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Köln: 15 Jahre nach Stadtarchiv-Einsturz – Gedenken an den schwarzen Tag


Einsturz des Stadtarchivs
Der Tag, an dem das Kölner Gedächtnis begraben wurde


Aktualisiert am 03.03.2024Lesedauer: 3 Min.
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Ex-OB Fritz Schramma vor der Einsturzstelle (Archivbild): Für den Politiker sollte nichts bleiben, wie es war. (Quelle: imago-images-bilder)

Am 3. März 2009 stürzt das Historische Kölner Stadtarchiv ein. Zwei Menschen sterben – eine Katastrophe, zu der es nicht hätte kommen müssen.

Es ist der 3. März 2009, ein Dienstag. Auf der Severinstraße herrscht geschäftiges Treiben – Menschen erledigen Besorgungen, Autos schieben sich durch den Stadtverkehr, im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium am Waidmarkt sitzen die Schüler über ihren Büchern, warten auf den Schulschluss. In die Geräuschkulisse mischt sich Maschinenlärm, denn in der Severinstraße wird gebaut. Hier am Waidmarkt soll eine Gleiswechselanlage für die Nord-Süd-Stadtbahn entstehen. Ein Tunnel soll gebaut werden, direkt vor dem Historischen Archiv der Stadt Köln soll er verlaufen.

Im Zuge der Bauarbeiten kam es zu einem Wasserrohrbruch in dem Gebäude, in das das Stadtarchiv 1971 gezogen war. Es bildeten sich Risse, das sechsstöckige Bauwerk sackte etwa zwei Zentimeter ab. Ein Gutachter empfahl, die Ursachen dafür zu prüfen, doch nichts geschah. Erste Warnzeichen für die Katastrophe, die an diesem Dienstag ganz Köln erschüttern wird.

"Die schlimmen Befürchtungen sind traurige Gewissheit"

Inzwischen ist es kurz vor 14 Uhr. In der Baugrube des Tunnels kommt es zu einem Wassereinbruch. Die Bauarbeiter flüchten aus der Grube, ahnen, dass ein Unglück bevorsteht. Sie wollen die Anwohner der Straße warnen, die Mitarbeiter des Stadtarchivs, die Passanten. Die Baustelle wird evakuiert, auch der Lesesaal des Archivs. Rettung in letzter Sekunde.

Um 13.58 Uhr stürzt das Historische Archiv der Stadt in sich zusammen, bricht zur Straßenseite weg. Auch zwei Nachbarhäuser werden bei dem Einsturz mitgerissen. Mit ihnen stürzen zwei junge Männer in die Tiefe: Khalil G. und Kevin K., 24 und 17 Jahre alt, kommen beim Einsturz der Gebäude ums Leben. Die Warnung der Bauarbeiter hat sie nicht erreicht, vermutlich schliefen sie zum Zeitpunkt der Tragödie. Nach fünf beziehungsweise neun Tagen werden ihre Leichen in den Trümmern geborgen.

Bekannte des Studenten und des Bäckerlehrlings weinen um die Verstorbenen an der Einsturzstelle. Auch der damalige Kölner Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) zeigt sich ob der Todesfälle bestürzt. "Damit sind die schlimmen Befürchtungen traurige Gewissheit geworden, dass das Unglück auf der Severinstraße Menschenleben gekostet hat", sagt er. Ende März gibt Schramma an, nicht erneut als OB der Stadt zu kandidieren. Sein Krisenmanagement wird heftig kritisiert. Seine Amtszeit endet im Oktober 2009.

Ein Baufehler mit fatalen Folgen

Khalil G. und Kevin K. sterben bei dem Einsturz, 36 weitere Menschen verlieren ihre Wohnungen: Die beschädigten Häuser müssen abgerissen werden. Auch für das historische Erbe Kölns ist der 3. März 2009 ein schwarzer Tag. "Unter einem riesigen Berg aus Schutt und Trümmern wurden Tausende Archivalien begraben", heißt es vonseiten der Stadt. "Das über Jahrhunderte gewachsene Stadtgedächtnis schien innerhalb von Sekunden zerstört und für immer verloren."

Als Ursache für das Unglück gilt ein Leck in einer sogenannten Schlitzwand, die während der Bauarbeiten nicht fachgemäß errichtet worden war. Ein Baufehler mit fatalen Folgen: Durch das Leck sickerte stetig Grundwasser in die Baugrube, das permanent abgepumpt werden musste. Dabei wurden offenbar auch Sand und andere Partikel abgetragen, sodass sich unter dem Stadtarchiv ein Hohlraum bildete. Das Gebäude rutschte in den entstandenen Krater ab.

Gedenken an den schwarzen Tag

Das Gros der verschütteten Dokumente und Archivalien konnte geborgen werden, wurde aber massiv in Mitleidenschaft gezogen: 35 Prozent des Archivguts wurde bei dem Einsturz schwerst beschädigt, 50 Prozent trugen schwere und mittlere Schäden davon, 15 Prozent wurden leicht beschädigt.

Inzwischen ist das Stadtarchiv in einen Neubau am Eifelwall gezogen, doch auch 15 Jahre nach dem Unglück gehen die Bauarbeiten an der Einsturzstelle weiter. Um Khalil G. und Kevin K. zu gedenken, findet jedes Jahr eine Zeremonie an der Einsturzstelle statt. Dort, wo am 3. März das Kölner Gedächtnis begraben wurde.

Verwendete Quellen
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