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125 Mitarbeiter der katholischen Kirche outen sich als queer

Von dpa
24.01.2022Lesedauer: 3 Min.
125 Mitarbeiter der katholischen Kirche outen sich als queer
Eine Regenbogenfahne weht vor der Autobahnkirche St. Christophorus. (Quelle: Benedikt Spether/dpa/Archivbild/dpa-bilder)
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In einer beispiellosen Aktion haben sich 125 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der katholischen Kirche als queer geoutet und ein Ende ihrer Diskriminierung gefordert. Unter ihnen sind Priester, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen, Religionslehrer und Religionslehrerinnen, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der kirchlichen Verwaltung. Als queer bezeichnen sich nicht-heterosexuelle Menschen beziehungsweise Menschen, die sich nicht mit dem traditionellen Rollenbild von Mann und Frau oder anderen gesellschaftlichen Normen rund um Geschlecht und SexualitÀt identifizieren.

Sie fordern eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts, so dass die sexuelle Orientierung und die geschlechtliche IdentitĂ€t kĂŒnftig kein KĂŒndigungsgrund mehr sind. Außerdem sollen diffamierende Aussagen zu Geschlechtlichkeit und SexualitĂ€t aus der kirchlichen Lehre gestrichen werden. Der Zugang zu den katholischen Sakramenten und zu allen Berufsfeldern der Kirche dĂŒrfe ihnen nicht mehr vorenthalten werden. Im vergangenen MĂ€rz hatte der Vatikan noch einmal klargestellt, dass homosexuelle Partnerschaften nicht den PlĂ€nen Gottes entsprĂ€chen.

Pfarrer Bernd MönkebĂŒscher aus Hamm, der 2021 bereits bundesweite Segnungsgottesdienste fĂŒr homosexuelle Paare mit initiiert hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Aktion sei durch das Coming-Out - also das Öffentlichmachen der sexuellen Orientierung oder IdentitĂ€t - von 185 Schauspielerinnen und Schauspielern im vergangenen Jahr inspiriert worden. Die damaligen Unterzeichner, unter ihnen Ulrich Matthes und Ulrike Folkerts, hatten kritisiert, dass sich viele nicht offen zu ihrem Queersein bekennen könnten, ohne berufliche Nachteile befĂŒrchten zu mĂŒssen.

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Das gelte fĂŒr die katholische Kirche natĂŒrlich noch in viel stĂ€rkerem Maße, sagte MönkebĂŒscher: "Die Gemeindereferentin, die ihre Freundin heiraten will, verliert ihren Job."

Das bestĂ€tigt Monika Schmelter (65) aus LĂŒdinghausen im MĂŒnsterland. Sie hat die Beziehung zu ihrer heutigen Frau 40 Jahre verheimlicht, weil sie selbst bei der Caritas arbeitete und ihre Partnerin Religionslehrerin war. Sie hĂ€tten beide lange Anfahrtswege zu ihrer Arbeit in Kauf genommen, um nicht entdeckt zu werden, sagte Schmelter der Deutschen Presse-Agentur. Als es irgendwann doch durchgesickert sei und sie sich ihrem Chef anvertraut habe, sei von dem die Ansage gekommen: "Wenn ich das weiter geheim halte, dann kann ich meinen Job behalten. Aber wenn ich das an meinem Dienstort offen gemacht hĂ€tte, hĂ€tte das zu meiner KĂŒndigung gefĂŒhrt."

Die Initiative, die nun die Öffentlichkeit gegen solchen Druck von Seiten der Kirche mobilisieren will, trĂ€gt den Namen "#OutInChurch. FĂŒr eine Kirche ohne Angst". Das Netzwerk ruft alle LGBTIQ+-Personen, die haupt- oder ehrenamtlich fĂŒr die katholische Kirche tĂ€tig sind, dazu auf, sich der Initiative anzuschließen. An die Bischöfe geht der Appell, öffentlich ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr das Manifest zu erklĂ€ren. LGBTIQ steht fĂŒr Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Inter und Queer, das Pluszeichen steht fĂŒr weitere IdentitĂ€ten und Geschlechter. In dem Manifest heißt es unter anderem, die abwertenden Aussagen der Kirche etwa zu gleichgeschlechtlichen Beziehungen seien im Lichte wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr haltbar und hinnehmbar. "Eine solche Diskriminierung ist ein Verrat am Evangelium." Die Kirche mĂŒsse vielmehr zum Ausdruck bringen, "dass LGBTIQ+-Personen ob alleine oder in Beziehung lebend, von Gott gesegnet sind".

Die Reformbewegung Maria 2.0 solidarisierte sich mit der Initiative. Eine Reform des kirchlichen Arbeitsrechts und eine Revision der kirchlichen Lehre seien "unbedingt notwendig, da die katholische Kirche mit ihrer diskriminierenden Haltung gegenĂŒber queeren Menschen weltweit unverantwortlich im Sinne der Menschenrechte handelt". Die Tatsache, dass man im Jahr 2022 in Deutschland noch Mut brauche, um sich zum Queersein zu bekennen, sei ein Skandal.

Zu der Thematik lÀuft am Montagabend um 22.25 Uhr in der ARD die Dokumentation "Wie Gott uns schuf". Darin treten einige Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Initiative erstmals vor die Kamera. Sie berichten von einem oft jahrelangen Versteckspiel und der Angst vor dem Outing.

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Von Antje Hildebrandt
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