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Corona in Deutschland: "Kinder verwahrlosen wenn das noch weiter so geht"

t-online-Leser zu Schulöffnungen  

"Die Kinder verwahrlosen, wenn das noch weiter so geht"

22.02.2021, 09:45 Uhr
Corona in Deutschland: "Kinder verwahrlosen wenn das noch weiter so geht". Schüler im Klassenzimmer (Quelle: Charlotte Janus/Eibner)

Schüler im Klassenzimmer: Die Länder wollen die Schulen nach und nach wieder öffnen. (Quelle: Eibner/Charlotte Janus)

Es geht zurück in die Schule. Jedenfalls für viele Grundschüler. Und auch Abschlussklassen dürfen wieder zum Präsenzunterricht erscheinen. Die Eltern unter den t-online-Lesern finden das keineswegs alle gut.

Nach langer Pause vom Präsenzunterricht öffnen die Schulen in Deutschland nach und nach wieder. Ursprünglich war von Bund und Ländern Anfang März als Zeitpunkt angedacht. Doch viele Bundesländer haben sich nun für einen früheren Schulstart bereits am 22. Februar entschieden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich zunächst kritisch zur geplanten Öffnung von Schulen und Kitas geäußert und diese als einen gewagten Schritt bezeichnet. 

Viele Eltern stehen seit Beginn der Corona-Pandemie unter einer ständigen Dauerbelastung. Für lange Phasen mussten sie sich neben Erwerbsarbeit und Haushalt auch noch um das Homeschooling ihrer Kinder bemühen. Sind Sie nun erleichtert, dass es endlich zurück in den Unterricht gehen kann, oder überwiegt die Sorge um die Gesundheit Ihrer Kinder und der gesamten Familie durch eine steigende Zahl an Kontakten? Diese Frage haben wir den Eltern unter den Leserinnen und Lesern von t-online gestellt. Es zeigt sich: Das Thema ist unter ihnen sehr umstritten. Das sind ihre Antworten: 

t-online-Leserin Anja Berkenheide: "Ein Hin und Her ist viel schlimmer für unseren Sohn als jetzt Zähne zusammenbeißen und noch etwas durchhalten"

"Jetzt sind alle irgendwie an den Distanzunterricht gewöhnt. Es hat sich eingespielt. Wenn jetzt für eine gewisse Zeit Wechselunterricht kommt, dann wieder Ferien, dann vielleicht aufgrund der Mutationen wieder Distanzlernen, macht das die Kinder und auch die Eltern kaputt. Die Ängste vor dem Einfluss auf das soziale Verhalten der Kinder und auch die erhoffte Entlastung der Eltern sind mehr als nachvollziehbar. Ich kann es kaum erwarten, wieder regelmäßigen Schulunterricht für meinen Sohn zu haben, aber nicht um jeden Preis. Die ständigen Änderungen erachte ich als wesentlich schlimmer.

Sollte ein weiterer Lockdown kommen, wie soll der bewerkstelligt werden? Dann lieber jetzt noch vier bis sechs Wochen durchhalten und verlängerte Osterferien einführen. Danach kann die Schule dann wieder starten: mit klaren Strukturen, dem fortgeschrittenem Impfstatus und ohne die Gefahr, einen dritten Lockdown zu verursachen. Der wäre für viele Eltern nicht mehr praktikabel, da alle Möglichkeiten jetzt schon mehr als ausgeschöpft sind, wie beispielsweise durch Krankheitstage für die Kinder und Krankschreiben der Eltern. Nicht jeder kann sich unbezahlten Urlaub leisten. Sollte es in solchen Familien im weiteren Verlauf des Jahres zu Krankheiten oder Unfällen kommen, was dann? Es ist ja schon alles für den Lockdown geopfert worden.

Unser Sohn hat auch gravierende Probleme durch die Isolierung seit Mitte Dezember. Keine Geschwister, Kontaktverbote, er ist seitdem allein. Aber ein Hin und Her ist viel schlimmer für ihn als jetzt die Zähne zusammenzubeißen und noch etwas durchzuhalten, danach aber wieder alles langsam anlaufen zu lassen."

t-online-Leser Jörg S.: "Die sozialen Aspekte dürften eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung unserer Kinder spielen"

"Ich persönlich halte die Schulöffnung besonders für die Erst- und Zweitklässer für dringend notwendig. Mein siebenjähriger Sohn ist sehr verunsichert, nachdem er zweieinhalb Monate in der ersten Klasse Schule hatte, anschließend Notbetreuung und Homeschooling. Das schaffen diese kleinen Menschen doch nicht auf Dauer. Obwohl ich selbst Risikopatient bin, sehe ich keine Alternative. Ein entscheidender Vorteil sind die jetzt halbierten Klassen, die relativ übersichtlich sind. Eine Fiebermessung vor Unterrichtsbeginn und Schnelltests könnten helfen, das Infektionsrisiko auf ein Minimum zu reduzieren. Die sozialen Aspekte dürften eine entscheidende Rolle für die Weiterentwicklung unserer Kinder spielen!"

t-online-Leserin Debora Schereik: "Ich vermeide jeden unnötigen Kontakt und wünsche mir das auch von meinen Mitmenschen"

"Ich bin Asthmatikerin und habe bis kurz vor Weihnachten jeden Tag Angst gehabt, dass meine Kinder mir das Virus mit nach Hause schleppen. Sie gehen in die 5. Klasse der Gesamtschule und aufs Berufskolleg. Vor allem war ich auch deshalb besorgt, weil meine betagten Eltern (80 Jahre) mit uns in einem Haus wohnen. Das Problem sind ja nicht nur die Kontakte von mehreren Hundert Schülerinnen und Schülern von morgens bis nachmittags, es geht ja auch um die Fahrt in Bahn und Bus. Wenn ich sie von der Haltestelle abgeholt habe, konnte ich selbst sehen, wie voll der Bus ist. Abstandhalten ist da unmöglich!

Ich vermeide jeden unnötigen Kontakt und wünsche mir das auch von meinen Mitmenschen. Meine Kinder sollten nicht gezwungen werden, sich dem Virus jeden Tag auszusetzen. Beide machen Homeschooling und kommen damit bestens zurecht. Natürlich verstehe ich auch die Eltern, die unter der momentanen Situation leiden und gerne ihre Kinder wieder in die Schule schicken würden. Warum gibt es da nicht Möglichkeiten, Präsenzunterricht mit Homeschooling zu verbinden? Und für Klassenarbeiten, Klausuren etc. lassen sich bestimmt entspannte Wechselmodelle finden." 

t-online-Leserin Christina Netten: "Wir sind eine 6-köpfige Familie, beide Elternteile arbeiten, und wir bekommen den Spagat auch irgendwie hin" 

"Ich bin absolut gegen die Öffnung der Schulen und kann es in keiner Weise nachvollziehen. Gerade jetzt, wo das Risiko der Mutationen nicht abschätzbar ist. Seit Monaten halten wir unsere Kinder zu Hause und predigen Abstand. Statt jetzt noch ein paar Wochen durchzuhalten, müssen wir für ein paar Schulstunden ein viel höheres Risiko eingehen. Wir sind eine 6-köpfige Familie, beide Elternteile arbeiten, und wir bekommen den Spagat auch irgendwie hin und wären bereit, diesen wenigstens noch ein paar Wochen konsequent weiter zu vollbringen.

t-online-Leserin Barbara Schreyer: "Die Kinder verwahrlosen, wenn das noch weiter so geht"

"Ich habe eine zwölfjährige Tochter, die jetzt schon seit Wochen zu Hause sitzt. Sie ist eine gute Schülerin und ich bin von meiner Ausbildung her geistig in der Lage, sie zu unterstützen. Das soll kein Hochmut sein, aber ich denke, das ist bei vielen Eltern halt auch ein Thema. Ich bin alleinerziehend und zu 87 Prozent berufstätig und habe zum Glück die Möglichkeit, um 6 Uhr morgens mit der Arbeit zu beginnen und um 13 Uhr nach Hause zu gehen, um mich um meine Mutterpflichten zu kümmern. Hierfür schon einmal auch meinen herzlichen Dank an meinen Arbeitgeber und meinen Chef für diese Flexibilität.

Ich finde es essenziell wichtig, dass die Kinder wieder in die Schule gehen, um wieder einen strukturierten Tag zu haben! Meine Tochter sagt jetzt zum Beispiel, wie cool es ist, nicht mehr auf den Bus warten zu müssen, sich ständig was zu essen holen zu können, im Schlafanzug zu bleiben usw. Von den sozialen Kontakten, die auf der Strecke bleiben, mal ganz abgesehen. Mit einem Wort: Die Kinder verwahrlosen, wenn das noch weiter so geht, und die Vollzeiteltern haben überhaupt keine Energie mehr, dieser Demoralisierung der Kinder langfristig entgegenzutreten, weil sie auch am Rande ihrer Möglichkeiten angekommen sind. Ich bin ja in einer perfekten Situation und stoße jetzt auch an meine Grenzen, meine Tochter bei Laune zu halten, was das Lernen angeht."

Verwendete Quellen:
  • Einsendungen von t-online-Lesern

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