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Helmut Kohl hielt Assimilation der Türken in Deutschland für unmöglich

Kohl wollte angeblich Hälfte der Türken loswerden

02.08.2013, 13:24 Uhr | t-online.de, dpa

Helmut Kohl hielt Assimilation der Türken in Deutschland für unmöglich. Ex-Kanzler Kohl hat der damaligen britischen Premierministerin Thatcher in den 80ern offenbar seine geheimen Pläne enthüllt (Quelle: dpa)

Ex-Kanzler Kohl hat der damaligen britischen Premierministerin Thatcher in den 80ern offenbar seine geheimen Pläne enthüllt (Quelle: dpa)

Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl wollte laut Geheimpapieren der britischen Regierung in den 1980er Jahren die Hälfte der in Deutschland lebenden Türken nach Hause schicken.

Das berichtete "Spiegel Online" unter Berufung auf ein geheimes Protokoll eines Gesprächs zwischen Kohl und der britischen Regierungschefin Margaret Thatcher vom 28. Oktober 1982.

"Assimilation unmöglich"

In dem Protokoll mit dem Aktenzeichen PREM 19/1036 heißt es nach Angaben des Portals: "Kanzler Kohl sagte, [.] über die nächsten vier Jahre werde es notwendig sein, die Zahl der Türken um 50 Prozent zu reduzieren - aber er könne dies noch nicht öffentlich sagen". Und weiter: "Es sei unmöglich für Deutschland, die Türken in ihrer gegenwärtigen Zahl zu assimilieren", so Kohl.

Kohl wollte die Türken den Dokumenten zufolge im Oktober 1982 einfach nur loswerden. "Deutschland habe kein Problem mit den Portugiesen, den Italienern, selbst den Südostasiaten, weil diese Gemeinschaften sich gut integrierten", zitiert das Protokoll den Alt-Kanzler. "Aber die Türken kämen aus einer sehr andersartigen Kultur. [...] Deutschland habe 11 Millionen Deutsche aus osteuropäischen Ländern integriert. Aber diese seien Europäer und stellten daher kein Problem dar."

Geld sollte es richten

Als Beispiele für das "Aufeinanderprallen zweier verschiedener Kulturen" nannte Kohl demnach Zwangsehen und Schwarzarbeit der Türken. Jeder zweite von ihnen müsse daher gehen, für die Bleibenden sieht der Kanzler spezielle Schulungen vor: "Diejenigen, die integriert werden, müssten Deutsch lernen", heißt es im Protokoll.

Nach Angaben von "Spiegel Online" versuchte der Alt-Kanzler die Türken mit Geld zu überzeugen: "Er beabsichtige, die Sozialversicherungsbeiträge der türkischen Arbeiter zu kapitalisieren und ihnen eine Abfindung zu geben", heißt es im Thatcher-Protokoll.

1983 habe Kohls schwarz-gelbe Koalition dann tatsächlich das "Gesetz zur befristeten Förderung der Rückkehrbereitschaft von Ausländern" beschlossen. Es sah vor, ausreisewilligen Türken ein "Abschiedsgeld" von 10.500 D-Mark und Auszahlung ihrer Rentenversicherungsbeiträge anzubieten.

Dieses Programm habe sich allerdings als Fehlschlag erwiesen. "Nur etwa 100.000 Türken sind gegangen", sagte der Freiburger Historiker und Buchautor Ulrich Herbert "Spiegel Online".

Gespräch unter acht Augen

Bei dem Gespräch anwesend waren den Geheimpapieren zufolge nur Kohl, sein Berater Horst Teltschik, Margaret Thatcher und ihr Privatsekretär A.J. Coles, der Verfasser des Dokuments.

Kohl war damals etwa vier Wochen im Amt. Das Papier unterliegt nach Ablauf einer 30-jährigen Frist nun nicht mehr der Geheimhaltung und konnte von "Spiegel Online" eingesehen werden.

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