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Köln: Eltern fordern Schulfilter per Petition

Petition gestartet  

Kölner Eltern kämpfen für Luftfiltergeräte in Schulen

Christopher Dröge

20.02.2021, 08:19 Uhr
Köln: Eltern fordern Schulfilter per Petition. Unterricht in Winterjacke (Symbolbild): Während bei Abiturienten Abstandsregeln und Masken gut eingehalten werden können, sieht das bei Kleinkindern ganz anders aus. Darum kämpfen Kölner Eltern nun für Luftfilter.  (Quelle: imago images/Björn Hake)

Unterricht in Winterjacke (Symbolbild): Während bei Abiturienten Abstandsregeln und Masken gut eingehalten werden können, sieht das bei Kleinkindern ganz anders aus. Darum kämpfen Kölner Eltern nun für Luftfilter. (Quelle: Björn Hake/imago images)

Während die Schulen in NRW den Betrieb wieder aufnehmen, sorgen sich Eltern, ob die Maßnahmen ausreichen. In Köln fordern sie nun per Petition von der Stadt, Schulen und Kitas mit mobilen Luftfiltern auszustatten. t-online sprach mit zwei Elternteilen.

Da hatte die Stadtschulpflegschaft Köln offensichtlich einen Nerv getroffen: Am 16. Februar startete sie eine Online-Petition, die die Stadt Köln auffordert, alle Klassenräume, Kitas und OGS-Einrichtungen im Stadtgebiet mit Luftfiltern der Klassen HEPA 13 und HEPA 14 auszustatten, oder deren Einsatz zumindest zu ermöglichen. Am folgenden Wochenende hatten sich bereits 5.280 Unterstützende (Stand: Samstagmorgen, 8 Uhr) gefunden, das geforderte Quorum von 5.000 Unterschriften war damit schnell erreicht. Ein Indiz dafür, dass immer mehr Kölner Eltern die Meinung der Stadtverwaltung, die herkömmliches Lüften immer noch als den Königsweg gegen die Infektion durch Aerosole ansieht, nicht mehr teilen.

Abstand und Maske unmöglich bei Kleinkindern 

Zu den Unterzeichnenden gehört etwa Thomas Jung, Mitglied des Elternbeirats einer städtischen Kindertagesstätte in Nippes. Er wirbt seit dem vergangenen Sommer bei Kita-Leitung und Stadtverwaltung für die Luftfiltergeräte. "Abstand halten und Maske tragen sind im Umgang mit Kleinkindern einfach nicht durchzuhalten", ist er überzeugt. "Wir fragten uns, wie wir unsere Kinder besser vor Infektionen schützen können und Bekannte, die im medizinischen Bereich tätig sind, versicherten uns, dass Luftfilter der Klassen HEPA 13 und 14 auch Viren und andere Keime aus der Luft filtern würden."

Diese Information hat sich auch unter den Elternvertretungen der Schulen herumgesprochen. "Inzwischen haben vielfach einzelne Eltern oder auch Fördervereine die Initiative ergriffen und eigenständig Geräte angeschafft, um diese ihren Schulen zu schenken", kann Nathalie Binz aus dem Vorstand der Stadtschulpflegschaft berichten.

Mundmasken und Jacken hängen im Flur einer Schule: Kölner Eltern fühlen sich allein gelassen. (Quelle: imago images/Kirchner-Media)Mundmasken und Jacken hängen im Flur einer Schule: Kölner Eltern fühlen sich allein gelassen. (Quelle: Kirchner-Media/imago images)

Stadt lehnt Filter grundsätzlich ab

Doch in der Kölner Stadtverwaltung ist man der Auffassung, dass Raumluftfilter keinen Ersatz für herkömmliches Lüften darstellen und höchstens dort zum Einsatz kommen sollten, wo dies nicht möglich ist. Schenkungen von mobilen Luftfiltergeräten lehnt sie daher ab – Eltern dürften selbst angeschaffte Geräte zwar in den Klassenzimmern aufstellen, allerdings nur, wenn sie die Verantwortung für Inbetriebnahme, Wartung und Haftung selbst übernähmen, so Binz. "Das hieße, dass die Filter auch nur von einem Elternteil betätigt werden dürfen", erklärt sie.

"Dass wir das Schulgelände in der Pandemie nicht betreten sollen, macht die Sache etwas schwierig." Sie betont, dass es den Eltern nicht darum geht, das Lüften durch dem Einsatz von Maschinen zu ersetzen. "Lüften ist natürlich nach wie vor sinnvoll. Wir möchten, dass es durch den Einsatz von Luftfiltern ergänzt wird."

Mit ihrer skeptischen Haltung ist die Stadt Köln in Nordrhein-Westfalen nicht allein: Eine Umfrage des WDR unter 271 Kommunen des Landes ergab, dass bislang nur 77 Gemeinden seit dem Beginn der Pandemie Luftfilter für Schulen angeschafft haben. Dabei hatte das Land im November 2020 einen Fördertopf von 50 Millionen Euro für die Ausstattung mit Luftreinigungsgeräten eingerichtet. Davon wurden bis Mitte Januar jedoch erst 12,5 Millionen Euro abgerufen.

Die Befürworter können sich auf Studien der Universität der Bundeswehr in München, der Universität Münster und der Goethe-Universität in Frankfurt am Main stützen. Diese kommen zu dem Ergebnis, dass HEPA-14-Raumluftfilter das Ansteckungsrisiko durch Aerosole deutlich reduzieren – um bis zu 90 Prozent, so die Untersuchung der Frankfurter. Auch die Deutsch-Physikalische Gesellschaft argumentiert, dass technische Lösungen einer passiven Lüftung überlegen seien.

Stadt: Aussagekräftige Ergebnisse erst im Schulbetrieb

Die Stadt Köln hingegen folgt der Argumentation des Umweltbundesamtes, das den aktuellen Wissensstand für zu unsicher hält, um von einer wirksamen Minderung von Infektionen auszugehen. Sie plant daher, in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Köln eine eigene Untersuchung durchzuführen. Dabei sollen sechs verschiedene Modelle in Räumen verschiedener Schulformen erprobt werden, die nicht auf anderem Weg gelüftet werden können.

Aussagekräftig seien die Ergebnisse jedoch erst unter Realbedingungen, also wenn der Schulbetrieb wieder aufgenommen worden sei. Gegenüber Nathalie Binz gab die Stadt an, dafür Mittel aus dem Fördertopf des Landes abgerufen zu haben, die ohnehin nur für den Einsatz in schlecht belüftbaren Räumlichkeiten vorgesehen seien.

Nach Binz' Auffassung geht die Stadtverwaltung viel zu zögerlich vor. Sie sagt: „Bei all den wissenschaftlichen Belegen, die es inzwischen gibt, ist eine weitere Untersuchung doch wirklich unnötig“. Und weiter: "Wir finden, dass die Stadt eigentlich für die Anschaffung der Geräte verantwortlich wäre, aber zumindest sollte sie Eltern, die das auf eigene Rechnung tun, nicht noch Steine in den Weg legen."

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