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Köln: Wolf riss wohl Schafe und Hühner – Politiker unbesorgt

Seltene Sichtung in Köln  

Wolf riss wohl Schafe und Hühner – Politiker unbesorgt

Von René Denzer

25.05.2021, 09:50 Uhr
Überwachungskamera in Köln filmt Raubtier

Ein Wolf wurde in der Nacht zu Mittwoch mitten in Köln gesichtet. Auch eine Überwachungskamera auf einem Firmengelände konnte ihn einfangen. (Quelle: t-online/Social)

Wolfbesuch mitten in der Stadt: Hier sehen Sie die Aufnahmen aus der Überwachungskamera in Köln-Ehrenfeld. (Quelle: t-online)


Der mitten in Köln-Ehrenfeld gesichtete Wolf ist nach wie vor Thema in der Stadt. Bei Merkenich wurden mehrere tote Schafe und Hühner gefunden – doch im Stadtrat ist man derzeit noch unbesorgt.

Das Video einer Überwachungskamera von dem in Köln gesichteten Wolf war ein Hit im Netz. "Wollte der Wolf zu uns in die Kantine?", scherzte denn auch die Rheinenergie auf Twitter. Und fügte hinzu, dass das Betriebsrestaurant des Energieversorgers zum Zeitpunkt des ungewöhnlichen Besuchs leider geschlossen hatte.

So sehr der Wolf im Kölner Westen bestaunt wurde – so groß ist die Sorge im Kölner Norden. Hier wurden einen Tag später in der nördlichen Rheinaue bei Merkenich vier tote Schafe und 14 tote Hühner gefunden. Die Risswunden könnten zu einem Wolf passen. Anwohner hatten die Polizei gerufen und von dem Fund berichtet. Ein sogenannter Wolfsberater hat Proben genommen. Sollte sich der Wolfsverdacht durch genetische Untersuchungen erhärten, kann der Besitzer einen Antrag auf Entschädigung stellen.

Die Aufnahme von dem Wolf in Köln sehen Sie im Video oben oder hier.

Dies bestätigt auch Robert Schallehn, Diplom-Biologe und umweltpolitischer Sprecher der Grünen Ratsfraktion in Köln. "Sollte es sich bewahrheiten, dass die Schafe von einem Wolf gerissen wurden, so hat der Halter Anspruch auf Entschädigung durch das Land, zudem gibt es Mittel für Herdenschutzhunde und Zäune."

Ein wirksamer Herdenschutz sei seit Jahrzehnten gut erprobt. Landwirte sollten sich jetzt mit dem Thema auseinandersetzen und nicht abwarten, bis weitere Fälle auftreten. "Solche Maßnahmen sind mit Aufwand und anfangs auch Mehrkosten verbunden, die Landwirtinnen  und Landwirte leisten so jedoch einen großen Beitrag für die Artenvielfalt", wird Schallehn in einer Mitteilung der Grünen zitiert. Unterstützung und Beratung gebe es bei den Wolfsberatern des Landes.

"Gelungener Artenschutz"

Dass sich ein Wolf nun wieder auch in der Kölner Region zeige, "ist ein Zeichen für gelungenen Artenschutz", betont Schallehn. Schließlich sei er ein einheimisches Wildtier, das durch menschliche Aktivität für lange Zeit als ausgerottet galt. "Gerissene Nutztiere sind leider eine für Landwirtinnen und Landwirte belastende und herausfordernde Begleiterscheinung. Wir sollten die Entwicklung daher zum Anlass nehmen, um das Zusammenleben mit diesem Raubtier wieder neu zu lernen", so der umweltpolitische Sprecher der Ratsfraktion der Grünen.

Auch Christian Joisten, Vorsitzender der SPD-Ratsfraktion, begrüßt es grundsätzlich, dass es in Deutschland wieder Wölfe gibt. Dass jetzt ein einzelnes Tier in Köln aufgetaucht ist, dürfte eher ein seltenes, "aber für Menschen auch ungefährliches Ereignis sein". Schließlich seien Wölfe keine Stadttiere und dem Menschen gegenüber eher scheu, so Joisten zu t-online.

Schutz für Weidetiere nötig

Dennoch sollten die Umweltbehörden geeignete Maßnahmen ergreifen, "um den verirrten Wolf wieder in weniger urbane Gegenden zu lenken", so der Fraktionschef der Sozialdemokraten. Der Schutz von unbewachten Nutztieren auf Weiden und Feldern müsse dabei im Mittelpunkt stehen. "Sollten die gerissenen Schafe auf das Konto des Wolfes gehen, wird eine Genanalyse diese Frage klären. In diesem Fall gibt es eine Entschädigung für den Besitzer." Unabhängig von diesem Einzelfall müsse die Landesregierung einen klaren Plan zum Schutz von Mensch, Wolf und Nutztieren vorlegen, falls sich die Tiere künftig öfters in Stadtgebiete verirren, betont Joisten.

Bernd Petelkau, Fraktionschef der CDU im Kölner Stadtrat, sieht bei einem einzelnen Wolf "kein großes Gefährdungspotenzial". Schließlich meide ein Wolf normalerweise den Kontakt zum Menschen. Deswegen sieht Petelkau die Sichtung derzeit unkritisch. Allerdings sei es womöglich gut, im Kölner Norden Schutzvorrichtungen für die Schaf- und Pferdehaltung zu treffen. Sollte es dennoch zu Schäden durch einen Wolf kommen, müssten Geschädigte "natürlich eine Entschädigung bekommen".

Verwendete Quellen:

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