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Ratingen: Zeugenaussagen zur Hochhausexplosion


"Ich habe geschmeckt, dass es Benzin ist"

Von t-online, nfr

08.12.2023Lesedauer: 2 Min.
urn:newsml:dpa.com:20090101:231208-99-228210Vergrößern des BildesProzess um die Explosion in einem Hochhaus in Ratingen: Der Angeklagte sitzt im Düsseldorfer Gerichtssaal neben seinem Anwalt auf der Anklagebank. (Quelle: Oliver Berg/dpa)
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Die überlebenden Opfer der Explosion in einem Ratinger Hochhaus haben am Freitag ihrem mutmaßlichen Peiniger gegenüber gestanden. Sie schildern grausige Details.

Im Prozess um die Explosion in einem Ratinger Hochhaus haben mehrere Überlebende von ihrer Todesangst gesprochen und ausgesagt, nicht mit einem Angriff gerechnet zu haben. Die Einsatzkräfte waren wegen einer vermeintlich hilflosen Person zu einer Wohnung im zehnten Stock gerufen worden. Über den Prozessbeginn hatte t-online bereits berichtet. Lesen Sie mehr dazu hier.

So schilderte ein 32 Jahre alter Notfallsanitäter am Freitag dem Düsseldorfer Landgericht, dass ihm und seinen Kollegen massiver Verwesungsgeruch entgegengeströmt sei, als die Scheibe zur Wohnungstür einschlugen. Daraufhin habe sich die Situation etwas entspannt, weil bei so einem Geruch erfahrungsgemäß keine akute Notsituation mehr vorliege. Zuvor habe auf Klingeln, Klopfen und Rufen niemand reagiert.

Dann hätten sich die Ereignisse aber überschlagen: Zwei Polizisten seien in die Wohnung gestiegen – plötzlich seien Schreie ertönt und Stimmen zu hören gewesen. Eine Polizistin sei klitschnass im Gesicht und tropfend zurückgekommen. "Dann gab es einen Knall und das Feuer kam aus dem Türloch geschossen", sagte der Sanitäter.

Zeugen schildern grausige Details

Nach der Explosion habe er eine Prioritätenliste in seinem Kopf angelegt. "Punkt Vier: Nicht sterben." Er habe Zugänge für Schmerzmittel bekommen, dann ende seine Erinnerung. "Als ich im Krankenhaus wieder zu mir kam, dachte ich, es seien ein paar Stunden vergangen. Dann sagte mir jemand, dass ich 19 Tage im Koma gelegen habe. Das war ein sehr gruseliger Moment für mich." Er habe Alpträume und sei nach wie vor arbeitsunfähig. "Wann und ob ich wieder arbeiten kann, ist unklar."

Eine 21-jährige Notfallsanitäterin sagte, sie habe die junge Polizistin hüftaufwärts brennen sehen. Alle seien die zehn Stockwerke durch das Treppenhaus herab auf die Straße gerannt. "Ich dachte, das war ein Unfall. Mit meiner Jacke habe ich dann versucht, sie unten auf der Straße zu löschen."

Schwer verletzte Polizistin ebenfalls im Zeugenstand

Die am schwersten verletzte Polizistin (25) kam am Freitag ebenfalls auf einen Stock gestützt in den Gerichtssaal. Sie lag zwei Monate im Koma und drei weitere stationär im Krankenhaus, musste elf Operationen über sich ergehen lassen und hat noch mehrere Eingriffe vor sich. Sie habe hinter einer Barrikade aus Wasserkästen eine Gestalt mit längeren weißen Haaren gesehen. "Dann habe ich etwas Nasses in meinen Mund bekommen. Ich habe geschmeckt, dass es Benzin ist."

Vor Gericht steht ein 57 Jahre alter Ratinger wegen neunfachen versuchten Mordes. Der Deutsche soll zu Verschwörungstheorien neigen und am 11. Mai dieses Jahres mehrere Liter Benzin auf Polizisten, Feuerwehrleute sowie Rettungsdienstmitarbeiter geschüttet und angezündet haben. Das Gas-Luft-Gemisch explodierte und ein Feuerball verletzte die Einsatzkräfte. Er schweigt zu den Vorwürfen. Bodycams der Polizei hatten das Geschehen aufgezeichnet. Der Prozess hatte im November begonnen.

Zwei Polizisten, vier Feuerwehrleute, zwei Rettungssanitäter und ein Notarzt wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Acht der neun Opfer würden absehbar bleibende Schäden zurückbehalten, hatte die Staatsanwaltschaft mitgeteilt. Das Gericht hat bis zum 11. Januar kommenden Jahres neun Verhandlungstage für den Strafprozess angesetzt.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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