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Klimakrise: Deutschland verliert weltweit das meiste Wasser


Klimakrise: Deutschland verliert weltweit am meisten Wasser

Von dpa, Reuters
28.11.2023Lesedauer: 3 Min.
Sandsturm in Mecklenburg-Vorpommern Mitte April: Vor allem der Osten Deutschlands ist noch immer von Dürre betroffen.Vergrößern des BildesSandsturm in Mecklenburg-Vorpommern (Archivbild): Besonders im Osten Deutschlands herrscht immer noch Dürre. (Quelle: BildFunkMV/imago images)
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Deutschland verliert so viel Wasser wie kein anderes Land auf der Welt. Das könnte uns teuer zu stehen kommen.

Die Folgen der Klimakrise in Deutschland verschärfen sich einem neuen Bericht des Umweltbundesamts (UBA) zufolge weiter. Demnach gehört Deutschland zu einer der Regionen mit dem höchsten Wasserverlust weltweit. Die Bundesrepublik verliere pro Jahr 2,5 Kubikkilometer Wasser, sagte Umweltministerin Steffi Lemke (Grüne) bei der Vorstellung des Berichts am Dienstag in Berlin. "Das ist eine unvorstellbar große Summe, die unsere Ökosysteme belastet, die sich auch auf die Trinkwasserversorgung vor allem in Zukunft auswirken kann."

"Die Schmerzgrenze des Planeten ist erreicht", sagte Lemke kurz vor Beginn des jährlichen Weltklimagipfels in Dubai. Dort wird darum gerungen, die weltweite Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit vor gut 150 Jahren zu begrenzen. "Die Klimakrise zwingt uns zum Handeln", betonte die Grünen-Politikern. Das gelte trotz der Debatte über den Bundeshaushalt. Der Klimaschutz und das damit verbundene Artensterben machten deswegen nicht halt. Lemkes "Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz" sollte eigentlich bis 2026 mit vier Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) finanziert werden, die jetzt infrage stehen.

"Das ganze Ökosystem ist betroffen"

UBA-Präsident Dirk Messner ergänzte, wenn man dies über 20 Jahre hochrechne, sei es die Menge Wasser, die heutzutage der Bodensee umfasse. Zwar sei die Verfügbarkeit an Wasser im Vergleich zu südeuropäischen Ländern besser, doch relativ an der Wassermenge gesehen, würde Deutschland weltweit am schnellsten und meisten Wasser verlieren. Laut UBA liegt das unter anderem daran, dass Deutschland eine Infrastruktur gebaut hat, in der viel Wasser abfließt – beispielsweise durch Entwässerungsgräben in der Landwirtschaft und Kanalisation in den Städten und wenig Versickerungsfläche.

"Und wenn das Land Wasser verliert, sind damit die gesamten Ökosysteme betroffen." So gebe es beispielsweise verheerende Folgen für die Landwirtschaft. "Landwirtschaft und Wasser sind aufs Engste miteinander verbunden", sagte Messner. "Der Wasserverlust, den wir hier erleben, schlägt sich ökonomisch in der Landwirtschaft nieder und hat was mit der Ernährung für uns als Menschen zu tun." So hätten 2018 – in einem Hitzesommer – die Winterweizenerträge 15 Prozent niedriger als im normalen Jahr gelegen.

Auch der Zustand der Wälder sei mit Blick auf die Trockenheit dramatisch. "80 Prozent der Bäume in unseren Wäldern sind beschädigt und wir haben im Jahr 2020 gesehen, dass 20-mal so viele Fichten abgestorben sind wie in den vorangegangenen zehn Jahren", sagte Messner.

Die Kosten für Wasserverlust sind immens

Und all diese Schäden sorgen für Kosten: "Alleine 80 Milliarden Euro seit 2018 und die wirtschaftlichen Folgekosten bis zur Mitte des Jahrhunderts werden je nach Ausprägung der Klimakrise auf mehrere 100 Milliarden Euro geschätzt", sagte Lemke. Klimaanpassung und Vorsorge seien hingegen preiswerter als das Beseitigen der Schäden. Deshalb sei es wichtig, dass in der Breite der Gesellschaft verstanden werde, dass Klimaanpassung genauso notwendig und gut sei wie Klimaschutz.

Ein Teil davon fielen auf Landwirtschaft und Wälder, die unter Dürreperioden litten. Allein im Hitzejahr 2020 seien 20-mal so viele Fichten abgestorben wie in den zehn Jahren zuvor zusammen. Der Hering in den deutschen Küstengewässern drohe asuzusterben. Ohne Böden, Landwirtschaft und Wasser könne man nicht existieren, betonte Messner. "Darüber hinaus sind aber die Ökosysteme zugleich für den Kampf gegen den Klimawandel selbst von herausragender Bedeutung."

Großstädte sind besonders betroffen

Von der Hitze und der steigenden Zahl an Hitzetoten seien zum Beispiel Großstädte besonders betroffen. Hier seien die Temperaturen teilweise um zehn Grad höher als im Umland, sagte Messner. Mit guter Städteplanung, dem Verzicht auf Flächenversiegelung könne man dem günstig entgegenwirken. Die sogenannte Schwammstadt mit Wasserspeicher und mehr Grün helfe dabei. Dies kühle, verbessere die Luft, erhöhe die Artenvielfalt und mache die Städte insgesamt lebenswerter. Es sei zudem kostengünstig. "Wir können das alles umsetzen", sagte Messner.

Bei Klimaanpassung geht es darum, sich auf Veränderungen wie Dürren oder Überflutungen besser vorzubereiten beziehungsweise davor zu schützen. Beispielsweise können Hitzeschutzpläne für Krankenhäuser entwickelt oder Städte so gebaut werden, dass sie mehr Regenwasser speichern.

Der Monitoringbericht zur "Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel" berichtet über Klimafolgen und Anpassung. Er erscheint alle vier Jahre.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
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