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Berlin: Land will Nazi-Villa von Goebbels verschenken – droht Katastrophe?


Berlin will Nazi-Villa verschenken
Es kann nur diese eine Lösung geben

  • Autorenprofil Pascal Biedenweg
MeinungEine Kolumne von Pascal Biedenweg

Aktualisiert am 06.05.2024Lesedauer: 2 Min.
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imago images 0371127582Vergrößern des Bildes
Das leerstehende ehemalige Landhaus von Joseph Goebbels: Das Areal am Bogensee gehört dem Land Berlin. (Quelle: IMAGO/Martin Fejer/EST&OST/imago)

Berlin würde die ehemalige Nazi-Villa von Joseph Goebbels am liebsten verschenken. Doch eigentlich kann es nur eine Lösung geben, um das unrühmliche Kapitel endlich zu schließen.

Die brandenburgische Gemeinde Wandlitz ist idyllisch gelegen. Angrenzend an den Berliner Bezirk Pankow hat sie einige Naherholungsgebiete zu bieten. Den Liepnitzsee zum Beispiel. Oder den Naturpark Barnim. Und dann wäre da noch der Bogensee, der vor allem wegen des damaligen Landsitzes von Reichspropaganda-Minister Joseph Goebbels bekannt wurde.

Dort, auf einem knapp 17 Hektar großen Areal unmittelbar am Bogensee liegend, steht unter anderem eine alte, marode Villa, die Goebbels damals als diskretes Liebesnest für seine Geliebten nutzte. "Ein Idyll der Einsamkeit", beschrieb er das Grundstück damals in seinem Tagebuch. "Es ist so still und verlassen hier. Man kann denken, arbeiten, in Ruhe lesen, keine Telefonanrufe und Briefe, ganz sich selbst überlassen."

Restaurierungskosten werden auf 350 Millionen Euro taxiert

Einsam ist es dort auch knapp 80 Jahre später noch. Die Villa wurde später als Hochschule für die Freie Deutsche Jugend (FDJ genutzt. Neben der Villa ließ Erich Honecker dafür noch einen Komplex aus Seminar- und Wohngebäuden errichten. Auch dieser ist mittlerweile verfallen.

Seit der Wiedervereinigung ist das Land Berlin wieder Besitzer des Grundstücks. Seitdem verfällt das Areal. Von Jahr zu Jahr mehr. Niemand will es kaufen. Seit 2000 ist das Gelände ungenutzt. Die jährlichen Kosten für Sicherung und Unterhalt gehen in die Millionen. Finanziert von Berliner Steuerzahlern.

In den vergangenen Jahren gab es viele Planspiele, was mit dem Grundstück passieren könne. Das Problem: Die aufwendige Restaurierung wird auf knapp 350 Millionen Euro geschätzt. Zu teuer für viele Interessenten.

Zuletzt bot Berlins Finanzsenator Stefan Evers das Areal sogar als "großzügiges Geschenk" an. "Ich biete jedem an, der das Gelände übernehmen möchte, es geschenkt vom Land Berlin zu übernehmen", sagte der CDU-Politiker. Wirklich jedem? Damit fehlte eigentlich nur noch das entsprechende Inserat auf "Kleinanzeigen".

Keine Schenkung an Privatperson

Auf t-online-Nachfrage erklärt eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Finanzen im Anschluss, dass es sich hierbei lediglich um "ein Angebot an die betroffenen kommunalen Körperschaften, das Land und den Bund" handelt. Heißt im Klartext: An eine Privatperson soll das Areal nicht verschenkt werden.

Besser so! Denn das hätte Tür und Tor für zwielichtige Personen geöffnet. Vor zweieinhalb Jahren fand t-online exklusiv heraus, dass sich unter anderem eine Initiative mit Verbindungen zu Reichsbürgern dafür interessierte. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Video:

Video | Täuschung im Wald sorgt für Skandal: Geheimnis um gigantischen Nazi-Bau gelüftet
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Quelle: t-online

Welche Alternativen bleiben also, um die historischen Zeugnisse am Bogensee für die Nachwelt zu bewahren? Das Land Brandenburg möchte das Areal anscheinend nicht übernehmen. Für das Land Berlin ist es nur noch ein unliebsamer Klotz am Bein. Nur der Bund kann noch helfen.

Passiert das nicht, kann es nur eine einzige Lösung geben: Dann sollten die Gebäude abgerissen werden. Anschließend könnte man dort Tausende neue Wohnungen bauen. Oder für eine Renaturierung sorgen. Circa 50 Millionen Euro würde ein Abriss kosten. Das ist viel Geld. Aber lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Verwendete Quellen
  • Eigene Beobachtungen
  • Anfrage an die Senatsverwaltung für Finanzen
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