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"Brandbeschleuniger Corona": Droht einer Milliarde Menschen der Hunger?

Folgen von Corona  

Hungern bald eine Milliarde Menschen?

07.07.2020, 20:13 Uhr | von Carsten Hoffmann , dpa

Beängstigende Zahlen: Corona-Krise sorgt für mehr Hunger auf der Welt

Die Corona-Krise verstärkt derzeit bereits bestehende Krisen in ärmeren Ländern. Bald könnte es auch dadurch eine Milliarde Hungernde auf der Welt geben. (Quelle: Reuters)

Bestehende Krisen verschärfen sich: Die Corona-Krise könnte dafür sorgen, dass bald eine Milliarde Menschen Hunger leidet. (Quelle: Reuters)


Die Corona-Krise hat die ganze Welt fest im Griff. Besonders die Länder des Südens leiden – und bereits bestehende Krisen werden verstärkt. Am schlimmsten sind die Folgen für die Ärmsten. 

Die Welthungerhilfe hat davor gewarnt, dass die Zahl der Hungernden in der Welt als Folge der Corona-Pandemie auf eine Milliarde ansteigen könnte. Die Infektionswellen verstärkten Auswirkungen von Klimawandel und Kriegen als größte "Hungertreiber", warnte die Organisation am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2019. Nötig seien schnelle Nothilfe, aber auch verstärkte Investitionen in Landwirtschaft und bestehende Hilfsprojekte. Gewarnt wird vor dem Aufbau von Parallelstrukturen, die später zusammenbrechen könnten.

Präsidentin der Welthungerhilfe besorgt 

"Jetzt schlägt die Pandemie in den Ländern des Südens mit voller Wucht zu. Viele Menschen erkranken an Covid-19, viele verlieren ihre Arbeit, die Wirtschaft bricht dramatisch ein, Nahrungsmittelpreise steigen und Gesundheitssysteme sind überfordert", erklärte Marlehn Thieme, Präsidentin der Organisation. "Internationale Solidarität ist jetzt wichtiger denn je. Wir brauchen mehr langfristige Unterstützung für die Anstrengungen der Menschen im Süden."

Die Präsidentin der Welhungerhilfe, Marlehn Thieme, warnt vor den Folgen von Klimawandel und weltweiten Kriegen, die durch die Corona-Pandemie noch weiter verstärkt werden. (Quelle: imago images/Hoffmann)Die Präsidentin der Welhungerhilfe, Marlehn Thieme, warnt vor den Folgen von Klimawandel und weltweiten Kriegen, die durch die Corona-Pandemie noch weiter verstärkt werden. (Quelle: Hoffmann/imago images)

Sie sprach von "horrenden Zahlen" und verwies auf Erwartungen der Weltbank, wonach bis Ende des Jahres 70 bis 100 Millionen Menschen in extreme Armut gedrängt werden könnten. Auch drohe ein Einbruch von Direktinvestitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern.

"Die Corona-Pandemie funktioniert wie ein Brandbeschleuniger" 

Die Zahl der vom Hungertod bedrohten Menschen könne sich bis Ende des Jahres auf 270 Millionen Menschen verdoppeln, sagte Thieme. Sie warnte vor diesem Hintergrund davor, einen "Lockdown" – weitgehende Einschränkungen für das öffentliche Leben und damit auch wirtschaftliche Aktivitäten – als Allheilmittel zu betrachten und Kollateralschäden zu unterschätzen.

"Die Corona-Pandemie funktioniert wie ein Brandbeschleuniger für ohnehin schon bestehende Krisen. In der Folge droht die Zahl der Hungernden auch aufgrund des Klimawandels und der weltweiten Kriege auf eine Milliarde zu steigen", so Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. "Die Vielzahl der Krisen könnte ein Ausmaß annehmen, wie wir es bisher noch nie erlebt haben. Afrika südlich der Sahara wird darunter besonders leiden."

Ernährungssysteme viele Länder gefährdet 

Mogge sagte, oft sei zu hören: "Wir werden eher an Hunger sterben als an Corona." Er nannte als Beispiel die Lage in Simbabwe, wo sich die Zahl von Menschen in extremer Armut auf sechs Millionen Menschen verdoppelt habe. Die Summe der sogenannten Rücküberweisungen – mit denen Migranten ihre Familie in der Heimat mit Geld unterstützen – sei von 40 Millionen auf 20 Millionen Euro gesunken. In anderen Staaten sei das ganze Ernährungssystem akut gefährdet: Es fehle Saatgut, Felder würden nicht bestellt, Kredite nicht mehr bedient.

Im Jahr 2019 standen der Welthungerhilfe nach eigenen Angaben 249,7 Millionen Euro im Kampf gegen Hunger und Armut zur Verfügung. Die Spendeneinnahmen lagen demnach bei 56,6 Millionen Euro – ein Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Die öffentlichen Geber stellten 189,5 Millionen Euro für die Projektarbeit bereit. Der Anteil der Bundesregierung betrug mehr als 40 Prozent, der größte Einzelgeber davon war das Bundesentwicklungsministerium mit 37,1 Millionen Euro. Die höchste Projektförderung erhielt Südsudan mit 40,6 Millionen Euro gefolgt von Sudan (19,9) und dem Krisengebiet Syrien/Türkei (18,9).

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa 

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