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Köln: "EcoHopper" – das steckt hinter der neuen App

Grüne App für Köln  

Nachhaltiger Stadtführer: "Das Kollektiv hat unglaubliche Macht"

30.05.2021, 13:06 Uhr
Köln: "EcoHopper" – das steckt hinter der neuen App. Eine Frau schaut auf ihr Smartphone (Symbolbild): "EcoHopper" listet verschiedene ressourcenschonende Anlaufstellen für Produkte und Dienstleistungen in Köln. (Quelle: imago images/Westend61)

Eine Frau schaut auf ihr Smartphone (Symbolbild): "EcoHopper" listet verschiedene ressourcenschonende Anlaufstellen für Produkte und Dienstleistungen in Köln. (Quelle: Westend61/imago images)

Fair, Second Hand, Bio oder regional: "EcoHopper" will Menschen in Köln helfen, nachhaltig zu leben. Wie funktioniert das? t-online hat mit dem Mann dahinter über die neue App für Köln gesprochen.

Ein neues Insekt setzt zum Sprung an, um sich in Köln breit zu machen. Es ist grün, und es ist digital. Die Rede ist vom "EcoHopper", dem Grashüpfer, der das Maskottchen der gleichnamigen App ist, die in diesen Tagen an den Start gegangen ist. Vereinfacht gesagt ist sie ein Stadtführer, dessen Fokus auf nachhaltigen Initiativen, Geschäften und Institutionen liegt. Mit der "EcoHopper"-App, deren Umsetzung auch für weitere Städte bereits in Arbeit ist, hat ihr Erfinder Olivér Szabó große Pläne.

"Ich habe ein Ziel", sagt er. Kurz holt er Luft und lässt den Blick in die Weite schweifen. Er sitzt im siebten Stock auf einer Dachterrasse an der Bonner Straße. Von hier aus sieht man nicht nur den Verkehr, der sich durch die Kölner Südstadt schiebt, sondern viel mehr. Nordwärts liegt die dicht besiedelte Stadt, während es Richtung Süden hinter den Häusern Raderbergs immer grüner wird.

Olivér Szabó: Von seiner Dachterrasse aus hat er einen guten Blick ins Grüne, aber auch auf die weniger nachhaltigen Seiten des Stadtlebens. (Quelle: Johanna Tüntsch)Olivér Szabó: Von seiner Dachterrasse aus hat er einen guten Blick ins Grüne, aber auch auf die weniger nachhaltigen Seiten des Stadtlebens. (Quelle: Johanna Tüntsch)

Den Horizont bildet die Silhouette des Siebengebirges: ein guter Ort für Visionen. "Ich möchte einen Wandel anstoßen", sagt Szabó. "Ich wünsche mir, dass die Leute verstehen, welche Macht sie haben. Viele denken, dass sie als einzelne nichts bewirken können. Aber wenn von zehn Leuten plötzlich fünf oder sechs vom gewohnten Kurs abschwenken, dann ändert das etwas. Das Kollektiv hat eine unglaubliche Macht."

Neues entdecken in Seitenstraßen

Der neue Kurs, den er mit dem "EcoHopper" einschlagen möchte, ist der eines anderen Konsumverhaltens. So führt die App nicht nur zu Geschäften, sondern auch zu Tauschbörsen, Urban-Gardening-Projekten, Werkstätten, NGOs und Bürgerinitiativen. Ungefähr 400 Adressen sind derzeit hinterlegt.

Sucht man eine Fahrradwerkstatt in Mülheim? Ist man in Bickendorf und hat Lust auf eine frische Tasse fair gehandelten Biokaffee? Oder kam man als Tourist mit dem Flieger in die Domstadt und möchte zum Ausgleich ein lokales Umweltschutzprojekt unterstützen?

Der "EcoHopper" soll weiterhelfen und stellt mit kurzen Einträgen die passenden Anlaufstellen vor. Dabei können Nutzer auch auswählen, auf welche Nachhaltigkeitskriterien sie besonders den Fokus legen möchten. Abschließend kann man in der App den Stadtteil eingrenzen oder die Option "Überrasche mich" wählen. Per Navigation wird man vom aktuellen Standort aus zum jeweiligen Ziel geleitet.

Viele Geheimtipps

Unter den Adressen sind auch solche, die ohne Hilfe schwer zu finden wären. "Einer meiner Lieblingsläden hat gar keine eigene Homepage", schmunzelt Szabó. Ein Nebeneffekt der App: "Man gelangt mitunter in Seitenstraßen, in die man sonst nie gehen würde. So entdeckt man immer jede Menge Neues."

Gleichzeitig fördere das die Binnenwirtschaft innerhalb eines Stadtteils. "Vor allem schwächere Stadtteile können davon profitieren", hofft Szabó. Denn, so seine Erfahrung: Köln hat viel mehr zu bieten als die großen Bioläden in gentrifizierten Veedeln wie Sülz, Ehrenfeld und der Südstadt. Mit einer Vielzahl spannender Projekte hat ihn zum Beispiel Kalk und Zollstock überrascht: "Da geht wirklich was", findet er.

Eine Frau fährt mit ihrem Fahrrad durch die Kölner Innenstadt (Symbolbild): Eine App will Bewohnern und Besuchern der Stadt helfen, nachhaltiger zu konsumieren. (Quelle: imago images/Future Image)Eine Frau fährt mit ihrem Fahrrad durch die Kölner Innenstadt (Symbolbild): Eine App will Bewohnern und Besuchern der Stadt helfen, nachhaltiger zu konsumieren. (Quelle: Future Image/imago images)

Ein Beitrag zur Quartiersentwicklung

2019 gründete Olivér Szabó "greencentive", eine Agentur für ökologisches Event- und Projektmanagement. In dem Jahr begann er auch damit, auf Stadtteilspaziergängen nachhaltige Einkaufsmöglichkeiten in der Nachbarschaft vorzustellen. "Das war süß, aber es erreichte zu wenige. Deswegen habe ich die Stadtteilspaziergänge größer gedacht", berichtet Szabó. Der nächste Schritt und unmittelbare Vorgänger der App war das "EcoHopping": Begleitet von einem Programm stellten teilnehmende Geschäfte an einem bestimmten Wochenende ihr Angebot vor.

Die Weiterentwicklung davon ist die gleichnamige App. Die Idee dazu stammt von Szabó, die technische Umsetzung der App hat Marcel Graus mit seinem Team übernommen, der mit Cambio Analytics GmbH auf Datenanalyse spezialisiert ist. "Personenbezogene Daten werten wir nicht aus", versichert Szabo, "aber statistische Auswertungen könnten interessant sein, um zu ermitteln, was häufig gesucht wird. Mit solchen Informationen könnten wir auch zur Quartiersentwicklung beitragen."

Kritik an Eventbranche: "Vieles ist für den Müll bestimmt"

Szabós Weg in die Nachhaltigkeitsszene führte über seine vorherige Tätigkeit in der Eventbranche. Dort erlebte er den Klimawandel in seinem Alltag – etwa, wenn Outdoor-Veranstaltungen, die früher nur bis Anfang September möglich waren, regelmäßig bis in den Oktober hinein verlängert werden konnten.

Gleichzeitig kritisierte er zunehmend die Gepflogenheiten der Eventbranche: "Da gibt es so viel Ressourcenverschwendung! Essen bleibt übrig, Aufbauten werden für eine Woche angefertigt und dann verschrottet, Deko, Blumen – vieles ist nach kurzer Zeit für den Müll bestimmt."

Das liege auch an der Erwartungshaltung der Kunden, sagt er: "Alles muss sofort und endlos verfügbar sein." Ein Schlüsselerlebnis sei es für ihn gewesen, als er im Fernsehen auf dem Sender Arte eine Dokumentation über Plastik im Meer sah. "Wir werfen früheren Generationen vor, dass sie nichts gegen die Nazis gemacht haben. Ich habe keinen Bock, mir später vorwerfen zu lassen, dass ich nichts gegen den Klimawandel getan hätte", meint der dreifache Vater.

Verwendete Quellen:
  • Gespräch mit Olivér Szabó

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