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Wohnungsnot in Berlin: Betroffene berichten von verzweifelter Suche


"Entmutigt und machtlos" – Wohnungssuchende in Berlin werden wütend


26.09.2023Lesedauer: 3 Min.
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Blick auf Wohnhäuser der Gropiusstadt in Berlin: Die Wohnungsnot treibt viele Menschen in der Hauptstadt in die Verzweiflung. (Quelle: IMAGO/Jochen Eckel)

Der Wohnungsmangel in Berlin betrifft viele Menschen. Manche greifen zu drastischen Mitteln, um eine Bleibe zu finden. Betroffene berichten t-online von ihren Erfahrungen.

Politik und Verbände haben sich in Berlin zum Wohngipfel getroffen. Die Lage ist ernst, denn die Wohnungsnot in der Hauptstadt spitzt sich zu. Die Regierung hat ihre Vorschläge in einem Maßnahmenpaket zusammengefasst, das am Montag der Baubranche vorgestellt wurde.

"Es ist umfangreicher als erwartet", sagte Tim-Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, laut einem Bericht von Zeit Online. Die Maßnahmen sollen den Wohnungsbau in Deutschland ankurbeln. Doch für viele Wohnungssuchende in der Metropole Berlin kommt die Hilfe der Regierung zu spät.

Wohnungssuche in Berlin treibt Betroffene zur Verzweiflung

Seit einem Jahr suche sie eine geeignete Wohnung für sich und ihr Kind in Berlin, sagt eine Frau im Gespräch mit t-online. Sie möchte anonym bleiben. Täglich durchforstet sie die Anzeigen auf verschiedenen Portalen – bisher ohne Erfolg. Ihre Lebensumstände seien für Vermieter nicht attraktiv, vermutet die Mutter.

"Am schwierigsten ist für mich die Tatsache, dass bei mir gleich mehrere Ausschlusskriterien vieler Anbieter zusammenkommen: Ich habe ein Kind, Haustiere und bin aktuell Sozialleistungsempfängerin. Die Meisten antworten nicht einmal auf meine Anfragen, ansonsten bekomme ich fast nur Absagen", erklärt sie.

Hohe Mieten und Vermittlungsgebühr für viele nicht erschwinglich

Viele Wohnungssuchende zahlen auf Ebay-Kleinanzeigen für eine erfolgreiche Wohnungsvermittlung eine Belohnung – Angebote von mehreren tausend Euro sind keine Seltenheit. Das könne sie sich nicht leisten, sagt die anonyme Wohnungssuchende.

Die erfolglose Wohnungssuche zerre an den Nerven. "Häufig genug fühle ich mich entmutigt und machtlos. Auch die sinnlos hohen Mieten in den meisten Gegenden machen mich wütend und traurig. Am meisten mache ich mir natürlich Sorgen darüber, wie belastend es für mein Kind ist, dass wir noch immer kein eigenes, dauerhaftes Zuhause gefunden haben", erzählt die Frau.

Auch Saskia Meyer ist aktuell in Berlin auf Wohnungssuche in Berlin. "Das Schwierigste an der Suche sind die ständigen Absagen, beziehungsweise gar keine Antworten erst zu bekommen", sagt sie t-online. Außerdem möchte sie nach Abzug der meist hohen Mieten noch etwas zum Leben übrig haben. Da sie kurzfristig umziehen muss, stresst sie die Situation zusätzlich. Lesen Sie hier Tipps, wie Sie auch in einer großen Stadt eine günstige Wohnung finden können.

Hohe Prämie kein Garant für erfolgreiche Vermittlung

Sara ist mit ihrer vierköpfigen Familie sogar schon seit über zwei Jahren auf der Suche nach einer geeigneten Wohnung. Gegenüber t-online berichtet sie von ähnlichen Erfahrungen wie die beiden anderen Betroffenen. Sie wäre bereit, bis zu 8.000 Euro für eine erfolgreiche Vermittlung zu zahlen – aber auch mit Prämie werde es nicht unbedingt einfacher. In den meisten Fällen erhalte auch sie gar keine Antwort auf ihre Anfrage.

Aktuell lebt Sara auf 40 Quadratmeter mit ihrer Familie. "Wir sind mehr als verzweifelt, da unsere Kinder immer älter werden und somit mehr Raum einnehmen und brauchen", erzählt die Mutter.

Wohnungssuche verursacht psychische Probleme

Dass die Suche nach einer Wohnung krank machen kann, bestätigen auch Psychologen. "In der Praxis sehen wir, dass Menschen depressiv werden aufgrund von ungelösten Wohnungsfragen", sagt der Psychiater und Stressforscher Mazda Adli im Deutschlandfunk Nova.

Doch auch, wenn Menschen endlich eine Wohnung gefunden haben, kann es sein, dass der Stress nicht aufhört. Grund dafür seien hohe Mieten. "Wenn ich nicht weiß, ob ich mir meine Wohnung morgen noch leisten kann, kann das zu chronischem Stress führen. Das kann mir das den Schlaf rauben, meine Konzentration verschlechtern und auf die Stimmung schlagen", so Adli.

Psychiater raten, selbst aktiv zu werden

Der Psychiater Jan Kalbitzer rät Wohnungssuchenden, sich nicht dem Gefühl der Ohnmacht hinzugeben. Man müsse das Gefühl haben, seine Umwelt beeinflussen zu können, sagte der Mediziner im Deutschlandfunk Nova. Beispielsweise könne man sich mit anderen Wohnungssuchenden zusammenschließen, Netzwerke bei der Wohnungssuche nutzen und sich politisch gegen die Wohnungsproblematik engagieren.

Verwendete Quellen
  • zeit.de: "Baubranche lobt Regierungspläne, Sozialverbände sehen Mängel"
  • Schriftliche Antworten von einer anonymen Quelle
  • Schriftliche Antworten von Saskia Meyer
  • Schriftliche Antworten von Sara
  • deutschlandfunknova.de: "Wohnungssuche kann krank machen"
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