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Flucht aus der Ukraine nach Hamburg: "Nur Proteste in Russland können Putin umstimmen"


"Nur die Proteste in Russland können Putin noch umstimmen"

Von Eva Puschmann

Aktualisiert am 02.03.2022Lesedauer: 4 Min.
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Iryna Thater (zweite von rechts) mit ihren Cousinen und Nichten, die aus der Ukraine in Hamburg angekommen sind.
Iryna Thater (zweite von rechts) mit ihren Cousinen und Nichten, die aus der Ukraine in Hamburg angekommen sind. (Quelle: Privat)
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Der Krieg in der Ukraine treibt viele Menschen in die Flucht. Hunderttausende versuchen, das Land zu verlassen. So auch die Familie von Iryna Thater. Die gebürtige Ukrainerin konnte einige ihrer Verwandten in Hamburg in die Arme schließen.

"Für mich war es das Größte, meine Familie in Hamburg in Empfang nehmen zu können", sagt Iryna Thater zu t-online. Ihre Familie lebt in der Ukraine, wo auch sie geboren ist. Am Montag sind dann endlich einige ihrer Familienmitglieder nach stundenlanger Autofahrt in der Hansestadt angekommen. Eine anstrengende und belastende Fahrt mit einem Ziel: Sicherheit.

"An dem Tag, an dem alles angefangen hat, habe ich morgens einen Anruf von meinem Patenkind bekommen und er sagte: Tante Iryna, wir gehen jetzt in den Keller, der Krieg ist ausgebrochen", erzählt Thater. Zu diesem Zeitpunkt dachte sie noch, der Sohn ihres Bruders habe zu viele Computerspiele gespielt. Sie habe es nicht glauben können.

Flüchtende stehen in langen Schlangen an der Grenze

Ihre Cousine und ihre Begleiterinnen seien unter den Ersten gewesen, die in Lwiw losgefahren seien. Und dennoch mussten die Frauen 24 Stunden an der Grenze zu Polen stehen und darauf warten, das Land verlassen zu können. Der Stau sei trotz geöffneter Grenzen aktuell etwa 30 bis 40 Kilometer lang, erzählt die Wahl-Hamburgerin: "Die Leute machen Lagerfeuer, um sich aufzuwärmen."

Und das, obwohl die Grenzen geöffnet seien und die Kontrollen nicht mehr stattfänden. "Sie prüfen nicht einmal die Pässe. Frauen und Kinder lassen sie einfach so raus."

Frauen gehen zu Fuß an einer Autoschlange vorbei: Der Stau vor den Grenzübergängen ist laut Aussagen von Geflüchteten mittlerweile 30 bis 40 Kilometer lang.
Frauen gehen zu Fuß an einer Autoschlange vorbei: Der Stau vor den Grenzübergängen ist laut Aussagen von Geflüchteten mittlerweile 30 bis 40 Kilometer lang. (Quelle: privat)

Für einen Teil von Thaters Verwandten und Freundinnen ging es dann mit dem Auto die mehr als 1.200 Kilometer bis nach Hamburg. Bisher seien sie immer nur innerhalb der Stadt Auto gefahren.

Großteil der Verwandtschaft ist immer noch in Lwiw

Obwohl sie sich in Hamburg in Sicherheit befinden, gelten ihre Gedanken den Angehörigen, die noch in der Heimatstadt geblieben sind. Bis gestern seien sie noch in dem Glauben gewesen, dass nur militärische Punkte Ziel der Angriffe seien.

"Nichtsdestotrotz sitzen wir jetzt sehr, sehr beunruhigt hier und verfolgen die Nachrichten. Bis heute dachten wir, dass der Westen der Ukraine, in dem noch meine ganze Familie wohnt, verschont bleibt", so die Hamburgerin. Jetzt berichteten jedoch die Medien bereits von Truppen, die aus dem Belarus in die Ukraine einmarschieren. Diese seien in einer Stadt nahe Lwiw gesichtet worden. Ihr Vater, Bruder, Onkels, Tanten, Cousinen, Cousins und ihre Familien sind noch dort.

Mobilmachung in der Ukraine: Bruder musste an der Grenze umkehren

Als ihre Familie bereits an der Grenze war, wurde die Mobilmachung der Bevölkerung ausgerufen. Männer durften das Land nicht mehr verlassen. "Mein Bruder hatte das Auto voll mit Frauen und Kindern und wollte sie sicher über die Grenze bringen. Aber dann hieß es, dass Männer nicht raus dürfen", erzählt Thater. Daraufhin sei auch seine Frau mit den Kindern wieder zurück nach Lwiw gefahren, um ihren Mann nicht alleine zu lassen.

Das Problem hätten viele Frauen, da sie kein Auto lenken können und nicht mobil sind. Züge aus Lwiw seien eine weitere Option, das Land zu verlassen. Aber die seien vollkommen überfüllt. "An den Zügen stapeln sich die Menschen. Sie lassen ihr Gepäck zurück, weil sie sonst selbst nicht in den Zug passen würden", so Thater. Es herrsche totales Chaos.

Menschen versammeln sich am Bahnhof in Lwiw im Westen der Ukraine, um die Ukraine in Richtung der Nachbarländer zu verlassen.
Menschen versammeln sich am Bahnhof in Lwiw im Westen der Ukraine, um die Ukraine in Richtung der Nachbarländer zu verlassen. (Quelle: Mykola Tys/dpa-bilder)

Angehörige in Lwiw helfen Ukrainern auf der Flucht

Die Angehörigen ihrer Familie haben es sich, genau wie Thater in Hamburg, nun zur Aufgabe gemacht, Menschen auf der Flucht zu helfen. Ihr Bruder arbeitet in einer Autowerkstatt und repariert wie am Fließband die Autos der Ukrainer, die sich über die Stadt Lwiw auf dem Weg in den Westen befinden. Das mache er kostenlos, berichtet die gebürtige Ukrainerin.

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Die Tochter ihrer Cousine sitzt derweil mit anderen Mädchen der Stadt in der Kirche und packt Päckchen mit humanitären Gütern für Soldaten und Menschen in der Ostukraine. Der Sohn habe geholfen, Barrikaden zu bauen und Säcke und Reifen geschleppt. "Noch hoffen sie, dass es nicht so weit kommt und es keine Kämpfe in Lwiw gibt", sagt Thater.

Ihr Onkel patrouilliert am Flughafen in Lwiw. Ab und zu würden in der Stadt einzelne Söldner gesichtet, die verhaftet würden, aber Unruhen seien bisher ausgeblieben. Soldaten und Panzer seien in diesen Bereich des Landes bisher nicht vorgedrungen. Dennoch sei die Situation sehr belastend.

Kinder und Erwachsene sind traumatisiert von den Erlebnissen

Vor allem die Kinder leiden. Das bekomme ihre Tante immer häufiger zu spüren, erklärt Thater. Sie betreut Geflüchtete, die in einer Schule untergebracht sind. Vor allem die Sirenen, die vor den Luftangriffen warnen, setzten den Kindern zu. Einige fangen laut der Ukrainerin an zu stottern, können nichts mehr essen und erbrechen sich.

Auch ihre Cousine habe am Morgen zu ihr gesagt, die ganze Nacht nicht geschlafen und nur geweint zu haben. Die traumatischen Erlebnisse des Krieges lassen sie auch in Hamburg nicht in Ruhe.

Zudem fehle es in den Krankenhäusern an sämtlichen Medikamenten. Länger als eine Woche könne die Versorgung nicht mehr aufrechterhalten werden. Das habe eine Freundin ihrer Cousine, die nun auch in Hamburg ist, von dem Krankenhaus, in dem sie arbeitet, erfahren. Auch die Apotheken seien leer.

Die Polizei in St. Petersburg hält Demonstranten während einer Aktion gegen Russlands Angriff auf die Ukraine fest.
Die Polizei in St. Petersburg hält Demonstranten während einer Aktion gegen Russlands Angriff auf die Ukraine fest. (Quelle: dpa-bilder)

Truppenbewegungen in Richtung Westukraine versetzen Bürger in Angst

Während des Telefonates checken die Frauen permanent die Nachrichten. Die neuesten Entwicklungen bereiten ihnen Sorgen vor den nächsten Tagen. "Das ist nicht mehr nur Putins Krieg", erklärt die Hamburgerin. Groß sei die Angst, dass sich auch weitere Länder genau wie Belarus an den Angriffen beteiligen und auch die Lage im Westen des Landes verschlimmern.

"Und jetzt sehe ich, dass die Straßen in St. Petersburg voller Menschen sind, die protestieren. Und das macht uns Hoffnung. Nur die Menschen in Russland, die auf die Straße gehen, können Putin umstimmen und uns helfen."

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Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Iryna Thater
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Von Anna Bytom
PolizeiRusslandUkraine

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