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Fast vier Jahre Haft f├╝r Kindesmissbrauch

Von Johanna T├╝ntsch

Aktualisiert am 30.03.2021Lesedauer: 3 Min.
Der 64-j├Ąhrige Angeklagte (l.) w├Ąhrend der Verhandlung mit seinem Verteidiger (Archivbild): Sein Gest├Ąndnis rechnete ihm die Staatsanwaltschaft an.
Der 64-j├Ąhrige Angeklagte (l.) w├Ąhrend der Verhandlung mit seinem Verteidiger (Archivbild): Sein Gest├Ąndnis rechnete ihm die Staatsanwaltschaft an. (Quelle: Johanna T├╝ntsch)
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Er machte pornografische Fotos von Freundinnen seines Sohnes und verging sich an Nachbarskindern. Daf├╝r wurde ein Mann vor dem K├Âlner Landgericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

"Das ist ein Punkt, der ausger├Ąumt werden muss an mir. Ich werde auf jeden Fall nochmal in die Therapie gehen", bekannte ein 64-j├Ąhriger Fernfahrer, der sich vor dem Landgericht K├Âln verantworten musste. Er bezog sich damit auf seine immer wieder auftretende Neigung, sich Kindern gegen├╝ber sexuell ├╝bergriffig zu verhalten. Erstmals war er damit in den 1980er Jahren aufgefallen, dann wieder 2014. Nun wurde er wegen sexuellen Missbrauchs im Jahr 2020 verurteilt sowie wegen zweier Taten im Jahr 2012.

Von einer P├Ądophilie im eigentlichen Sinne k├Ânne man bei ihm aber nicht sprechen, hatte der psychiatrische Gutachter ausgef├╝hrt: Dagegen spreche, dass er auch mit erwachsenen Frauen Beziehungen gehabt und zweimal eine Familie gegr├╝ndet habe.

"Es wird bei mir keine Vorkommnisse in Sachen Kinder mehr geben", hatte der Angeklagte in seinem letzten Wort vor der Urteilsverk├╝ndung versprochen. Mit seinem Auftreten vor Gericht unterschied er sich erheblich von den meisten Angeklagten, die wegen vergleichbarer Taten zur Rechenschaft gezogen werden: Viele von ihnen schweigen eher, rechtfertigen sich oder bestreiten die Vorw├╝rfe. Der 64-J├Ąhrige sprach mit verbl├╝ffender Offenheit. Sperrige, mitunter etwas unbeholfene Formulierungen k├╝ndeten von seiner Scham, aber auch dem intensiven Reflektieren der Verbrechen und seiner eigenen Biografie.

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Sechsj├Ąhrige zeigte Tat an Kuscheltier

Das w├╝rdigte auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft: "Durch das vollumf├Ąngliche Gest├Ąndnis wurde den Kindern viel erspart." Sie mussten nicht aussagepsychologisch begutachtet werden, und f├╝r drei von ihnen entfiel auch die Zeugenaussage vor Gericht. Das spreche f├╝r den Angeklagten.

Andere Aspekte f├╝hrte sie jedoch zu seinen Lasten aus. Mindestens eine der Taten stelle einen gravierenden Eingriff in die sexuelle Entwicklung des Opfers dar, zumal der Angeklagte dem Kind, einem 6-j├Ąhrigen Nachbarsm├Ądchen, gesagt habe, sie d├╝rfe ├╝ber das Geschehen nicht sprechen. Die Mutter habe im Zeugenstand geschildert, wie es dem Kind tagelang schwergefallen sei, sich zu offenbaren. Schlie├člich konnte sie ihren Eltern nur an einem Kuscheltier zeigen, was ihr widerfahren war. "Zu seinen Gunsten f├Ąllt mir hier allenfalls die kurze Dauer der Tat ein", so die Staatsanw├Ąltin.

Die Rechtsanw├Ąltin, die eines der M├Ądchen als Nebenkl├Ągerin vertritt, mahnte in ihrem Pl├Ądoyer: "Man muss entscheidend ber├╝cksichtigen, dass das unmittelbar nach Ablauf einer Bew├Ąhrungszeit geschah." Sie kritisierte auch den Sprachgebrauch des Mannes, der seine Taten als "Mist" und "Eselei" bezeichnet habe. Begrifflichkeiten wie "Vorkommnisse" und "was passiert ist" zeigen, dass er nicht vollst├Ąndig die Verantwortung f├╝r seine Taten ├╝bernehme. Das Gest├Ąndnis sei vielleicht strafmindernd zu seinen Gunsten zu werten, andererseits hinterfragte sie dies und gab zu bedenken: "Damit haben wir vielleicht kein vollst├Ąndiges Bild davon, was die Taten bei den Kindern bewirkten."

Verteidiger: "Tatvorwurf sollte in der JVA nicht rauskommen"

F├╝r diese Ausf├╝hrung erntete die Nebenklagevertreterin die Kritik des Verteidigers: "Das ist zynisch! Nat├╝rlich k├Ânnen wir hier auch eine 6- bis 7-J├Ąhrige f├╝nf Stunden lang auf links drehen, aber man muss genau abw├Ągen, was eine solche Aussagesituation mit Kindern macht", so der Strafverteidiger. Das Gest├Ąndnis seines Mandanten sei au├čergew├Âhnlich: "Ich kannte ihn gerade einmal zehn Sekunden, da sagte er mir schon: Das stimmt so, wie es da steht."

Der Verteidiger sprach auch einen anderen Aspekt an, der Einblick in den Alltag hinter den Mauern der Justizvollzugsanstalten (JVA) gibt: "Der Tatvorwurf sollte in der JVA nicht rauskommen, sonst ist er dort seines Lebens nicht mehr sicher. Es passiert vielleicht nicht unbedingt das Schlimmste, aber dass man ihn sich mal vorkn├Âpft und rundmacht, ist schon zu erwarten. Das ist kein Punkt aus amerikanischen Filmen, sondern Realit├Ąt in deutschen Gef├Ąngnissen." Er pl├Ądierte auf ein mildes Urteil mit einer Haft von mindestens drei Jahren.

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Die Kammer folgte jedoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft: Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in f├╝nf F├Ąllen sowie wegen Besitzes kinderpornografischer Schriften verh├Ąngten die Richter eine Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten.

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Von Carlotta Cornelius
Kindesmissbrauch

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