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Reihenfolge der Corona-Lockerungen: "Die Politik begeht einen großen Fehler"

PRO & KONTRAFrage der Woche  

Lockerungen? "Die Politik begeht einen großen Fehler"

Von Nathalie Helene Rippich und Peter Schink

09.05.2020, 19:13 Uhr
Reihenfolge der Corona-Lockerungen: "Die Politik begeht einen großen Fehler". Take away? In den nächsten Wochen werden in den Bundesländern nach und nach auch die Restaurants und Cafés wieder öffnen. (Quelle: imago images/Geisser)

Take away? In den nächsten Wochen werden in den Bundesländern nach und nach auch die Restaurants und Cafés wieder öffnen. (Quelle: Geisser/imago images)

Restaurants öffnen. Läden auch. Und die Bundesliga nimmt den Spielbetrieb wieder auf. Doch es gelten weiter strikte Kontaktbeschränkungen. Ist die Reihenfolge der Lockerungen richtig?

Bund und Länder haben weitreichende Lockerungen in der Corona-Krise getroffen – und damit in Teilen der Gesellschaft, Politik und auch der Wissenschaft Unverständnis ausgelöst. Diverse Länder kündigten konkrete Termine für die Öffnung von Gaststätten oder Hotels an, nachdem bei der Konferenz vereinbart wurde, dass über eine schrittweise Öffnung der Gastronomie entschieden werden soll – vor dem Hintergrund des jeweiligen Infektionsgeschehens sowie landesspezifischer Besonderheiten.

Grundlage sollen gemeinsame Hygiene- und Abstandskonzepte der Fachministerkonferenzen sein.

Kontaktbeschränkungen bis Anfang Juni verlängert

Deutliche Lockerungen – und auf der anderen Seite haben Bund und Länder die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen bis zum 5. Juni verlängert – wenn auch mit der Entschärfung, dass sich Angehörige aus zwei Haushalten treffen dürfen. Nun steht die Frage im Raum: 

Ist die Reihenfolge der Lockerungen richtig?

Peter Schink

Stellvertretender Chefredakteur

Pro

Ja, denn persönliche Kontakte sind besonders problematisch

Am längsten wurde am Mittwoch im Kanzleramt über die Frage gestritten, wie weit die persönlichen Kontaktbeschränkungen gelockert werden können. Vor allem Angela Merkel hätte gern noch weniger persönlichen Kontakt zugelassen. Und tatsächlich sagen auch die Wissenschaftler: Die größte Ansteckungsgefahr lauert nicht im Supermarkt oder der Kirche. Dort kann man das Infektionsrisiko minimieren.

Die größte Gefahr für neue Corona-Infektionen sind – leider – persönliche Kontakte und große Menschenansammlungen. Je mehr Menschen zusammenkommen, desto höher ist das Infektionsrisiko. Und auch die Nachverfolgbarkeit von Infektionen wird schwieriger. Zudem: Wenn Sie infiziert wurden und sich zuvor Menschen aus vier Haushalten getroffen haben (wie in Sachsen-Anhalt möglich), müssen fünf Haushalte anschließend in Quarantäne.

So gesehen sind Lockerungen bei persönlichen Kontakten besonders problematisch. Deshalb ist die Zwei-Haushalte-Regel und Pflegeheim-Besuche schon ein Kompromiss. Er kalkuliert ein, dass es – statistisch gesehen – wieder mehr Infektionen geben wird.

Infektionsketten bleiben so aber nachvollziehbar, so lange die Fallzahlen insgesamt gering sind. Doch sobald die Zahlen wieder steigen, sind alle Kompromisse hinfällig. Einen Lockdown in verschiedenen Regionen gilt es unbedingt zu vermeiden.

Nathalie Rippich

Redakteurin Politik

Kontra

Nein, die Politik macht einen großen Fehler

Die Profis spielen Fußball, die Geschäfte verkaufen Kleidung und die Restaurants bedienen Gäste. All das – wenn auch nicht in herkömmlicher Form – haben wir wieder zurück. Doch was bringt es uns, wenn wir es nicht mit Freunden genießen können? Die Reihenfolge der Lockerungen ist falsch. Denn die Kontaktbeschränkungen bleiben größtenteils bestehen und führen damit alles andere ad absurdum.

Oder wie will uns die Politik erklären, dass ein Zweikampf beim Fußball möglich ist, ein Spaziergang an der frischen Luft mit vier Freunden aus unterschiedlichen Haushalten aber nicht?

Die Bevölkerung wird der Corona-Maßnahmen zunehmend überdrüssig. Eine Umfrage des Bundesinstituts für Risikobewertung zeigt, dass die Akzeptanz Ende April im Vergleich zum Vormonat gesunken ist. Die Lockerungen sind richtig. Auch, dass dabei an die Wirtschaft gedacht wird. Falsch ist aber, dass diese Maßnahmen vor dem Grundbedürfnis des Menschen nach Geselligkeit stehen.

Lockern Bund und Länder nicht rechtzeitig eben jene Einschränkungen, riskieren die Verantwortlichen, dass sich die Menschen heimlich treffen. Damit wäre auch das Argument der Angst vor einer zweiten Infektionswelle hinfällig. Mehr noch: Die Nachverfolgung der Infektionswege würde durch die Heimlichkeiten wieder schwieriger.

Wer hat recht?

Im neuen Format "Frage der Woche" kommentieren jeden Samstag Redakteure von t-online.de eines der politischen beziehungsweise gesellschaftspolitischen Topthemen der Woche.

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