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Tag gegen Gewalt an Frauen: "Die Zwangsehe steht nicht im Koran"


"Die Zwangsehe steht nicht im Koran"

Von Florian Eßer

25.11.2022Lesedauer: 3 Min.
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Sonja Fatma Bläser (Archivbild): Die Kölnerin hat 2006 die Beratungsstelle Hennamond e. V. gegründet.
Sonja Fatma Bläser (Archivbild): Die Kölnerin hat 2006 die Beratungsstelle Hennamond e. V. gegründet. (Quelle: imago stock&people)
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Die Kölnerin Sonja Fatma Bläser hat Gewalt am eigenen Leib erfahren. Heute will sie anderen Betroffenen helfen. Dafür hat sie den Hennamond e. V. gegründet.

Sonja Fatma Bläser wird 1964 in Anatolien geboren, in einem kleinen Dorf im Nordosten der Türkei. Es ist keine leichte Kindheit in der Provinz Kars – ihre Onkel und Cousins schlagen das Mädchen. Wenn sie wieder einmal verprügelt wurde, sucht sie Trost bei Hatun. Die junge Frau ist so etwas wie Mutter- und Schwesterersatz zugleich.

Bläser ist acht Jahre alt, als Hatun gesteinigt wird. Zuvor ist die Frau – selbst noch mehr Jugendliche als Erwachsene – von ihrem Mann schwanger geworden. Die Ehe der beiden wurde arrangiert. Er sei nicht der Vater, behauptet der Mann. Hatun habe ihn betrogen, die Ehre der Familie sei beschmutzt. Um diese wiederherzustellen, tötet die Dorfgemeinschaft Hatun mit Steinwürfen gegen den Kopf. Sonja Fatma Bläser wird Zeugin der Tat.

Mit Gewalt zur Hochzeit gezwungen

Das Erlebte lässt Bläser nicht los. Auch dann nicht, als sie mit ihren Eltern in den 1970er-Jahren nach Deutschland emigriert. Sie lebt in Kreuzberg bei Wipperfürth, ist oft in Köln zu Besuch. Im liberalen Köln, mit seiner homosexuellen Community und Frauen, die ihr Leben selbst gestalten. Bläser will das auch. Germanistik studieren, Journalistin werden, selbstbestimmt leben. Aber ihre Familie hat andere Pläne.

Im Alter von 20 Jahren fährt Bläser mit ihren Eltern in die türkische Heimat. Angeblich, um Urlaub zu machen, doch tatsächlich soll sie verheiratet werden. Mit einem Cousin. Die junge Frau wehrt sich dagegen, wird dann von ihren männlichen Verwandten geschlagen. Ein Imam kommt dazu, sie wird gegen ihren Willen mit dem Mann vermählt.

"Männer haben mich gesucht, um mich zu töten"

Das alles ist lange her. Mittlerweile konnte Bläser ihrer Zwangsehe entfliehen. Nach der Flucht vor Ehemann und Familie wurde sie bedroht. "Mich haben Männer aus der türkischen Community gesucht und umbringen wollen", schildert Bläser im Gespräch mit t-online. Diese Männer bedrohten sie mit Schusswaffen und manipulierten die Bremsen ihres Autos.

1999 veröffentlichte sie dann das autobiografische Buch "Hennamond – Mein Leben zwischen zwei Welten", in dem sie ihre Geschichte erzählt. Sieben Jahre später gründete sie mit Hennamond e. V. einen Verein der sich gegen die Gewalt an Mädchen und Frauen einsetzt. Der Verein leistet Aufklärungs- und Beratungsarbeit, hilft Frauen in Zwangsehen oder in Familien, in denen sie häusliche Gewalt erfahren.

"Es geht viel um politische Korrektheit"

Die Gefahr eines Ehrenmords, so sagt Bläser, sei nämlich auch heute noch realistisch. Auch mitten in Deutschland, mitten in Köln. Hennamond e. V. ist deswegen in Schulen und anderen Einrichtungen für Jugendliche aktiv, hier erzählt Bläser jungen Mädchen ihre Geschichte: "Das soll ihnen Mut geben, sich Rat und Hilfe zu holen", erklärt sie. So real das Leid der Frauen ist, so tabuisiert ist das Thema dabei noch immer. "Es geht viel um politische Korrektheit", erklärt die Kölnerin, "niemand möchte etwas gegen den Islam oder das Weltbild sagen."

Gewalt gegen Frau: Eine Frau versucht, sich vor der Gewalt eines Mannes zu schützen. (Symbolbild)
Gewalt gegen Frauen (Symbolbild): Hennamond e. V. will Mädchen und Frauen helfen, die in Familie und Beziehung Gewalt erfahren. (Quelle: Maurizio Gambarini/dpa-bilder)

Gewalt gegen Frauen ist vielseitig

So spreche man zwar oft über die Missbrauchsfälle innerhalb der katholischen Kirche, dass aber auch Imame sexuell übergriffig und gewalttätig werden, würde verschwiegen: "Eine junge Frau zum Beispiel hat von sexuellem Missbrauch in der Koranschule berichtet", erklärt Bläser. Dieses Thema wird sie auch in ihrem Vortrag ansprechen, den sie am internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen in Paderborn halten wird. Genauso wie die Zwangsverheiratungen von Mädchen und Frauen mit Behinderungen. "Diese haben es noch schwerer, sich Hilfe zu holen", so sagt sie.

Gewalt gegen Frauen, das sei schließlich nicht nur körperliche Gewalt in Form von Schlägen. Sexuelle und psychische Gewalt spielten ebenso eine Rolle und dürften nicht ausgeklammert werden. "Diese Menschen leben nach archaischen Traditionen und legen den Islam so aus, wie es ihnen passt", erklärt Bläser: "Die Zwangsehe steht nicht im Koran."

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Verwendete Quellen
  • Persönliches Gespräch
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