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Das Mitgeschöpf im Fleischwerk

t-online, Lamya Kaddor

Aktualisiert am 08.12.2017Lesedauer: 3 Min.
Schlachthof in Süddeutschland: Tiere sind keine Sache, sondern Lebewesen, findet Kolumnistin Lamya Kaddor.
Schlachthof in Süddeutschland: Tiere sind keine Sache, sondern Lebewesen, findet Kolumnistin Lamya Kaddor. (Quelle: Ronald Wittek/dpa-bilder)
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Tiere sind Lebewesen und keine Sachen, findet Lamya Kaddor. Und lässt zum islamischen Opferfest kein Tier schlachten. Tierschutz ist eine Verpflichtung aller Religionen.

Zugegeben, diese Szene hat mich irritiert. Es steht der Landesbischof der Evangelischen Kirche in Baden, Jochen Cornelius-Bundschuh, mit einigen Menschen in weißen Kitteln mit Hygienehauben und Mundschutzen vor ausgebluteten Schweinehälften, die aufgereiht am Fleischerhaken hinter ihm hängen wie Wäschestücke an einer Leine. Dazu seine Aussage: "Wir haben tolle Eindrücke bekommen, vor allem, dass Tiere nicht als Sache, sondern als Mitgeschöpf behandelt werden."

Die Schriftstellerin und Tierrechtlerin Hilal Sezgin kommentierte das mit den Worten "allerfeinste Realsatire". In einem Leserbrief an die Badischen Neuesten Nachrichten, die über des Bischofs Besuch im Fleischwerk berichtet haben, schrieb sie: "Diese Ex-Lebewesen hinter dem Landesbischof hatten wenige Monate Leben in engen Hallen ohne freie Bewegung, ohne natürliches Familienverhalten und ohne Tageslicht. Dann wurden sie auf einen Transporter getrieben, per Elektrozange oder im CO2-Schacht betäubt und gewaltsam getötet."

"Qualitätsanspruch und geregelte Arbeitszeit"

Nun, Hilal Sezgin ist überzeugte Veganerin. Ich nicht. Ich bin nicht einmal Vegetarierin. Trotzdem brachte mich das zum Nachdenken. Hätte man nicht gerade von einem Landesbischof auch andere Töne über "Mitgeschöpfe" erwarten können? Ja, sogar müssen?

Wir waren nicht dabei, sondern lesen nur den Zeitungsartikel, aber der bezeugt, dass es bei dem Besuch offenbar vorwiegend um die Qualität des Fleisches, das Wohl der Mitarbeiter und den Verbraucherschutz ging: genaue Kennzeichnung der Tiere, ihrer Herkunft, ihres Futter, der Lieferketten und so weiter. Ein Fleischermeister des Betriebs wird vom Bischof gefragt, ob er gerne hier arbeite: "Aber Ja! Ich schätze die Vielfalt meiner Tätigkeiten, den Qualitätsanspruch und die geregelte Arbeitszeit."

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Das Wohl der Mitarbeiter und unseres als Verbraucher sind wichtige Themen. Keine Frage. Für ein Fleischwerk ist das möglicherweise auch ein angemessener Umgang mit dem Thema. Aber genau deshalb erwarte ich von einem Religionsvertreter, der dem Schlachten oder Zerlegen von Tieren beiwohnt, Aussagen darüber, wie sich Ethik hier ganz praktisch berücksichtigen ließe? Aussagen über einen würdigen Umgang mit der Kreatur? Über artgerechte Haltung? Quälerische Tiertransporte? Den Vorgang des Schlachtens?

"Wochenend-Vegetarier"

Als gläubige Muslimin stelle ich mir jedenfalls solche Fragen - seit langem. Schon als Kind musste ich live miterleben, wie zum islamischen Opferfest ein Tier geschächtet wurde. Spätestens seit dem spielen die Rechte von Tieren, deren Fleisch oder sonstige Produkte ich essen will, eine große Rolle für mich. Tiere sind tatsächlich keine Sache, sondern Lebewesen. Sie zu töten, erfordert im Industriezeitalter mehr als ein Nachdenken über das ökonomische Prinzip und Qualitätsstandards.

Ein Schwein kann nicht in einem Fabrikbetrieb würdevoll geschlachtet werden. Ein Lamm lässt sich nicht schonend schächten. Der deutsche Gesetzgeber genehmigt Schlachten nur nach Betäubung. Schächten ist somit nur mit Ausnahmegenehmigung möglich, und das ist gut so, auch wenn sich manche Muslime darüber aufregen.

Niemand soll den Menschen einen Verzicht auf Fleisch vorschreiben. Wir brauchen keinen Veggie-Day für alle. Aber wir könnten uns alle vornehmen, öfters mal auf Fleisch zu verzichten und dafür bereit zu sein, tiefer ins Portemonnaie zu greifen, vielleicht sogar direkt zum Bauern zu gehen, wenn wir doch Lust auf ein saftiges Steak haben. "Flexitarier", also "Teilzeit-Vegetarier" oder "Wochenend-Vegetarier", könnten wir alle werden, und damit die Massentierhaltung und die irren Tiertransporte auf Lkw, Zügen, Schiffen durch ganz Europa zumindest schwächen.

"Religiöses Weltbild ist keinen Pfifferling wert"

Ich versuche das. Ich verzichte zudem darauf, beim islamischen Opferfest tatsächlich ein Tier schlachten zu lassen. So konsequent zu sein, wie die Tierrechtlerin Hilal Sezgin, die übrigens auch Muslimin ist, schaffe ich nicht. Aber Botschaften in diese Richtung sollten insbesondere Geistliche, unabhängig von der Religion, thematisieren, wenn sie von unseren Mitgeschöpfen im Fleischwerk sprechen. "Wenn wir das schönreden, was mit Tieren in Mastställen und Schlachthöfen geschieht," meint Hilal Sezgin, "hat unser Schöpfungsverständnis anscheinend null ethische Konsequenzen. Unser religiöses Weltbild ist dann keinen Pfifferling wert."

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