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Wolf beißt Kind im Kontaktzoo Eschede – Stoppt diesen Kuscheltier-Irrsinn


Wildtiere als Spektakel sind ein Desaster

  • Patrick Schiller ist t-online Regio Redakteur in Hannover.
Von Patrick Schiller

Aktualisiert am 20.08.2023Lesedauer: 3 Min.
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Ein Wolf in einem Wildpark (Symbolbild): In einem Tierpark in Niedersachsen hat ein Wolf ein Kind in die Brust gebissen. (Quelle: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-bilder)

Im Filmtierpark Eschede hat ein Wolf ein Kind gebissen – während eines "Nahkontakts" in dem "Kontaktzoo". Wer ein Kind solcher Gefahr aussetzt, ist nicht mehr bei Trost.

Am Mittwoch hat ein achtjähriger Junge im Filmtierpark Eschede einen gefährlichen Zwischenfall überlebt. Nachdem er sich kurz mit einem Wolf bekannt gemacht hatte, schnappte das Tier plötzlich nach dem Jungen und fügte ihm eine leichte Verletzung an der Brust zu. Er musste ins Krankenhaus und wurde entlassen. Aber das hätte auch wesentlich schlimmer ausgehen können. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der Tierpark bezeichnet sich als "Kontaktzoo", in dem "Lieblingstiere zum Anfassen" geboten werden. Bis zum Jahr 2021 sogar große Raubkatzen. Also abgehalfterte Tiger und Löwen, die mit Metallketten angebunden und für ein Foto drapiert würden.

Doch schon an dieser Grundidee des Zoos ist alles falsch. Und auch die Eltern, die ihre Kinder einer solchen Gefahr aussetzen, müssen sich fragen, ob sie noch bei Trost sind. Vor allem, wenn derartige Kontakte in dem Zoo eigentlich erst ab 16 Jahren erlaubt sind. Diesen folgenschweren Fehler müssen sich nun Tierpark und Eltern anlasten.

Es ist verständlich, dass ein Tierpark wie der Filmtierpark Eschede Besucher anzieht, die hautnah mit ihren Lieblingstieren interagieren möchten. Wo kann man das denn auch sonst? Und das mag bei Kaninchen und Co. auch noch sehr niedlich und wenig gefährlich sein. Doch gerade bei Wildtieren wie Wölfen und großen Raubkatzen sollten die Sicherheit der Besucher sowie das Tierwohl stets an erster Stelle stehen. Und beides ist hier nicht gegeben.

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Wildtiere verdienen Respekt und Schutz

Wir müssen uns bewusst sein, dass Wildtiere ihre Instinkte und natürlichen Verhaltensweisen haben, die nicht durch Zähmung oder regelmäßigen Kontakt mit Menschen einfach verschwinden. Stattdessen sollten wir sie in ihrem natürlichen Lebensraum schützen und respektieren. Wölfe und Raubkatzen verdienen Respekt und denselben Schutz, selbst wenn sie in der Vergangenheit von der Filmbranche oder in Zoos ausgebeutet worden sind. Dann vielleicht sogar ganz besonders.

Zumal frei lebende Wölfe und andere Wildtiere in Deutschland derzeit ohnehin für eine öffentliche Debatte sorgen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) möchte Problemtiere möglichst bejagen dürfen, auch das rot-grüne Niedersachsen denkt über eine Änderung seiner Wolfspolitik nach. Aber in einem Tierpark werden die Raubtiere plötzlich zu Kuscheltieren, nur weil wir uns das in unseren Köpfen vorstellen?

Ein "Nahkontakt" und das Streicheln von Wildtieren dient keinem pädagogischen Zweck. Was vermittelt man Kindern mit dieser Haltungsform? Und auch von artgerechter Haltung kann hier keine Rede sein. Diese Tiere haben es sich nicht ausgesucht, in oftmals viel zu kleinen Gehegen für den Rest ihres Lebens als Instagram-Foto-Deko herhalten zu müssen oder um kleinen Kindern mal eine Freude zu machen. Das ist purer Egoismus und das Gegenteil von Tierliebe.

Veterinäramt ist hier gefordert

Das zuständige Veterinäramt muss genauer hinschauen und prüfen, ob die Bedingungen im Filmtierpark Eschede den Ansprüchen an den Tierschutz gerecht werden. Die Sicherheit der Besucher und der Tiere sollte oberste Priorität haben, und wenn es Zweifel an der Eignung eines Tierparks für solche direkten Tierkontakte gibt, muss gehandelt werden.

Der Vorfall im Filmtierpark Eschede darf nicht als Einzelfall betrachtet werden. Wir müssen uns grundsätzlich überlegen, welche Formen der Tierhaltung und des Tierkontakts in allen Zoos wirklich im Sinne des Tierschutzes und der Sicherheit der Besucher stehen. Und wir dürfen diese Debatte nicht mehr weiter aufschieben, wenn uns die Tiere wirklich am Herzen liegen.

Mittlerweile hat der Landkreis Celle reagiert: Wolfskontakte in dem Zoo wurden vorerst gestoppt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Transparenzhinweis
  • Dieser Text wurde mit maschineller Unterstützung erstellt und redaktionell geprüft. Wir freuen uns über Hinweise an t-online@stroeer.de.
Verwendete Quellen
  • Eigene Meinung des Redakteurs
  • Eigene Recherche
  • Instagram-Account und Website des Filmtierparks Eschede
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