wahl, unter den schweren Kronleuchtern trabt Trump ans Podium, zu einer seltenen Pressekonferenz. Um die Welt geht sie später wegen der Konfrontationen von Trump und Presse, dazu gleich mehr. Aber zunächst fällt mir etwas anderes auf: Der Mann ist platt.

Eine skurrile Szene

Trump liest leise ab, wirkt ungewohnt erschöpft, vielleicht steckt ihm der Wahlkampfendspurt noch in den Knochen, wahrscheinlich auch der Verlust des Repräsentantenhauses. Trump trägt die Namen mehrerer Parteifreunde vor, die ihre Wahlkreise verloren haben. Für jeden gibt's eine Spitze ("Too bad, Mike") und Trump behauptet ganz ernsthaft, sie hätten nur deshalb verloren, weil sie seine Unterstützung im Wahlkampf ausgeschlagen hätten. Eine skurrile Szene. Und eine typische Botschaft: Die Verlierer, das sind immer die anderen.

So sehen übrigens Trumps Notizen aus:

Zu Leben erweckt Trump erst, als er CNN-Kollege Jim Acosta aufruft, eine Begegnung, die jetzt für so viele Schlagzeilen sorgt. 

Ich erlebe Acosta Woche für Woche im Weißen Haus. Er ist ein streitbarer Kollege, der seine Fragen meist sehr konfrontativ stellt und sich zu inszenieren weiß. Das ist sein Stil. Den muss man als Präsident und als Weißes Haus nicht mögen, aber aushalten. Das nennt man Pressefreiheit.

Acosta ist Trump und seinen Presseleuten seit langem ein Dorn im Auge. Und er ist eine Hassfigur in der Blase der Pro-Trump-Medien, die jetzt über den Entzug der Akkreditierung jubelt.

Die Angst, Zugang zu verlieren

Ich halte die Kritik an Acostas Stil für ein vorgeschobenes Argument und letztlich für gefährlich: Bei der nächsten konfrontativen Frage trifft es dann eben den Kollegen von ABC, etc. pp. Trumps Zorn haben auch andere Journalisten in dieser PK abbekommen, für völlig normale Fragen.

Pressekonferenz mit Donald Trump (Quelle: Reuters/Jonathan Ernst)Pressekonferenz mit Donald Trump. (Quelle: Jonathan Ernst/Reuters)

Mich erreichen seitdem viele Fragen, warum wir Journalisten nicht aus Protest den Saal verlassen hätten.

Erstens: Alle Medien investieren hier enorm, um den Zugang zum Präsidenten zu haben (unabhängig davon, wer gerade im Amt ist). Was ein US-Präsident tut, ist den Amerikanern und den amerikanischen Medien viel wichtiger als den deutschen die Berichterstattung über die Kanzlerin. Es gibt eine Angst, den Zugang zu verlieren, zumal Trump die Ressourcen verknappt, etwa ganz selten ausführliche Solo-Pressekonferenzen gibt. Deshalb überlässt man den Protest lieber der Interessenvertretung, in diesem Fall der White House Correspondents' Association, in der auch ich Mitglied bin und in der immer wieder um den Kurs beim Thema gerungen wird.

Zweitens: Ja, was sollen wir denn tun? Mal "Trump-frei" machen, wie mir eine Kollegin vorschlug? Trump also ignorieren, den mächtigsten Mann der Welt, während dessen Tweets, Eitelkeiten und Politik den Globus durchrütteln? Das finde ich abenteuerlich. Ich glaube, es hilft, Übergriffe wie am Mittwoch ganz klar zu benennen (gern klarer als bisher!), aber ansonsten nicht selbst zur Kriegspartei zu werden, sondern seinen Job machen: berichten, versuchen zu erklären.

Trumps Taktik, Trumps Sehnsucht

Es ist eine paradoxe, vielleicht sogar perverse Beziehung zwischen Trump und den Medien. Er nutzt die Angriffe gegen sie als politische Taktik, sehnt sich aber gleichzeitig nach medialer Anerkennung. Und wir? Verfolgen alle gefesselt seine Show, die überall unsere Leser und Zuschauer interessiert, aber leiden darunter, weil seine Taktik Feindseligkeit sät, gegen Journalisten, gegen Fakten.

Als Trump nach 67 Minuten sagt, "Wollen wir noch ein bisschen?", rufen die Journalisten allesamt: "Ja!"



Und das Drama geht ja weiter: Trumps Entsorgung von Justizminister Jeff Sessions bietet ihm jetzt einen Ansatzpunkt, die Russland-Ermittlungen zu beschneiden. Sessions' vorübergehender Nachfolger Matthew Whitaker hat bereits früher erklärt, seiner Meinung nach überschreite Sonderermittler Mueller seine Befugnisse und könne gar nicht wegen Behinderung der Justiz ermitteln.

Ein Drama wie im Jahr 2000?

Trump rüttelt mal wieder an den checks and balances, bislang haben sie gehalten. Aber die Sorge, Trump könne jetzt auch Mueller abservieren, treibt hier gerade Tausende Trump-Gegner schon wieder auf die Straße. Das Land kommt nicht zur Ruhe.

Und jetzt zeichnet sich ab, dass es einen großen Recount, also eine Neuauszählung der Stimmen, geben dürfte. Ausgerechnet in … Florida. Bei den Worten Recount und Florida schießen einem gleich wieder die Bilder aus dem Jahr 2000 in den Kopf, von Lochkarten und blinzelnden Wahlhelfern.

Die politische Lage nach der Wahl sieht so aus:

  • Die Republikaner haben ein Heile-Welt-Problem. Sie haben die Vorstädte verloren, wo Trumps Art die gut Ausgebildeten, die Frauen, die Einwanderer abschreckt. Nicht nur an der Ostküste, sondern auch in Georgia, Texas, Oklahoma entrissen demokratische Herausfordererinnen republikanischen Amtsinhabern die Sitze. Ein Alarmsignal für die Partei, für welche Suburbia jahrzehntelang eine Bastion war.
  • Die Demokraten haben nach zwei traumatischen Jahren an der Seitenlinie wieder Macht. Sie werden Trump ab Januar mit Untersuchungen von seinen Geschäftsgebaren bis zur Steuererklärung quälen. Doch zunächst einmal müssen sie sich auf einen Kurs und eine Führung einigen. Gar nicht so leicht: Ein Teil will den verhassten Trump mit maximaler Härte angehen (Impeachment!), einem anderem graut es davor, als zu radikal dazustehen.
  • Und Trump? Hat Macht verloren, will sich aus schrillen Demokraten aber liebend gern ein Feindbild schnitzen für den Wahlkampf 2020. Er sieht sich in seiner Kampagnenstrategie mit  Identitätspolitik und dem Bedienen von Überfremdungsängsten bestätigt. Damit konnte er in der Fläche punkten, dort wo in ganzen Staaten, nicht in kleinen Wahlkreisen, abgestimmt wurde: Also beim Senat oder den Gouverneurswahlen – so wie es auch bei der kommenden Präsidentschaftswahl sein wird. Wenn der Preis dafür ist, dass seine Partei dabei in den Vororten abschmiert, soll’s ihm recht sein.

Die Bühne für das große Drama 2020 ist also bereitet.

Und jetzt hätten ganz Washington und ich wirklich nichts gegen ein paar ruhigere Tage. Zum Glück macht sich der Präsident noch am Freitag auf den Weg nach Paris, die Musik spielt dann in Europa.

In der "Post aus Washington" berichtet unser Korrespondent von der Arbeit im Weißen Haus und seinen Eindrücken aus den USA. Gefällt Ihnen die Kolumne? Sie können sie hier auch als kostenlosen Newsletter abonnieren, der einmal pro Woche direkt in Ihr Postfach kommt.

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