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Mondlandung 1969: Der einsamste Mensch in dieser Galaxie

Vergessener Held der Mondlandung  

Der einsamste Mensch in dieser Galaxie

Von Angelika Franz

20.07.2019, 17:56 Uhr
 (Quelle: Reuters)
50 Jahre nach Apollo 11: Gibt es ein neues Mondfieber?

Es war der Aufbruch zu einem großen Abenteuer – Der Startschuss für einen der größten Momente in der Geschichte der Menschheit. Am 16. Juli 1969 startete Apollo 11. Und lieferte der Welt vor 50 Jahren diesen denkwürdigen Moment. (Quelle: t-online.de)

Vor 50 Jahren: Diese Aufnahmen der ersten Mondlandung dokumentieren das Abenteuer "Apollo 11", heute scheint ein neues "Mondfieber" ausgebrochen zu sein. (Quelle: t-online.de)


Als seine Kollegen vor fünfzig Jahren den Mond betraten, brach sein Funkkontakt zur Erde ab. Michael Collins war auf sich allein gestellt. Eine Erfahrung, die ihn für immer veränderte.

Für eine Weile ist er der vermutlich einsamste Mann der Milchstraße. Unten auf der Erde tummeln sich etwas über drei Milliarden Menschen. Zwei weitere, seine Kollegen Neil Armstrong und Edwin "Buzz" Aldrin, stehen rund 110 Kilometer unter ihm auf der Oberfläche des Mondes. Dann verschwindet das Kommandomodul Columbia mit Michael Collins an Bord hinter dem Erdtrabanten und der Funkkontakt zur Erde bricht ab.

Michael Collins während einer Trainingsmission: Während der Mondmission Apollo 11 war er auf sich allein gestellt. (Quelle: ullstein bild)Michael Collins während einer Trainingsmission: Während der Mondmission Apollo 11 war er auf sich allein gestellt. (Quelle: ullstein bild)

Für die kommenden 48 Minuten, bis Columbia die dunkle Seite des Mondes umrundet hatte, ist er komplett von allem Leben abgeschnitten. Während Neil Armstrong jenen Schritt tut, der für ihn nur klein, für die Menschheit jedoch ein großer ist, hält Collins Columbia auf Kurs.

Tief bewegende Erfahrung für Collins

Fühlte er sich während dieser Minuten alleine? "Nein", lautete stets seine lapidare Antwort, wenn er in Interviews danach gefragt wurde. Stattdessen erfüllten ihn "Bewusstsein, Freude, Befriedigung und Vertrauen", schrieb er später in seiner Autobiografie "Carrying the Fire". Eine Erfahrung, die ihn tief bewegte: "Ich glaube wirklich, dass wenn die führenden Politiker dieser Welt ihren Planeten aus einer Entfernung von 100.000 Meilen sehen könnten, sich ihre Ansichten fundamental ändern würden", führt er aus.

"Selbst die wichtigste Grenze würde unsichtbar sein, der lauteste Streit unhörbar. Der kleine Globus würde sich weiterdrehen, gelassen alle Teilungen ignorieren und stattdessen eine einheitliche Fassade präsentieren, die Verständnis und Gleichbehandlung fordert. Die Erde sollte so werden, wie sie sich uns zeigt: blau und weiß, nicht kapitalistisch oder kommunistisch; blau und weiß, nicht arm oder reich; blau und weiß, nicht neidisch oder beneidet."

Blick auf die Erde von Columbia aus: Michael Collins blieb im Mondorbit, als Armstrong und Aldrin auf dem Mond landeten. (Quelle: imago images/Nasa)Blick auf die Erde von Columbia aus: Michael Collins blieb im Mondorbit, als Armstrong und Aldrin auf dem Mond landeten. (Quelle: Nasa/imago images)

Verschollen auf dem Mond

Für hehre Gedanken bleibt Collins allerdings kaum Zeit, während seine Raumkapsel im Mondorbit kreist. Denn auch im All fallen ganz banale Hausarbeiten an. Die Abwassertanks der Antriebszellen müssen geleert und die Kapsel für die Rückkehr seiner Kollegen aufgeräumt und vorbereitet werden. Außerdem versucht er angestrengt, Armstrong und Aldrin auf dem Mond zu finden. Denn die beiden haben ihr anvisiertes Ziel um rund sechseinhalb Kilometer verfehlt – und sind nun sowohl für Collins als auch für das Kontrollzentrum unten auf der Erde nur sichtbar, wenn Columbia auf ihrem Orbit direkt über ihnen vorbeifliegt.

Buzz Aldrin auf dem Mond: Ohne Collins wäre er dort geblieben. (Quelle: imago images/Nasa)Buzz Aldrin auf dem Mond: Ohne Collins wäre er dort geblieben. (Quelle: Nasa/imago images)

Kurz bevor die Raumkapsel mit Collins zum dritten Mal hinter dem Mond verschwindet, leuchten die Alarmlampen auf. "Die Kühlflüssigkeit ist zu kalt", informiert ihn das Kontrollzentrum. Sollte die Temperatur weiter fallen, würde die Raumkapsel vereisen und die drei Astronauten wären im All verloren. "Übernehmen sie die manuelle Kontrolle über das Kühlsystem", empfiehlt die Kontrollstation noch, dann taucht Columbia in die Mondnacht ein. Collins ist nun auf sich gestellt. Und beweist, dass seine Nerven stärker sind als die stählernen Tragseile der Golden-Gate-Brücke. 

Collins gerät in Vergessenheit – zum Glück

Armstrong, Aldrin und Collins werden Helden. Oder zumindest Armstrong und Aldrin – Michael Collins gerät schnell in Vergessenheit. Dort allerdings fühlt er sich recht wohl, während seine Kollegen im Licht der Scheinwerfer kaum leben mögen und können. Armstrong kauft sich schließlich eine einsame Farm in Ohio. "Er igelte sich in seinem Schloss ein und zog die Zugbrücke hoch", beschreibt Collins das Verhalten seines Kollegen. Aldrin wird depressiv und verfällt dem Alkohol. Die Ehen beider Astronauten gehen in die Brüche.

Michael Collins im Jahr 1962: Später wurde er Direktor des Nationalen Raum- und Luftfahrtsmuseums. (Quelle: imago images/Nasa)Michael Collins im Jahr 1962: Später wurde er Direktor des Nationalen Raum- und Luftfahrtsmuseums. (Quelle: Nasa/imago images)

Michael Collins dagegen ist bis heute glücklich mit seiner Frau Patricia verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Er nimmt sich nach seinem Abschied von der Nasa der Planung des neuen National Air Space Museums in Washington D. C. an und schafft es, das Museum in weniger Zeit und für weniger Geld zu eröffnen, als ursprünglich geplant war.


Bis ins hohe Alter verbringt er seine Zeit mit "Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Kochen, Lesen, mir Sorgen um die Börse machen und der Suche nach einer Flasche richtig gutem Cabernet unter zehn Dollar", verkündet er noch anlässlich des 40. Jubiläums der Mondlandung vor zehn Jahren. Zu dem Zeitpunkt ist Michael Collins bereits 78 Jahre alt. Als Held hat er sich nie gesehen. "Meine Karriere bestand aus zehn Prozent kluger Planung und 90 Prozent reinem Glück", beschreibt er sein Leben. "Schreibt einfach 'Er hatte Glück' auf meinen Grabstein."

Verwendete Quellen:

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