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Corona-Pandemie mit Folgen – Tierheim: "Illegaler Welpenhandel nimmt zu"

Folgen der Corona-Pandemie  

Tierheim: "Illegaler Welpenhandel nimmt zu"

Von Josephin Hartwig

02.07.2020, 16:00 Uhr
Corona-Pandemie mit Folgen – Tierheim: "Illegaler Welpenhandel nimmt zu". Familie mit Mundschutz hält Welpen auf dem Arm: In der Corona-Pandemie seit März sind mehr Tiere aus dem Tierheim Berlin vermittelt worden. (Symbolbild) (Quelle: imago images/ ZUMA Wire)

Familie mit Mundschutz hält Welpen auf dem Arm: In der Corona-Pandemie seit März sind mehr Tiere aus dem Tierheim Berlin vermittelt worden. (Symbolbild) (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Die Nachfrage in den Tierheimen ist bundesweit trotz Corona-Krise hoch. Doch nicht jeder bekommt sein Wunschtier. Das ruft illegale Händler auf den Plan.

Wenn Annette Rost vom Tierheim Berlin an die vergangenen Monate denkt, dann ist ihr Blick auf die Entwicklung positiv. Denn durch die Corona-Pandemie ist die Nachfrage für Haustiere, die ein neues Zuhause suchen, gestiegen. Das bestätigt auch Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. "Es ist ein bundesweites Phänomen", sagt Schmitz.

Unseriöse Händler im Internet

Vor allem Hundewelpen sind dabei beliebt. "Züchter werden von der Nachfrage nahezu überrannt", sagt Annette Rost vom Tierheim Berlin. Das habe allerdings auch eine sehr negative Folge. "Der illegale Welpenhandel nimmt zu." Finden Suchende im Tierheim oder beim Züchter nicht den richtigen Hund, werde im Internet gesucht. Doch da gebe es, wie etwa bei "Ebay-Kleinanzeigen", auch unseriöse Händler. "Man muss höllisch aufpassen, dass man nicht illegal kauft", erklärt sie. Hinweise darauf seien etwa verdächtige Übergabeorte, wie auf einem Parkplatz oder ähnlichem.

Auch das Muttertier solle man sich unbedingt anschauen. Die Welpen seien häufig zu früh zur Abgabe eingestellt, seien nicht entwurmt oder geimpft. "Die Prägephase entfällt bei diesen Hunden, die zu früh abgegeben werden. Sie haben häufig Auffälligkeiten in ihrem Sozialverhalten." Die Sterberate eines Welpen aufgrund von Krankheiten sei hoch und damit auch der finanzielle Aufwand. Rost erklärt, laut Berliner Hundegesetz müsse man sich beim Kauf eines Hundes, der noch kein Jahr alt ist, eine Kopie des Sachkundenachweises vom Verkäufer geben lassen. Zudem könne auch die Suche nach dem Namen des Züchters im Internet Aufschluss über die Seriosität geben.

Derzeit gebe es laufende Ermittlungen zu einem Züchter in Brandenburg. "Man weiß ja auch nicht, woher die Welpen tatsächlich kommen. Da wird dann ein ganz anderes Muttertier gezeigt, das überhaupt keine Welpen geworfen hat", erklärt Annette Rost. Schon der Kauf eines solchen Tieres führe dazu, dass noch mehr Tiere sehr leiden. Denn die Nachzucht laufe weiter, sobald es geht.

Persönliche Vermittlungstermine in Tierheim

Mitte März schloss das Tierheim Berlin wegen der verordneten Kontaktbeschränkungen seine Türen für Besucher. Seitdem sind nur noch persönliche Vermittlungstermine möglich. "Wir haben alle Tiere ins Internet gestellt", erklärt Rost. Wer sich für ein Tier interessiert, könne direkt einen Termin vereinbaren und mit dem Pfleger in einem der Außenbereiche der Einrichtung sprechen.

"Die Vermittlung ist fast so gut wie im Vorjahr und das ist, wenn man die Corona-Pandemie bedenkt, ein wirklich hervorragendes Ergebnis." Das Tierheim nutze etwa auch die Social-Media-Plattform TikTok, über die erst vor kurzem eine einäugige Hundedame namens Püppi ein neues Zuhause fand. Dass Menschen sich in Zeiten der Pandemie ein Tier anschaffen, hält Annette Rost für ein "tolles Zeichen für unsere Gesellschaft". Ein Haustier könne in schwierigen Zeiten viel zum Wohlbefinden beitragen.

Abgabe von Tieren gesunken

Das Tierheim Berlin verzeichnet zudem einen weiteren guten Wert: 30 Prozent weniger Tiere seien im Vergleich zum Vorjahreszeitraum abgegeben worden. "Das liegt sicher auch daran, dass viele Menschen mehr Zeit zu Hause verbracht haben und bemerkt haben, wie schön es mit einem Tier ist", vermutet Rost. Auch die Abgaben von Tieren kurz vor den Osterferien seien weniger gewesen als erwartet. Mit Beginn der Sommerferien rechnet Rost nicht unbedingt mit einem erneuten Anstieg. Da viele Urlaube ausgefallen seien und auch die Stigmatisierung, ein Haustier auszusetzen oder wegen einer Reise abzugeben, in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe, schätzt sie die Gefahr geringer ein.

"Diese Entwicklung beobachten wir auch bundesweit", erklärt Lea Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund. Der Rückgang sei auch bei Fundtieren zu spüren. Schmitz vermutet, dass das auch damit zusammenhängt, dass weniger Menschen zur Zeit der Kontaktbeschränkungen unterwegs waren und folglich auch weniger umherstreunende Tiere entdeckt haben.


Laut Deutschem Tierschutzbund ist die Wertschätzung für ein Haustier in der Corona-Pandemie gestiegen. "Weil man mehr zu Hause war und die Gesellschaft mehr geschätzt hat." Das könne sich allerdings auch wieder regulieren.

"Die Tricks werden immer raffinierter"

Es gebe so viele Anfragen, dass befreundete Tierheime auch mal Katzen und Hunde tauschen, wenn es in einem der Heime zu wenige Tiere einer Art gibt. Doch Schmitz warnt auch: "Es kann zu einer Rückgabewelle kommen." Etwa bei Haustieren, die unüberlegt angeschafft oder eben illegal gekauft wurden. Deshalb empfiehlt Schmitz, nicht "vorschnell zuzugreifen, nur weil man ein süßes Foto sieht." Beim Kauf solle man nach Referenzen des Züchters fragen oder auch die Meinung eines Tierschutzvereins oder Tierarztes einholen. Denn: "Die Tricks von illegalen Händlern werden immer raffinierter."

Ein positiver Aspekt der Corona-Pandemie könne eine langfristige Umstrukturierung in den Tierheimen sein. "Viele Tierheime überlegen, die persönliche Terminvergabe beizubehalten. Es ist viel ruhiger für die Tiere, wenn nicht ständig Besucher kommen", erklärt Schmitz. Zudem würden durch einen verbindlichen Termin auch nur jene kommen, die sich tatsächlich für ein bestimmtes Tier interessieren.

Verwendete Quellen:

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