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Sollen Behörden gendern?

Von dpa
Aktualisiert am 16.12.2021Lesedauer: 2 Min.
Ein Ausschnitt aus dem Flyer "Empfehlungen fĂŒr eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache".
Ein Ausschnitt aus dem Flyer "Empfehlungen fĂŒr eine geschlechtergerechte Verwaltungssprache". (Quelle: Julian Stratenschulte/dpa./dpa)
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Hannover/Berlin (dpa) - Der Lehrer, der WĂ€hler oder der Bauleiter tauchen in den offiziellen Schreiben der niedersĂ€chsischen Landeshauptstadt nicht mehr auf. Als eine der ersten Kommunen in Deutschland hat Hannover vor knapp drei Jahren das Gendern eingefĂŒhrt - begleitet von hitzigen Debatten in sozialen Medien.

Denn noch immer sind Gender-Stern und Binnen-I ein Aufregerthema. Formulierungen wie "der*die Ingenieur*in" oder "liebe Kolleg:innen" empfinden Kritiker als eine Verhunzung der deutschen Sprache.

Die Verantwortlichen im Rathaus von Hannover sehen sich dagegen nun durch ein Rechtsgutachten bestĂ€tigt, das sie selbst in Auftrag gegeben haben. "Sprache transportiert nicht nur Regeln, sondern formt und gestaltet gesellschaftliche Wirklichkeit", sagte OberbĂŒrgermeister Belit Onay (GrĂŒne). "Wir wollen mit der Anwendung der geschlechterumfassenden Sprache in der Stadtverwaltung Hannover sehr deutlich machen, dass wir jeden Menschen in der jeweiligen GeschlechtsidentitĂ€t respektieren."

Ulrike Lembke, Juraprofessorin an der Berliner Humboldt-UniversitÀt, erlÀutert in ihrem Gutachten, dass sich eine geschlechtergerechte Amtssprache aus dem Grundgesetz ableite. Es gehe um das Grundrecht auf Gleichberechtigung und das Verbot der Geschlechtsdiskriminierung. ZunÀchst hatte die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet.

Die Verwendung des Gender-Sterns sei kein Rechtschreibfehler, betont Lembke. Das Argument von Kritikern, dass in Begriffen wie Ärzte Frauen mitgedacht sind, lĂ€sst sie nicht gelten und fĂŒhrt weiter aus: Das Ende der exklusiven Ansprache stelle keine "(rechtlich relevante) Benachteiligung von MĂ€nnern dar, sondern höchstens eine ĂŒberfĂ€llige De-Privilegierung".

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Anfang 2019 hatte die Stadt Hannover die neuen Sprachregelungen fĂŒr den Schriftverkehr ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter veröffentlicht. "Verwaltungsintern hatten wir schon lange eine Debatte, wie wir nicht nur MĂ€nner und Frauen ansprechen", sagte die Gleichstellungsbeauftragte Friederike KĂ€mpfe der Deutschen Presse-Agentur. "Das Gendern hat sich ganz selbstverstĂ€ndlich etabliert."

Inzwischen haben sehr viele Hochschulen, etliche Kommunen, Unternehmen sowie Medien Gender-Zeichen eingefĂŒhrt. FĂŒr den Duden ist mit "der Mieter" seit diesem Jahr nur noch eine mĂ€nnliche Person gemeint, was auch Kritik auslöste. Der Rat fĂŒr Deutsche Rechtschreibung begrĂŒĂŸte im MĂ€rz zwar geschlechtergerechte Sprache im Allgemeinen, lehnte eine Aufnahme des Gender-Sterns in das Amtliche Regelwerk allerdings vorerst ab.

"Es ist alles im Fluss", sagte Christine Möhrs vom Leibniz-Institut fĂŒr Deutsche Sprache der dpa. "Wir haben momentan noch keine Festlegung, welche Art der Umsetzung die Lösung ist."

Der Musiker Heinz Rudolf Kunze gehört zu den Menschen, die das Gendern mit Vehemenz ablehnen. "Es ist eine Zerstörung der Sprache", sagte er kĂŒrzlich in einem dpa-Interview. "Ich höre das, und das quĂ€lt mich." Außerdem sei es lĂ€cherlich, weil zum Beispiel die englische Sprache dieses Problem gar nicht kenne. Wenn man da eine Feministin sei, heiße es "a feminist", eine Lehrerin sei "a teacher".

FĂŒr die Stadt Hannover geht es darum, Diskriminierungen zu verhindern. Das Gutachten verweise auf wissenschaftliche Erkenntnisse, nach denen "erhebliche psychische Belastungen von Inter*-, Trans*- und non-binĂ€ren Personen durch rein binĂ€re Personenbezeichnungen" vorliegen, heißt es. Ebenso belegten eine Vielzahl linguistischer Studien die Benachteiligung von Frauen durch die Verwendung des generischen Maskulinums.

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