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Hanau: Bericht über neue rassistische Bluttat – und brisante Details


Drei Jahre nach Anschlag mit neun Opfern
Bericht über neue rassistische Bluttat in Hanau – und brisante Details

Von t-online, mtt

Aktualisiert am 25.08.2023Lesedauer: 3 Min.
Gedenkstätte am Tatort (Archivbild): 2020 erschoss ein Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund.Vergrößern des BildesGedenkstätte am Tatort (Archivbild): 2020 erschoss ein Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund. (Quelle: Schick/imago images)
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Drei Jahre nach den rassistischen Morden ist in Hanau erneut Blut geflossen. Das Opfer: ein junger Mann mit ausländischem Namen. Der Täter: ein Rassist?

Eine aktuelle Recherche der "Frankfurter Rundschau" legt nahe, dass eine im Juni 2023 begangene Bluttat in Hanau einen rassistischen Hintergrund haben könnte. Der Verdächtige ist demnach Anhänger der rechtsextremen "QAnon"-Bewegung – trotzdem behaupte die Staatsanwaltschaft bisher, "keine Hinweise" auf ein ebensolches Motiv zu haben.

Es geht um einen Schusswaffenangriff vom 20. Juni im Hanauer Pioneer-Park. Unstrittig ist, dass der mutmaßliche Täter ein 59 Jahre alter Mann ist. Er soll an jenem Dienstagabend gegen 18.30 Uhr zuerst seinen Nachbarn, einen 24-Jährigen mit ausländischem Namen, sowie zwei Frauen in dessen Begleitung angesprochen haben. Als der 24-Jährige gefragt habe, warum der Ältere seine Freundin und seine Cousine nicht in Ruhe lasse, habe der Verdächtige eine Pistole gezückt, berichtet die "Frankfurter Rundschau".

Die Tat vom Juni: Schuss in Oberschenkel, Opfer verliert viel Blut

Der 59-Jährige habe die Waffe dem 24-Jährigen zunächst an den Kopf gehalten. Dann habe er sie gegen dessen Oberschenkel gerichtet und abgedrückt.

Die Polizei fand das Schussopfer schwer verletzt im Fahrstuhl des Wohnhauses. Seinem Vater zufolge verlor der junge Mann mehrere Liter Blut. Der Tatverdächtige wurde festgenommen und kam in U-Haft. Staatsanwaltschaft und Polizei versprachen am Morgen danach: "Die weiter andauernden Ermittlungen, die wegen des Verdachts des versuchten Totschlags geführt werden, werden sich unter anderem damit befassen, die noch unklaren Tathintergründe sowie das Motiv des Tatverdächtigen zu ergründen."

Täter soll in Hanau als gewaltbereiter Rassist bekannt gewesen sein

Doch dabei scheint die Staatsanwaltschaft, so zumindest lautet der Vorwurf, einen wichtigen Aspekt weitgehend unbeleuchtet zu lassen: Dem Bericht der "Rundschau" zufolge soll es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen polizeibekannten Mann handeln, der immer wieder mit rassistischen und verschwörungsideologischen Äußerungen aufgefallen sei. Zudem sei er wegen seiner zur Schau gestellten Gewaltbereitschaft in Hanau gefürchtet gewesen.

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Wie die Zeitung berichtet, posierte der 59-Jährige im Internet mit Waffen, gab sich als Anhänger der rechtsextremen "QAnon"-Bewegung zu erkennen und hetzte gegen "männliche Asylbewerber".

Bericht: Bundeskriminalamt befasste sich mit dem Verdächtigen

In Hanau sei der Verdächtige schon 2020 auffällig geworden. Nur Tage, bevor ein Rassist neun Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt erschoss, habe er sich ausgerechnet in der "Midnight Bar", einem der Tatorte vom 19. Februar 2020, vulgär und islamfeindlich geäußert. Darüber hinaus habe er damals stundenlang zwei junge Männer eingeschüchtert, ihnen eine Machete gezeigt und angeblich tödliche Nahkampftechniken vorgeführt.

Nach den rassistischen Morden vom 19. Februar 2019 lag der Verdacht nahe, dass der Mann Verbindungen zum Attentäter hatte. Die Polizei erhielt Hinweise auf den nun Verdächtigen, das Bundeskriminalamt ermittelte. Ein Zeuge sagte aus, er habe Angst, der Mann könne "durchdrehen".

Opfer von 2023 war auch schon 2020 betroffen

Die Beamten erkannten allerdings keine Verbindungen zu dem Mörder vom 19. Februar und übergaben den Fall der hessischen Landespolizei. Dann verlief die Sache wohl im Sande. Mehrere Polizeibehörden hätten den Mann "umfassend überprüft" und die Gefährdungslage eingeschätzt, berichtet die "Rundschau" nun. Die Staatsschutzabteilung des Polizeipräsidiums sei zu der Einschätzung gekommen, dass "keine staatschutzrelevanten Bezüge" vorlägen.

Erschütternd ist: Das Opfer vom 20. Juni 2023 war schon Betroffener des Anschlags 2020. Der junge Mann betrieb damals den Kiosk am Kurt-Schumacher-Platz, in dem der Attentäter drei Menschen erschoss, war an jenem Tag allerdings nicht im Laden. Dafür starben mehrere seiner Freunde.

In dem Kiosk wurden Gökhan Gültekin, Mercedes Kierpacz und Ferhat Unvar ermordet. Der junge Kioskbetreiber, den jetzt die Kugel eines mutmaßlichen Rassisten traf, wurde durch den Anschlag stark traumatisiert. Nun komme alles wieder hoch, sagte der Vater des jungen Mannes der "Frankfurter Rundschau": "Daran wollte ich mich nicht wieder erinnern. Seitdem habe ich mich selbst verloren."

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Linksfraktion im Landtag will Sondersitzung

Nach dem Bericht der "Frankfurter Rundschau" hat t-online die Hanauer Staatsanwaltschaft gefragt, wieso sie "keine Hinweise" auf ein rassistisches Motiv für den Schuss diesen Juni sieht. Ein Behördensprecher antwortete am Donnerstag: "Ein etwaiges fremdenfeindliches oder rassistisches Motiv war bereits Gegenstand der Ermittlungen. Hinweise auf ein solches Tatmotiv haben sich nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen allerdings nicht ergeben." Die Frage, ob auch die Social-Media-Accounts des Verdächtigen geprüft wurden, ließ die Staatsanwaltschaft offen.

Die Fraktion der Linken im hessischen Landtag kündigte unterdessen an, eine Sondersitzung des Innenausschusses zu beantragen. Man habe sehr viele Fragen.

Verwendete Quellen
  • fr.de: "Ein Schuss in Hanau, der retraumatisiert"
  • Anfrage an die Staatsanwaltschaft Hanau
  • presseportal.de: Gemeinsame Mitteilung der Staatsanwaltschaft Hanau und des Polizeipräsidiums Südosthessen vom 21. Juni 2023
  • twitter.com: Beitrag der Fraktion der Linken im hessischen Landtag vom 24. August 2023
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