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Mettmann: Pfarrer segnet Homosexuelle und bekommt Ärger von Kardinal Woelki


Gottesdienst mit Folgen
Pfarrer segnet Homosexuelle und bekommt Ärger von Kardinal Woelki

Von dpa
01.08.2023Lesedauer: 3 Min.
Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln (Archivbild): Der Kardinal des Kölner Erzbistums hat einen Pfarrer aus Mettmann gerügt.Vergrößern des BildesRainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln (Archivbild): Der Kardinal des Kölner Erzbistums hat einen Pfarrer aus Mettmann gerügt. (Quelle: IMAGO)
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Ein Pfarrer segnet gleichgeschlechtliche Paare und wird von Kardinal Woelki gerügt. Das Kölner Erzbistum verweist auf Regeln des Vatikans, die einzuhalten seien.

Ein Pfarrer in Mettmann hat Ärger mit der katholischen Kirche bekommen, nachdem er bei einem Gottesdienst auch gleichgeschlechtliche Paare gesegnet hat. Die Vorwürfe seien über den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki direkt aus Rom gekommen, teilte Pfarrer Herbert Ullmann am Dienstag mit. Das Vorgehen sei "irritierend und nicht im Einklang des Evangeliums in meinem Verständnis stehend", kritisierte der Pfarrer. Über den Fall hatten zuvor mehrere Medien berichtet.

Eine dem Pfarrer schriftlich vorliegende Anweisung enthält seinen Angaben zufolge das Verbot, gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu segnen. Ullmann teilte mit, der von Kardinal Woelki beauftragte Generalvikar Guido Assmann habe ihm mündlich erklärt, die Auflagen entsprächen im bürgerlichen Recht einer Abmahnung. Das Erzbistum Köln teilte mit, man äußere sich zu Personalangelegenheiten grundsätzlich nicht.

Arbeitsrechtliche Konsequenzen wegen Segnungsgottedienst

Hintergrund ist ein Segnungsgottesdienst für alle sich liebenden Paare - also auch homosexuelle Paare - den Ullmann im März leitete. "Es war eine schöne Veranstaltung", sagte Maximilian Böhm, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Regenbogenkirche für alle" in Mettmann. Die hatte den Gottesdienst mit organisiert. Vom Vorgehen Woelkis sei die Gruppe enttäuscht. Für sie sei es gar nicht vorstellbar gewesen, dass es noch einen Bischof gebe, der aufgrund eines Segnungsgottesdiensts arbeitsrechtliche Konsequenzen ziehe.

"Die Kirche diskriminiert Menschen aufgrund der sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität, was menschenverachtend und würdelos ist", heißt es in einem an Woelki adressierten offenen Brief der Gruppe. "Wir bedauern, dass Sie im Jahr 2023 weiterhin an diesen diskriminierenden Regelungen festhalten."

Assmann: Priester müssen sich an Regeln des Vatikans halten

Der Kölner Generalvikar Guido Assmann sagte der "Rheinischen Post", dass "für Priester im Erzbistum Köln die Regeln gelten, die der Vatikan 2021 noch einmal eindeutig erklärt hat". Im Erzbistum Köln werde die Haltung gelebt, die die offizielle Haltung der katholischen Kirche sei. Daran solle sich auch jeder Priester halten. Sollte der Vatikan eine andere Haltung annehmen, würde das Erzbistum Köln natürlich folgen.

Auch der Kirchenrechtler Norbert Lüdecke verwies auf die Regeln aus Rom. Ein Pfarrer habe vor seiner Amtsübernahme zu bekennen, dass er sich mit allen verbindlichen Lehren der Kirche identifiziere, sagte er dem "Express". "Und er hat geschworen, alle kirchlichen Vorschriften einzuhalten. Zu ihnen gehört auch, keine Nicht-Hetero-Beziehungen zu segnen." Woelki sei wie alle Bischöfe verpflichtet, auf die Einhaltung kirchlicher Gesetze zu drängen.

Video | "Das ist der Gipfel der Ironie"
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Quelle: t-online

Andere Bistümer zeigen sich offener

Tatsächlich stehen andere NRW-Bistümer dem Thema aber liberaler gegenüber. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer sagte, die Frage solcher Segensfeiern stellten viele Priester vor ein Dilemma. "Sie wollen die Wünsche und Sehnsüchte von Menschen gerne erfüllen, die einen Segen für ihre Liebe erbitten - und geraten in einen Widerspruch mit der kirchlichen Lehre", teilte er mit. "Die Antwort darauf können keine Verbote und Ermahnungen sein, sondern nur das Gespräch und die Suche nach Lösungen, die den Menschen gerecht werden."

Auch der Münsteraner Bischof Felix Genn stärkte Geistlichen den Rücken, die queere Menschen segnen. Er werde "keine Konsequenzen oder Sanktionen gegen Seelsorger/innen aussprechen, die sich so verhalten, wie sie es aufgrund ihres seelsorglichen Auftrags und ihres Gewissens im Dienst an den Menschen für richtig halten", wird das Bistum in der "Rheinischen Post" zitiert. Auch der Aachener Bischof Helmut will demnach den Gewissensentscheidungen des jeweiligen Priesters vertrauen.

Pfarrer Ullmann will sich von dem Ärger nicht entmutigen lassen: "Ich werde andere Wege suchen, Menschen zu erreichen, die nicht im Einklang mit dem kirchlichen Lehramt trotzdem eine Beheimatung in Glaube und Kirche suchen", teilte er mit.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur dpa
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