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GlÀubige sind nicht das Hauptproblem

  • Lamya Kaddor
Von Lamya Kaddor

Aktualisiert am 01.04.2021Lesedauer: 5 Min.
FĂŒr t-online-kolumnisin Lamya Kaddor ist ReligionsausĂŒbung mit der BekĂ€mpfung der Corona-Pandemie vereinbar.
FĂŒr t-online-kolumnisin Lamya Kaddor ist ReligionsausĂŒbung mit der BekĂ€mpfung der Corona-Pandemie vereinbar. (Quelle: imago-images-bilder)
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Ostern steht an, Pessach hat bereits begonnen, der Ramadan folgt Mitte April. ReligionsausĂŒbung in der Coronakrise zu untersagen, ist tabu. Aber strengere Schutzmaßnahmen wĂ€ren nötig gewesen, meint unsere Kolumnistin Lamya Kaddor.

Religionen haben nicht unbedingt einen Lauf. Im Schatten von Radikalisierungen, Missbrauchsskandalen, homophoben und patriarchalen Tendenzen ziehen sie Kritik und Ablehnung gerade an wie Magneten. Corona setzt den Religionsgemeinschaften weiter zu. Sobald Infektionen in einem religiösen Kontext bekannt werden, löst das insbesondere in den sozialen Medien reihenweise Reaktionen aus – meist solche mit geiferndem Spott und triefendem Hass.

Pessach hat bereits begonnen, Ostern steht vor der TĂŒr, Ramadan wird in KĂŒrze beginnen – wir sind also mitten in einer religiösen Hauptsaison. Ein Fest fĂŒr alle, die hier Aktien im Spiel haben. Kaum war die Idee von der Osterruhe geboren, trendete auf Twitter das Schlagwort "Ramadan". Nutzerinnen und Nutzer streuten wieder einmal die Verschwörung, die Politik wolle Muslimen und Musliminnen schonen und die Infektionszahlen vor dem Beginn des Fastenmonats Mitte April so weit zurĂŒckbringen, damit dann keine EinschrĂ€nkungen mehr nötig seien.

Weil Islamisierung. Weil Schuldkomplex. Weil mit Christen und Christinnen könne man das ja machen und so. Das sind dabei die gĂ€ngigen ErzĂ€hlungen, und – so erstaunlich das ist – dieses absurde Theater funktioniert in gewissen Kreisen immer wieder aufs Neue.

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Der Unmut der Kirchen ist nachvollziehbar

Dabei muss man konstatieren, dass Religionsgemeinschaften offenbar keinen sonderlich großen Anteil am Infektionsgeschehen haben und sich in der Vergangenheit ĂŒberwiegend vernĂŒnftig verhalten haben. Als besondere Verursacher von Superspreader-Events wurden sie von den Behörden jedenfalls bisher nicht hervorgehoben. Im FrĂŒhjahr 2020 haben Kirchen, Moscheen und Synagogen in Deutschland die BeeintrĂ€chtigungen der Ostfeierlichkeiten, des Ramadans und des Pessachfests weitgehend widerspruchslos hingenommen.

Danach gab es lediglich vereinzelte Infektionsgeschehen. UnvernĂŒnftige gibt es halt immer und ĂŒberall. "Nach unseren Kenntnissen halten sich die Religionsgemeinschaften sehr genau an die Auflagen, und wir erleben hier einen besonders verantwortungsvollen Umgang auch mit den Hygiene- und Abstandsregelungen", sagte zum Beispiel die Referatsleiterin fĂŒr Gesundheit und Umwelt der Stadt MĂŒnchen, Stephanie Jacobs, dem Bayerischen Rundfunk.

Ähnlich Ă€ußerte sich die Stadt Frankfurt nach einem Corona-Ausbruch in einer Baptisten-Gemeinde mit 75 positiven SARS-CoV-2-FĂ€llen. Die Analyse des Geschehens habe keine lĂ€nger anhaltenden Auswirkungen auf die Fallzahlen in Hessen ergeben, hieß es. Auch Weihnachten ging weitgehend reibungslos ohne grĂ¶ĂŸere Infektionsgeschehen vorĂŒber. Genau genommen setzte sich nach den Festtagen das Absinken der Zahl an Neuinfektionen in der zweiten Coronawelle ohne nennenswerte Delle fort. Entsprechend nachvollziehbar war der Unmut der Kirchen auf den Appell der Bund-LĂ€nder-Konferenz, an Ostern nur virtuell Messen und Gottesdienste abzuhalten.

Religion als StĂŒtze im Leben – und in der Pandemie

FĂŒr viele Menschen mögen Religionen lĂ€cherlich und Gott bloß ein Hirngespinst sein. Das ist auch völlig in Ordnung so, finde ich. Niemand muss vom Gegenteil ĂŒberzeugt oder gar bekehrt werden, niemand darf herabgewĂŒrdigt, ausgegrenzt oder sogar bekĂ€mpft werden. FĂŒr andere Menschen ist Religion eine wichtige StĂŒtze im Leben, und das gilt es ebenso zu respektieren. Insbesondere Menschen, die sich allein fĂŒhlen oder Angst vor der Zukunft haben, finden in der Religion Trost und Orientierung. Deshalb ist es wichtig, gerade fĂŒr sie in teils existenziellen Krisen wie der Corona-Pandemie religiöse Angebote zu ermöglichen – insbesondere an Ostern, dem höchsten religiösen Fest der Christenheit.

Der Osterruhe-Appell von Bund und LĂ€ndern an die Kirchen zeugte somit wieder einmal von wenig GespĂŒr fĂŒr die Belange eines erheblichen Teils der Bevölkerung.

Erneut zeigt sich, dass sich eine Pandemie, je lĂ€nger sie dauert, nicht alleine nach Zahlenlage ĂŒberwinden lĂ€sst. Die wissenschaftliche Beratung der Politik muss breiter aufgestellt sein und neben Virologen und Virologinnen, Epidemiologen und Epidemiologinnen, Medizinern und Medizinerinnen andere Experten und Expertinnen einschließen. Zudem gehören die grundsĂ€tzlichen Entscheidungen in den Bundestag mit seinen vielfĂ€ltigen Perspektiven.

Das RKI stochert im Dunkeln

Sorge bereitet mir dennoch der Blick auf die Osterfeiertage und vor allem den anschließenden 30 Tage wĂ€hrenden Ramadan mit seinen ĂŒblicherweise allabendlichen Gemeinschaftsgebeten. Ich weiß nicht, ob die vielen Appelle, die Infektionsschutzregeln einzuhalten, tatsĂ€chlich ausreichend sein werden. Das Problem ist leider, dass es hierzu wie in so vielen anderen Bereichen kein ausreichend belastbares Zahlenmaterial gibt.

Das Robert-Koch-Institut hat in seiner Analyse zum Infektionsumfeld von erfassten COVID-19-AusbrĂŒchen in Deutschland vom vergangenen September fast 40 verschiedene Orte aufgefĂŒhrt: vom Privathaushalt ĂŒber Kaserne, Reha-Einrichtung, Schule, Uni, Verein bis zu Bus, Flugzeug und FĂ€hre. Kirchen, Moscheen oder sonstige GemeindehĂ€user tauchen nicht auf. In den Lageberichten des RKI zur Coronavirus-Krankheit heißt es wenig spezifisch, die hohen bundesweiten Fallzahlen wĂŒrden durch zumeist "diffuses Geschehen" unter anderem "ausgehend von religiösen Veranstaltungen" verursacht. GĂ€be es genauere empirische Daten, könnte man entsprechende Maßnahmen besser justieren. So bleibt mal wieder nur das Stochern im Dunkeln.

Was bleibt ist auf die Vernunft der GlÀubigen zu hoffen

Mehr als Appelle haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und MinisterprĂ€sidentinnen und -prĂ€sidenten nicht mehr im Köcher. Nach dem Abblasen der Osterruhe bleibt es bei den bereits bestehenden Regeln fĂŒr die DurchfĂŒhrungen von religiösen Veranstaltungen, neue Regelungen wurden nicht getroffen. Dabei wĂ€ren sie angesichts der jetzt dominanten ansteckenderen Coronavirus-Variante und der deshalb steigenden Infektionszahlen generell angezeigt gewesen –beispielsweise durch AusgangsbeschrĂ€nkungen.

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Die vielen Fehler und Defizite der Corona-Politik von Bund und LĂ€ndern in den vergangenen Monaten lassen jetzt einfach keine andere Wahl mehr, als eine VerschĂ€rfung der Corona-Schutzmaßnahmen durchzusetzen – ReligionsausĂŒbung ist da nicht ausgenommen. Eine erneute strikte Absage von religiösen Feiern ist zwar tabu, aber man hĂ€tte zum Beispiel eine striktere Begrenzung von Teilnehmerzahlen beschließen können.

Auch eine verpflichtende Teststrategie fĂŒr die DurchfĂŒhrung religiöser Veranstaltungen wĂ€re eine Option gewesen. Mobile Teststationen oder Schnelltests zum Selbstkostenpreis zur VerfĂŒgung stellen. Ob sich das nach Ostern noch mit Blick auf den Ramadan durchsetzen lĂ€sst, ohne WiderstĂ€nde wegen Stigmatisierungen zu provozieren, ist fraglich.

Ich wĂŒrde jedem raten, der sich in der Lage dazu fĂŒhlt, auch in diesem Jahr auf PrĂ€senzgottesdienste und PrĂ€senz-Gemeinschaftsgebete zu verzichten und stattdessen auf Online-, Radio- und TV-Angebote zurĂŒckzugreifen. Aktuell können wir wohl nur auf die Vernunft der Gemeindeverantwortlichen und die der GlĂ€ubigen setzen. Das ist jedoch ein Spannungsbogen, auf den ich angesichts der vielen anderen Herausforderungen in dieser Krise gerne verzichtet hĂ€tte.

Mehr Kolumnen von Lamya Kaddor lesen Sie hier.

Lamya Kaddor ist Islamwissenschaftlerin, ReligionspĂ€dagogin, Publizistin und GrĂŒnderin des Liberal Islamischen Bunds e.V. (LIB). Derzeit leitet sie ein Forschungsprojekt an der UniversitĂ€t Duisburg-Essen. Ihr aktuelles Buch heißt "Die Sache mit der Bratwurst. Mein etwas anderes deutsches Leben" und ist bei Piper erschienen. Sie können unserer Kolumnistin auch auf Facebook oder Twitter folgen.

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