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Forscher über Korallenbleiche: "Wir haben in unsere Tauchermasken geweint"


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"Wir haben in unsere Tauchermasken geweint"

Von afp, t-online
Aktualisiert am 04.01.2023Lesedauer: 2 Min.
Vom Klimawandel bedrohte Korallenriffe sind eine wichtige Nahrungsquelle für Falterfische. (Symbolbild)
Falterfisch (Symbolbild): Vom Klimawandel bedrohte Korallenriffe sind eine wichtige Nahrungsquelle für die Fischart. (Quelle: Scherf/imago images)
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Das Korallensterben führt zu Konkurrenzkämpfen unter Fischen. Wissenschaftler zeigen sich schockiert über ein neues Studienergebnis.

Ein Forschungsteam hat untersucht, wie sich eine Korallenbleiche auf Falterfische auswirkt. Die Wissenschaftler beobachteten die Tiere vor und nach der Bleiche. Das Ergebnis: Der Nahrungsverlust durch massenhaftes Korallensterben führt zu "unnötigen" Kämpfen zwischen den Fischen und könnte ein Artensterben zur Folge haben.

Der Anstieg der Meerestemperatur als Folge der Erderhitzung führt zur Korallenbleiche. Das Phänomen bezeichnet ein Verblassen der Steinkorallen: Bei zu hohen Wassertemperaturen stoßen die Nesseltiere die für die Färbung sorgenden Algen ab, mit denen sie sonst in einer Gemeinschaft zu gegenseitigem Nutzen leben.

Falterfische ernähren sich unter anderem von Korallen. Daher nehme die Nahrungsquelle der Fische schnell ab, sagte Sally Keith, Meeresbiologin an der britischen Lancaster University. Sie ist Hauptautorin einer Studie, die am Mittwoch im Fachblatt "Proceedings of the Royal Society B" veröffentlicht wurde. Die Konkurrenz um Nahrung raubt den Tieren wertvolle Energie und gefährdet möglicherweise ihr Überleben.

Zustand der Korallenriffe schockiert Wissenschaftler

Keith zufolge waren besonders Acropora-Korallen von der Bleiche betroffen, die Hauptnahrungsquelle für Falterfische. Dies habe die Situation bei der Nahrungssuche verändert und die Falterfische in verstärkte Konkurrenz um andere Korallenarten gebracht.

Die Forschenden seien "schockiert" über den Zustand der Korallenriffe nach der Bleiche gewesen: Die Fische seien herumgeschwommen auf der Suche nach Nahrung, die "einfach nicht mehr da war", sagte Keith. "Wir haben in unsere Tauchermasken geweint", schilderte sie.

Viele "unnötige Angriffe"

Wenn ein Falterfisch signalisieren will, dass ein Korallenstück ihm gehört, richtet er seine Nase nach unten und hebt die Rückenflosse. "Es ist fast so, als würde man die Nackenhaare aufstellen", beschrieb Keith. Wenn das nicht reicht um den Konkurrenten zu vertreiben, jagt ein Fisch den anderen, bis dieser aufgibt – und das mitunter über eine lange Strecke. "Ich habe einmal einen über 50 Meter verfolgt, das war ziemlich anstrengend, sie sind sehr schnell", sagte die Biologin.

Vor der Korallenbleiche konnten die verschiedenen Arten von Falterfischen rund 28 Prozent der Streitfälle mithilfe ihrer Signale klären. Nach der Bleiche sank der Anteil auf zehn Prozent. Das deute auf viele "unnötige Angriffe" hin, heißt es in der Studie.

99 Prozent der Korallenriffe weltweit bedroht

"Fehlentscheidungen darüber, gegen wen sie kämpfen und worein sie ihre wirklich wertvolle Energie investieren, könnten den Ausschlag dafür geben, dass sie letztlich verhungern", sagte Keith über die Falterfische. Nach Angaben der Wissenschaftler ist offen, ob sich die Fische schnell genug an die durch die Korallenbleiche ausgelösten Veränderungen anpassen können.

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Modellrechnungen zum Klimawandel hatten im vergangenen Jahr ergeben, dass sich selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens, das die Begrenzung der Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter vorsieht, 99 Prozent der Korallenriffe weltweit nicht erholen könnten. Dass das 1,5-Grad-Ziel erreicht wird, wird jedoch zunehmend unwahrscheinlich. Bei einer Erderwärmung von zwei Grad wären es sogar 100 Prozent der Korallenriffe.

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Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur AFP
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