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US-Wahlkampf: In diesen Vororten entscheiden sich die Midterm-Wahlen

Kampf um die Mehrheit  

Hier entscheiden sich die US-Wahlen

Von Fabian Reinbold, Sterling (Virginia)

06.11.2018, 15:33 Uhr
US-Wahlkampf: In diesen Vororten entscheiden sich die Midterm-Wahlen. Barack Obama beim Besuch des Wahlkampfbüros von Jennifer Wexton in Virginia (Quelle: AP/dpa/Jacquelyn Martin)

Barack Obama beim Besuch des Wahlkampfbüros von Jennifer Wexton in Virginia (Quelle: Jacquelyn Martin/AP/dpa)

Verliert Donald Trump seine Mehrheit im Parlament? Das wird in Amerikas Vorstädten entschieden. Ein Besuch zeigt, wie gespalten die Gemeinden sind.

200 US-Flaggen flattern im Wind, jede ist für einen amerikanischen Helden errichtet. Wir sind in Virginia, wo der Rotary-Club gerade Mitbürger ehrt, die für ihr Land gekämpft haben. Eine kleine Zeremonie zwischen Highway Nummer 7 und dem schicken Bungalow Lakehouse, wo man gleich speisen wird. Amerika findet in diesen Ritualen Einigkeit.

Doch nachdem der Treueschwur auf die Flagge abgehalten, ein 92-jähriger Veteran aus dem Zweiten Weltkrieg geehrt und gemeinsam gebetet wurde, bricht bei den unparteiischen Rotariern im Städtchen Sterling plötzlich Streit aus.

Lynne Ast, eine Frau im edlen Wollmantel, die gerade noch im Gebet an Gemeinsamkeit appelliert hatte, lobt Donald Trumps harsche Wahlkampfrhetorik gegen Flüchtlinge. "Wenn man sich die Bilder anschaut, ist das doch wirklich eine Invasion." Die Migranten würden im Land nur Chaos verursachen. Ihr Schatzmeister Frank Mullen schaltet sich ein, rückt seine Veteranenmütze zurecht. "Vergessen wir nicht, vor welchem Leid die Menschen fliehen." Er hält Trumps Gedröhne von einer "Flüchtlingskarawane" für Panikmache.

Bevor die Debatte weiter hochschaukelt, schlägt Ast vor, erst einmal Mittag zu essen.

Der Spaltpilz heißt Donald Trump: auch hier bei den unparteiischen Rotariern, auch hier im 10. Wahlbezirk von Virginia, einem der reichsten Amerikas. Auch hier, wo im Dunstkreis der Hauptstadt Washington eine der wichtigsten Fragen der US-Wahlen entschieden wird.

Die Demokraten müssen die Vorstädte gewinnen

Laut der Umfragen drehen sich die Midterm-Wahlen vor allem um eine Frage: Werden die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen und Trump damit die Parlamentsmehrheit entreißen? Das würde die Machtbalance in der US-Politik schlagartig verschieben.

Ob es so weit kommt, hängt von Orten wie Sterling ab. Denn vereinfacht gesagt ist es in Amerika so: Auf dem Land wählt man republikanisch, in der Stadt demokratisch. Im Zwischenraum, also in den Wahlkreisen der Vorstädte, wird die Mehrheit im Repräsentantenhaus entschieden.

Quer durchs Land, etwa in den Vororten Houstons, Atlantas oder Chicagos, gibt es sehr knappe Rennen. 23 Sitze müssen die Demokraten gewinnen, damit sie die Mehrheit drehen. Ohne die Vorstädte geht das nicht.

Trump bietet einen Angriffspunkt

Auch dort ist im Herbst 2018 die Spaltung des Landes förmlich zu greifen. Dabei waren die Vorstädte mit ihren akkurat geplanten Siedlungen lange Zeit konservative Bastionen. Doch Trumps Art vergrault viele Vorstadtbewohner, die einen Uni-Abschluss haben. Insbesondere bei den Frauen aus diesen Milieus hat es der Präsident schwer. Das eröffnet den Demokraten einen Angriffspunkt.

Und diesen nutzen sie auch in Virginias 10. Wahlbezirk, der von den Vorstädten Washingtons bis ins hügelige Farmland reicht. Den Leuten geht es gut, die Siedlungen tragen Namen wie Amberwoods (Bernsteinwälder), die Auffahrten vor den großen Häusern lassen Platz für zwei SUVs. Wer in Sterling und Umgebung lebt, arbeitet oft für die Regierung. Das CIA-Hauptquartier liegt hier, der Hauptstadtflughafen Dulles ebenso. Trump hat hier einen Golfplatz, an dem er am Wochenende gern ein paar Löcher schlägt.

Wähler Frank Mullen (mit Frau Susan): "Den Wahnsinn minimieren" (Quelle: t-online.de/Fabian Reinbold)Wähler Frank Mullen (mit Frau Susan): "Den Wahnsinn minimieren" (Quelle: Fabian Reinbold/t-online.de)

Das örtliche Rennen um den Sitz im Repräsentantenhaus läuft zwischen zwei Frauen. Für die Republikaner sitzt Barbara Comstock seit zwei Jahren im Parlament. Sie galt lange als moderate Republikanerin, setzte zuletzt aber immer mehr auf die scharfen Töne ihres Präsidenten. Zuletzt warnte sie vor der Migrantengang MS-13, wie es Trump auch gern tut. Doch das könnte sie das Mandat kosten.

Aus Comstock wird Trumpstock

Ihre Gegenkandidatin von den Demokraten heißt Jennifer Wexton und deren größter Trumpf ist ausgerechnet der Mann im Weißen Haus. Wextons Kampagne stellt Rivalin Comstock als Trumps Schwester im Geiste dar.

In einem Wahlwerbespot, der Abend für Abend im Fernsehen läuft, heißt es, Comstock habe in 98 Prozent der Abstimmungen im Repräsentantenhaus für die Positionen des Präsidenten gestimmt. Wextons Leute taufen Comstock deshalb in Trumpstock um.

Die Taktik geht auf: Lange war der Stimmbezirk erzkonservativ. In den Neunzigern stellten die Demokraten bei zwei Wahlen nicht einmal einen Kandidaten auf, der den republikanischen Dauersieger herausforderte. Doch der Vorsprung der Republikaner schmolz zuletzt von Wahl zu Wahl, auch weil mehr Einwanderer, etwa aus Indien, hinzugezogen sind.

Jetzt liegt die Demokratin Wexton vorn und zuletzt baute sie den Vorsprung sogar noch aus: Die letzte Erhebung sieht sie mit elf Prozentpunkten vorn. Am Montag unterstützte sie sogar Barack Obama noch mit einem Wahlkampfbesuch. Der Ex-Präsident weiß, was ein Sieg Wextons hier für Trump bedeuten könnte. Sein Nachfolger Trump hingegen meidet bei seinen Auftritten die Vorstädte.

Auch für die Wähler geht es dabei weniger um die Frauen auf dem Wahlzettel, sondern mehr um Trump. Rotary-Frau Ast sagt: "Ich stehe zu hundert Prozent hinter Trump, die Wahlen sind in erster Linie dazu da, um ihn zu unterstützen." Sie arbeitet als Maklerin, verkauft hier Luxusanwesen, ihr geht es gut, die Wirtschaft brummt. Sie merke aber auch, sagt sie, dass die Leute hier einen Wandel wollten.

Wahlziel: "Den Wahnsinn minimieren"

Rotary-Mann Mullen steht für diesen Wandel. Lange Zeit war er selbst Republikaner. Doch seine frühere Partei kümmere sich nur noch um die Reichen, sagt der 58-Jährige. Als Beispiel nennt er Trumps Steuerreform. Er selbst verdient als IT-Berater gut, glaubt aber nicht, von Trumps Reform zu profitieren. Die würde wiederum nur die Staatsschulden vergrößern.

Auch für ihn gehe es bei der Abstimmung weniger um Themen vor der Haustür, sondern um die große Politik im Weißen Haus. "Wir brauchen die Kontrolle im Repräsentantenhaus, um den Wahnsinn zu minimieren."

Beide kritisieren, dass es schwerer wird, über Politik zu reden. Mullen trifft manchmal auf Kollegen, die Trumps Behauptungen seiner Meinung nach einfach nachplappern. "Ich sage denen dann, dass es Bullshit ist. Aber überzeugen kann ich wohl niemanden."


Ast stöhnt, kürzlich erst habe ihre Nachbarin ihre Wahlwerbeschilder für die Republikanerin Comstock aus dem Vorgarten gerissen. Das gehe doch nicht.

"Die Linken sehen sich jetzt im Kampf ihres Lebens", sagt Lynne Ast. "Unsere Seite aber auch." Sie schaut auf die Flaggen im Wind, das Mahnmal für die gemeinsame Sache, und wird kurz etwas nachdenklich: "Nur in der Mitte steht niemand mehr."

Verwendete Quellen:

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