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Bild in der Krise: Das Personalkarussell dreht sich immer schneller


"Bild" tauscht Chefredaktion
Das Personalkarussell dreht sich immer schneller

Von t-online, dpa, mm

Aktualisiert am 17.03.2023Lesedauer: 3 Min.
Springer-Chef Döpfner (Archiv): In der Redaktion kommen Zweifel an seinen Personalentscheidungen auf.Vergrößern des BildesSpringer-Chef Döpfner (Archiv): In der Redaktion kommen Zweifel an seinen Personalentscheidungen auf. (Quelle: IMAGO/Chris Emil Janssen)
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Die "Bild" kommt nicht zur Ruhe: An der Spitze Deutschlands größter Boulevardzeitung steht eine Neuordnung an. Für viele kommt die Rochade überraschend.

Der Axel-Springer-Verlag stellt die gesamte Chefredaktion der "Bild"-Zeitung neu auf. Wie am Donnerstag bekannt wurde, müssen die bisherigen "Bild"-Chefs Johannes Boie, Alexandra Würzbach und Claus Strunz gehen. Für sie übernimmt mit Marion Horn eine im Haus gut bekannte Führungskraft. Es ist eine Personalrochade, die neben vielen Mitarbeitern wohl selbst die Chefredakteure überraschte.

Horn wird jetzt die dritte Chefredakteurin des Mediums innerhalb von drei Jahren. Doch warum müssen ihre Vorgänger gehen und wie stellt sich das Boulevardmedium jetzt auf? t-online hat die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie kam es zu dem Personalwechsel?

Am Donnerstag verkündete das Medienhaus, die Spitze der Boulevardzeitung verkleinern und neu ordnen zu wollen. "Den Vorsitz der Chefredaktionen der 'Bild'-Gruppe übernimmt mit sofortiger Wirkung Marion Horn", schrieb der Medienkonzern auf seiner Internetseite. Die drei derzeitigen Chefredakteure Johannes Boie, Alexandra Würzbach und Claus Strunz scheiden aus ihren bisherigen Rollen aus.

Boie hatte vor nicht einmal eineinhalb Jahren die Nachfolge des entlassenen Julian Reichelt als "Bild"-Chefredakteur angetreten. Würzbach war zuletzt für die "Bild am Sonntag" zuständig, Strunz für das "Bild"-Bewegtbildangebot.

Die Mitarbeiter hatten nach Informationen des Branchenportals "Medieninsider" am Donnerstagmittag in einem sogenannten "All Hands"-Meeting von der Personalie erfahren. Bei dem spontan anberaumten Treffen seien Boie, Würzbach und Strunz demnach schon nicht mehr dabei gewesen – dafür Berichten zufolge bereits Horn. In einer knappen Ansprache habe "Bild"-Geschäftsführer Claudius Senst über die Abberufungen informiert.

Wie reagiert die Redaktion?

Auch die drei Chefredakteure sollen bis zum Mittag nichts von der Rochade gewusst haben. Wie der "Spiegel" unter Berufung auf Vertraute berichtet, seien sie gegen 13.30 Uhr in die Vorstandsetage im 18. Stock gerufen worden. Die Neuaufstellung der Chefredaktion sei bis dahin ein streng geheimes Projekt gewesen. Springer-Chef Mathias Döpfner habe Boie, Würzbach und Strunz schließlich über ihre Abberufung informiert.

In der Redaktion hatte Boie, der im Oktober 2021 als Vorsitzender der Chefredaktion zur "Bild" kam und als Schützling Döpfners galt, demnach von Beginn an keinen leichten Stand. Boie war zuvor Büroleiter von Springer-Chef Döpfner und war anschließend Chefredakteur der "Welt am Sonntag" – aber er hatte keine Erfahrung mit Boulevardmedien. Die plötzliche Entlassung soll für viele Mitarbeiter dennoch überraschend gekommen sein. So hatte Döpfner in der am Donnerstag veröffentlichten Mitteilung nur wenige Worte für die entlassenen Chefredakteure übrig: Sie hätten "Bild" "über unterschiedliche Zeiträume maßgeblich geprägt", teilte Döpfner mit. "Für ihren Einsatz und ihre Leistungen danke ich ihnen sehr."

Unterstützer von Boie betonen dem "Spiegel" zufolge, der 39-Jährige habe Frauen gefördert, die unter seinem Vorgänger Julian Reichelt noch einen schweren Stand hatten. Anderen Redakteuren ist Boie damit wohl zu weit gegangen. In den Entlassungen sieht eine Springer-Mitarbeiterin eine neue Staffel in der "Seifenoper über den Verlag". Was aus den entlassenen Führungskräften wird, will der Verlag zu einem späteren Zeitpunkt bekannt geben.

Wer ist die neue "Bild"-Chefin?

Mit Marion Horn übernimmt nun eine erfahrene Boulevardjournalistin die "Bild"-Leitung. Mehr als 25 Jahre war Horn bereits für den Springer-Konzern tätig, ab Januar 2001 als Mitglied der "Bild"-Chefredaktion. Im Oktober 2013 übernahm sie als erste Frau die Leitung der "Bild am Sonntag".

Sechs Jahre später verließ sie Axel Springer auf eigenen Wunsch – wohl im Streit um neue, übergreifende Redaktionsstrukturen bei "Bild", wie es damals hieß. Nachfolgerin bei der "BamS" wurde Würzbach, bis dahin Stellvertreterin des damaligen Chefredakteurs Reichelt. Horn wechselte 2021 in ein Beratungsunternehmen.

"Bild"-Geschäftsführer Senst lobt die 57-Jährige nun als Journalistin mit "klarem Wertekompass, journalistischer Exzellenz, Führungsstärke und Leidenschaft für guten Boulevardjournalismus". Ab Mitte April soll der aktuelle "Focus"-Chef Robert Schneider gemeinsam mit Horn die Redaktion leiten.

Wie verhält sich Springer-Chef Döpfner?

Angesichts der überraschenden Abberufungen kommen nach Angaben des "Spiegel" in der Redaktion Zweifel an den Führungsqualitäten von Springer-Chef Döpfner auf. Eine Mitarbeiterin berichtet demnach von einer "neuen Qualität der Unberechenbarkeit". In den Personalentscheidungen der Konzernspitze sehen viele einen Schlingerkurs.

So wurde Ex-Chefredakteur Reichelt nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs zunächst freigestellt, durfte dann aber ein weiteres halbes Jahr in die "Bild"-Chefredaktion zurückkehren – nur um schließlich doch abberufen zu werden. Im Dezember hieß es zudem schon einmal, Strunz und Würzbach müssten gehen, ohne dass entsprechende Entlassungen folgten. Nun hat sich Döpfner doch von ihnen getrennt.

Verwendete Quellen
  • Pressemitteilung des Axel-Springer-Verlags vom 16.03.2023
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
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